Aktualisiert 24.06.2004 05:58

Armee brüskiert Jurassier mit Panzermanöver

Die Feierlichkeiten des Kanton Jura zum dreissigsten Jahrestag der Abstimmung vom 23. Juni 1974, welche den Weg für die Kantonsgründung freimachte, wurden am Mittwoch von einem Panzermanöver der Armee überschattet.

Auf dem Programm standen unter anderem ein patriotischer Marsch der Autonomiebewegung «Mouvement autonomiste jurassien» (MAJ) vom Schloss Morimont in Frankreich nach Pruntrut sowie verschiedene Ansprachen. Gar nicht goutiert wurde dagegen ein «Beitrag» der Schweizer Armee an die Festivitäten.

Kein Fingerspitzengefühl

Mit ihrem Panzermanöver in Les Breuleux JU provizierte die Armee viele Jurassier und vergällte ihnen die Freude am Fest. Die Verantwortlichen entschuldigten sich umgehend für den Faux-pas.

Ein Panzerkommandant habe das nötige Fingerspitzengefühl vermissen lassen, sagte Daniel Reist, Sprecher der Territorialtruppen, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er habe offensichtlich nicht bedacht, dass sich die Armee und besonders die Bewohner in den Freibergen seit jeher spinnefeind seien.

Der jurassische Militärdirektor Claude Hêche kündigte an, er werde vehement auf den Vorfall reagieren, zumal dies nicht zum ersten Mal am Jahrestag der Abstimmung vorkomme.

Das Bedauern der Territorialtruppen genüge nicht. Er werde sich an Verteidigungsminister Samuel Schmid wenden, und er erwarte eine offizielle Entschuldigung, sagte Hêche. Der Vorfall sei ein Ausdruck totaler Respektlosigkeit gegenüber dem jurassischen Volk.

Umso inbrünstiger und emotionsgeladener intonierten am Abend die rund tausend Gäste in Pruntrut die «Rauracienne», das Kampflied der Jurassier. Regierungspräsident Jean-François Roth würdigte in seiner Ansprache die Verdienste der «jurassischen Patrioten», namentlich der Gründungsväter Roland Béguelin und Roger Schafter.

Kleinkariert

Roth wies aber auch auf Schwächen des Kantons hin, so auf die immer noch schwierige Zugänglichkeit, die zu langsame wirtschaftliche Entwicklung, Kleinkariertheit und die Abwanderung der Bevölkerung.

Mit Blick in die Zukunft sagte Roth, er möchte aus dem Jura einen Kanton machen, der über seine Grenzen hinaus strahle und Neugier erwecke und, «warum nicht», sogar die Nachbarn zu einer Annäherung ermuntere.

Parlamentspräsident und MAJ-Generalsekretär Pierre-André Comte sprach das Thema Wiedervereinigung mit dem Berner Jura an. Das jurassische Volk habe seine diesbezüglichen Hoffnungen nicht begraben.

Kämpferische Töne

Kämpferischer tönte es seitens der anderen Autonomisten. «Wir verlangen vom Kanton, dass er sich aktiv um die Vereinigung des Juras bemüht», sagte Joël Lachat, MAJ-Vizepräsident. Eine schwache Haltung stärke lediglich die Bevormundung durch Bern.

Der Kampf für die Vereinigung des Jura sei über die Gültigerklärung der MAJ-Volksinitiative «Un seul Jura» zu führen, forderte Lachat weiter. Die jurassische Regierung empfahl dem Parlament dieser Tage, - sehr zum Ärger des MAJ -, die Initiative für ungültig zu erklären, da sie Bundesrecht widerspreche.

Mit dem Volksbegehren sollen die Behörden des Kantons Jura aufgefordert werden, dem Berner Jura ein offizielles Angebot für die Vereinigung zu unterbreiten.

(sda)

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