Aktualisiert 20.10.2006 11:46

Aribert Heim: Lebt die «Bestie in Weiss» noch?

Vor 60 Jahren endete der Nürnberger Prozess, der zwölf der schlimmsten Naziverbrecher zu Tode verurteilte. Doch der wohl sadistischste von allen, Aribert Heim wird immer noch gesucht. Der SS-Arzt, der auf bestialische Art und Weise in Konzentrationslagern Häftlinge ermordete könnte noch am Leben sein: Die letzte Spur führt nach Chile.

Ohne Narkose entnahm Aribert Heim Häftlinge in den Konzentrationslagern Mauthausen und Buchenwald Organe, um herauszufinden, wie lange sie brauchen, um unter schlimmsten Qualen zu sterben. Andere narkotisierte er und nahm die Gedärme heraus. Dann wartete er bis sie erwachten, um auch hier sehen zu können, wieviel Zeit sie brauchen, um endlich sterben zu dürfen.

Der 1914 im österreichischen Radkersburg geborene Heim wäre heute 92 Jahre alt. Er schaffte es, nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1961 in Süddeutschland als Gynäkologe tätig zu sein. Seitdem ist er auf der Flucht. Die deutsche Regierung hat 130 000 Euro auf seinen Kopf ausgesetzt, das Simon-Wiesenthal-Zentrum noch einmal 140 000 Euro. «Der Mann lebt, hundertprozentig», behauptet Nazijäger Efraim Zuroff.

Viele Indizien sprechen dafür, dass er Recht hat. Erst Ende 2003 stiess die Berliner Polizei durch Zufall auf ein – inzwischen eingefrorenes – Konto bei der Sparkasse Berlin, prall gefüllt mit einer Million Euro. Konto-Inhaber: Aribert Heim. Wäre er tot, hätten seine Erben bei Vorlage der Sterbeurkunde Zugriff auf das Vermögen. Doch obwohl seine Familie seit Jahren beteuert, Heim sei 1993 in Argentinien verstorben, fehlt dafür bis heute jeder Beweis.

Es gilt als sicher, dass der SS-Arzt nach Aufenthalten in Ägypten und in Uruguay schon in den 60-er Jahren in Spanien wohnte: Das Land, bis 1975 von Faschisten regiert, bot damals vielen Altnazis Zuflucht. Im Oktober 2005 bittet die deutsche Polizei Hilfe bei ihres spanischen Amtskollegen. Doch noch bevor die Zielfahnder eintreffen, kann Heim entkommen: «Ich glaube, es gab ein Leak bei der spanischen Polizei», vermutet Zuroff.

Vor einigen Tagen erhält die deutsche Polizei eine neue Meldung: Der Horror-Arzt ist in Chile. Dort nämlich lebt seine 42-jährige uneheliche Tochter. Doch bereits zwei Tage nach der Anfrage aus Deutschland berichtet die Zeitung «La Nación» über die Suche nach Heim in Chile. Wieder ist der KZ-Arzt frühzeitig gewarnt.

Zuroff setzt dennoch alle Hoffnung weiterhin auf die Tochter in Südamerika: «Sie ist der Schlüssel zu ihm», sagt er, «sie weiss, wo er steckt. Heim hat es geschafft, in den sechs Wochen, die er in Mauthausen war, über 500 Häftlinge umzubringen. Seine Verbrechen dürfen nicht ungesühnt bleiben. Wir müssen ihn fassen, bevor er stirbt.»

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