Churfirsten: Armee-Helikopter bringt Hai ins Tal
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ChurfirstenArmee-Helikopter bringt Hai ins Tal

90 Millionen Jahre alt sind die versteinerten Wirbel eines Ur-Hais, die ein Wanderer 2002 am Chäserrugg in den Churfirsten fand. Nun wurden die Fossilien mit einem Armee-Helikopter in einer spektakulären Aktion geborgen.

Der Fund sei für die Schweiz einmalig und für die Wissenschaft hoch interessant, erklärte der Direktor des Naturmuseums St. Gallen, Toni Bürgin, der die Bergung mitverfolgte. Die Fundstelle befindet sich auf 2140 Metern am Rand der Rosenböden, unterhalb des Chäserruggs.

400 Kilogramm schwer

Für den Transport der 1,4 Meter langen und 400 Kilogramm schweren Kalksteinplatte mit den Fossilien war ein Super-Puma-Helikopter nötig. Die Hai-Wirbel wurden in Unterwasser auf einen Lastwagen umgeladen und nach St. Gallen gebracht. Dort werden sie bis zum 25. Oktober in der aktuellen Ausstellung «Haie - gejagte Jäger» gezeigt.

Der Hai, dem die Wirbel gehörten, war laut Bürgin rund fünf Meter lang. Er gehörte zur Gattung «Cretoxyrhina», einem Verwandten des heute noch lebenden Weissen Hais. Die Kalksteinschichten lagen ursprünglich im Meer. Durch die Faltung der Alpen vor etwa 30 Millionen Jahren wurden sie vom Meeresboden auf über 2100 Meter Höhe gehoben.

Den ungewöhnlichen Fund hatte Joël Furer aus Tramelan auf einer Wanderung über die Churfirsten im Sommer 2002 gemacht. Er entdeckte zehn etwa je 7 Zentimeter grosse Versteinerungen auf einer Felsplatte. Im Umkreis wurden später noch etwa zehn weitere fossile Wirbel gefunden.

Laut Bürgin wussten bis zur Bergungsaktion nur wenige Personen vom Fund. Die Entdeckung wurde sieben Jahre lang praktisch geheim gehalten. Jetzt habe sich eine gute Gelegenheit ergeben, die Versteinerungen ins Tal zu transportieren und in St. Gallen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Noch ein Fund

An der Bergungsaktion vom Mittwoch nahm auch der Finder Joël Furer teil. Dabei entdeckte der Betriebsmechaniker aus Tramelan etwa 20 Meter von der ersten Fundstelle entfernt gleich noch zwei weitere versteinerte Hai-Wirbel. Sie dürften laut Toni Bürgin von einem andern Hai stammen. Der neuerliche Fund sei «spektakulär», zeigte sich Bürgin begeistert.

Vollständigere Funde von urzeitlichen Cretoxyrhina-Haien liegen aus den USA und Mexiko vor. Die Funde vom Chäserrugg werden nach der Ausstellung im Naturmesum St. Gallen präpariert und wissenschaftlich untersucht. Später sollen sie im Museum auf Dauer einen prominenten Platz erhalten. (sda)

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