Aktualisiert 23.06.2015 17:42

FlüchtlingswelleArlesheim nimmt temporär 100 Asylbewerber auf

Der Bund wird ab Freitag Asylbewerber in einer Arlesheimer Zivilschutzanlage unterbringen. Die Anwohner wussten davon bis am Dienstag nichts.

von
Lukas Hausendorf
1 / 11
Roger Lang, Leiter des Empfangs- und Verfahrenszentrums Basel (links) mit Martin Reichlin, Mediensprecher des Staatssekretariats für Migration und dem Arlesheimer Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller an der Medienorientierung am Dienstag. Arlesheim stellt dem SEM eine Zivilschutzanlage für Asylbewerber zur Verfügung.

Roger Lang, Leiter des Empfangs- und Verfahrenszentrums Basel (links) mit Martin Reichlin, Mediensprecher des Staatssekretariats für Migration und dem Arlesheimer Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller an der Medienorientierung am Dienstag. Arlesheim stellt dem SEM eine Zivilschutzanlage für Asylbewerber zur Verfügung.

20 Minuten/lha
Zwischen Feuerwehrmagazin und Curlingzentrum im beschaulichen Arlesheim ziehen schon Ende Juni 2015 die ersten Asylbewerber ein. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen fehlen dem Bund in seinen Empfangszentren zusätzliche Plätze.

Zwischen Feuerwehrmagazin und Curlingzentrum im beschaulichen Arlesheim ziehen schon Ende Juni 2015 die ersten Asylbewerber ein. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen fehlen dem Bund in seinen Empfangszentren zusätzliche Plätze.

20 Minuten/lha
Die Gemeinde Arlesheim erklärte sich bereit Hand zu bieten. In der Zivilschutzanlage wurden 1998 zum Höhepunkt der Jugoslawienkrise schon Flüchtlinge beherbergt. Laut Gemeindepräsident Zeller machte man damals keine negativen Erfahrungen.

Die Gemeinde Arlesheim erklärte sich bereit Hand zu bieten. In der Zivilschutzanlage wurden 1998 zum Höhepunkt der Jugoslawienkrise schon Flüchtlinge beherbergt. Laut Gemeindepräsident Zeller machte man damals keine negativen Erfahrungen.

20 Minuten/lha

«Wir tun das aus Solidarität», sagte Arlesheims Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller am Dienstagvormittag. Soeben hatte er erklärt, dass seine Gemeinde dem Staatssekretariat für Migration (SEM) eine Zivilschutzanlage zur Verfügung stellt, die das ausgelastete Empfangs- und Verfahrenszentrum in Basel entlasten wird. Bis zu 100 Asylbewerber sollen hier, vorerst ein halbes Jahr lang, untergebracht werden.

Seit dem Frühsommer ist die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz sprunghaft angestiegen. «Wir gehen dieses Jahr von rund 29'000 Flüchtlingen aus, wobei die meisten in den Sommermonaten kommen», so Martin Reichlin, Mediensprecher des SEM. An der Schweizer Südgrenze macht sich der saisonale Effekt bemerkbar. Am vergangenen Wochenende wurden im Tessin 350 Asylgesuche registriert. Die Empfangszentren des Bundes mit ihren insgesamt 2800 Plätzen sind allesamt voll ausgelastet. Das SEM hat schon bei mehreren Dutzend Gemeinden um Hilfe ersucht. Arlesheim sprang jetzt in die Bresche.

Solidarität lohnt sich für Gemeinde

Der Gemeinderat beschloss am Dienstag vor einer Woche, dem SEM die Zivilschutzanlage unter dem Feuerwehrmagazin anzubieten. Für die Gemeinde lohnt es sich, dem Bund zu helfen. Die bis zu 100 Flüchtlinge werden dem Flüchtlingskontingent Arlesheims gutgeschrieben. Aktuell muss jede Baselbieter Gemeinde eine Quote von 0,6 Prozent der Einwohnerzahl erfüllen. Arlesheim müsste folglich rund 56 Asylsuchende aufnehmen können.

So viele Plätze hat die Gemeinde aber nicht. Solange sie dem Bund die Zivilschutzanlage zur Verfügung stellt, muss sie das Kontingent auch nicht erfüllen. Und Bern kommt erst noch für sämtliche Kosten auf. Für Arlesheims ist die Solidarität also kostenlos. Würde die Gemeinde die Zivilschutzanlage nicht dem Bund zur Verfügung stellen, müsste sie diese allenfalls selbst zur Unterbringung von Flüchtlingen in Betrieb nehmen. Dann aber wäre die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags nicht mehr gratis.

Rund um die Uhr bewacht

Das Empfangszentrum in Arlesheim wird rund um die Uhr durch die Securitas überwacht und tagsüber sind bis 22 Uhr zusätzlich Mitarbeitende der spezialisierten Betreuungsfirma ORS vor Ort. Die Asylbewerber, die hier auf ihren Asylentscheid warten und danach abgeschoben oder an die Kantone weitergegeben werden, bleiben aber nicht den ganzen Tag im Untergrund. Die nahegelegenen Sportanlagen stehen ihnen offen, nicht aber das Schwimmbad. Ein begleiteter Ausflug dorthin sei aber denkbar, sagt ein ORS-Mitarbeiter.

Schon 1998 zum Höhepunkt des Jugoslawienkriegs wurden in der gleichen Zivilschutzanlage während eines halben Jahres Flüchtlinge untergebracht. «Es gab damals keine einzige negative Schlagzeile», erinnert sich Zeller, der damals selbst als Freiwilliger bei der Betreuung half. Auch jetzt ist er zuversichtlich, dass es keine Probleme geben wird. «Das sind alles korrekte, anständige Menschen.»

Das Volk hat nicht das letzte Wort

Für Donnerstag hat der Gemeinderat eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung anberaumt. Mitbestimmen kann diese aber nicht mehr. Schon am Freitag beziehen die ersten 15 bis 20 Asylbewerber die Unterkunft. «Diese dem Bund zur Verfügung zu stellen liegt in der Zuständigkeit des Gemeinderats», so Zeller.

Vor fünf Jahren scheiterte der Bau eines kantonalen Durchgangszentrums für Asylsuchende. Eine knappe Mehrheit der Gemeindeversammlung sagte damals Nein zu einer entsprechenden Umzonung und dem dazugehörigen Baukredit.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.