Sri Lanka: Armee setzt zum Endkampf an

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Sri LankaArmee setzt zum Endkampf an

Die srilankische Regierung hat angekündigt, die im tamilischen Rebellengebiet im Norden des Landes festsitzenden Zivilisten binnen 48 Stunden zu «befreien». Der Armee werde das gesamte Gebiet einnehmen.

Das letzte noch von den Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) gehaltene Gebiet werde bis zum Wochenende von der Regierungsarmee eingenommen werden, sagte Regierungssprecher Anusha Palpita am Freitag. Binnen 48 Stunden sollten tausende Zivilisten «aus den Klauen der Tamilen-Tiger befreit werden», zitierte er Präsident Mahinda Rajapakse. Die Armee werde das gesamte Tamilengebiet einnehmen.

Der UNO-Sicherheitsrat hatte sich zuvor besorgt über die humanitäre Krise im Nordosten des Inselstaats gezeigt und die Konfliktparteien aufgerufen, die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Gebiet zu garantieren. Die srilankische Armee führt seit Januar im Nordosten des Landes eine Grossoffensive gegen die LTTE-Rebellen, die dort seit 1983 für einen eigenen Tamilenstaat kämpfen.

Nach Schätzungen der Regierung in Colombo sitzen derzeit noch bis zu 20 000 Zivilisten in einem wenige Quadratkilometer grossen Gebiet fest, in dem sich die Rebellen verschanzt halten. Unabhängige Informationen aus dem Kriegsgebiet gibt es keine.

1000 Tote in einer Woche

Die schweren Artillerieangriffe im Kriegsgebiet haben nach Angaben von Ärzten binnen einer Woche mehr als 1000 Zivilpersonen das Leben gekostet. Rund 7000 wurden den Vereinten Nationen zufolge bereits zwischen Ende Januar und Anfang Mai getötet, 16 700 weitere erlitten Verletzungen. Das geht aus UNO-Unterlagen hervor, die der Nachrichtenagentur AP zugänglich gemacht wurden.

In der Nacht zum Freitag flüchteten erneut fast 4000 Zivilpersonen aus dem Kampfgebiet, wie die Streitkräfte mitteilten. Die tamilischen Rebellen hätten auf die Flüchtenden geschossen und vier von ihnen getötet, sagte ein Militärsprecher. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) wiesen dies zurück.

In den vergangenen Monaten haben etwa 200 000 Menschen das Kriegsgebiet verlassen und sind in inzwischen überfüllten Lagern untergekommen. International wächst die Sorge um Zehntausende weitere Menschen, und das Rote Kreuz warnte vor einer «unvorstellbaren menschlichen Katastrophe» für Hunderte Verletzte, die ohne ärztliche Behandlung im Norden der Insel eingeschlossen sind.

(pbl/sda/ap)

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