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Argentinien: Zeuge für Junta-Folter misshandelt aufgefunden

48 Stunden nach seinem Verschwinden ist der Zeuge gegen einen ehemaligen Folterer der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983), Luis Jerez, wieder aufgetaucht.

Die Polizei habe den 50-Jährigen auf einer Strasse der Stadt Garín nördlich von Buenos Aires gefunden, berichteten Medien am Freitag.

Jerez habe unter Schock gestanden und nach unbestätigten Angaben Anzeichen von Misshandlungen aufgewiesen, hiess es weiter. Aussagen von Jerez selbst, der in ein Spital gebracht wurde, gab es zunächst nicht. Er war seit Mittwochabend vermisst worden.

Nur Minuten vor dem Auftauchen von Jerez hatte Präsident Néstor Kirchner in einer Fernsehansprache ehemalige Militärs und Polizisten für das Verschwinden von Jerez und des seit mehr als drei Monaten vermissten Zeugen Jorge Julio López verdächtigt. Alles deute daraufhin, dass ehemalige Mitglieder des Unterdrückungsapparates der Militärdiktatur den Staat erpressen wollten, um einer Bestrafung zu entgehen, sagte Kirchner.

«Aber mit diesem Präsidenten wird es keine Amnestie geben», betonte der Staatschef. Das Volk rief er auf, den Ernst der Lage nicht zu verkennen.

Jerez ist einer der Hauptbelastungszeugen im Strafverfahren gegen den Ex-Polizisten Luis Abelardo Patti, dem Folter von Gefangenen und andere Verbrechen vorgeworfen werden. Patti konnte wegen des Verfahrens seinen Parlamentssitz nicht antreten.

Das Verschwinden von Zeugen und Drohungen gefährden nach Angaben von Menschenrechtlern zunehmend die gerade erst wieder begonnenen Strafverfahren gegen Ex-Polizisten und Militärs wegen Diktaturverbrechen. Viele Zeugen hätten Angst, noch auszusagen.

(sda)

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