Aktualisiert 08.02.2017 08:08

Naht die Wehrpflicht?Armee startet neue Offensive bei Frauen

Die Politik will jungen Schweizerinnen den Armeedienst schmackhaft machen. Sie sollen alle zu Info-Tagen eingeladen werden.

von
J. Büchi
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Müssen bald alle ins Militär? Rekrutinnen rücken 2006 in die Sommer-RS ein.

Müssen bald alle ins Militär? Rekrutinnen rücken 2006 in die Sommer-RS ein.

Keystone/Yoshiko Kusano
Bereits im Februar hatten Sicherheitspolitiker des Nationalrats eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragen soll, alle jungen Frauen zu den Orientierungstagen der Armee einzuladen. Dadurch soll der Militärdienst «speziell auch für Frauen attraktiver» werden.

Bereits im Februar hatten Sicherheitspolitiker des Nationalrats eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragen soll, alle jungen Frauen zu den Orientierungstagen der Armee einzuladen. Dadurch soll der Militärdienst «speziell auch für Frauen attraktiver» werden.

VBS/DDPS - ZEM, Dominique Schütz
«Junge Frauen sollen erfahren, welche Möglichkeiten ihnen eine Militärkarriere eröffnet», sagt Werner Salzmann, SVP-Nationalrat und Oberst in der Armee.

«Junge Frauen sollen erfahren, welche Möglichkeiten ihnen eine Militärkarriere eröffnet», sagt Werner Salzmann, SVP-Nationalrat und Oberst in der Armee.

VBS/DDPS - ZEM, André Scheidegger

Auf Instagram gingen Selfies von Schweizer Soldatinnen jüngst unter dem Hashtag #schweizerarmee viral. Selbst die britische Presse wurde auf unsere «hot female recruits» aufmerksam. Dem Hype zum Trotz: Frauen, die Dienst leisten, sind in der Schweiz immer noch eine absolute Minderheit: Zum Erhebungszeitpunkt im letzten März waren 1117 Frauen in der Armee eingeteilt – damit waren nur gerade 0,7 Prozent aller Armeeangehörigen weiblich.

Das wollen die Sicherheitspolitiker des Nationalrats ändern. Vor Wochenfrist haben sie eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragen soll, alle jungen Frauen zu den Orientierungstagen der Armee einzuladen. Dadurch soll der Militärdienst «speziell auch für Frauen attraktiver» werden, wie es in der Mitteilung der Kommission heisst.

«Erfahrung als Ärztin sammeln»

«Junge Frauen sollen erfahren, welche Möglichkeiten ihnen eine Militärkarriere eröffnet», sagt Werner Salzmann (SVP), Oberst in der Armee. Würden alle Frauen auf freiwilliger Basis an die Orientierungstage eingeladen, sinke die Hemmschwelle, sich für den Dienst zu melden. Heute laden manche Kantone Frauen bereits an die Info-Tage ein, in anderen müssen sich weibliche Interessierte aktiv beim Kreiskommando melden.

Daniel Slongo, der Generalsekretär der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), betont, eine militärische Ausbildung sei in vielen Berufen von Nutzen: «Für eine junge Frau, die Polizistin werden will, ist das Militär eine gute Vorbereitung. Aber auch angehende Köchinnen, Ärztinnen oder Lastwagenfahrerinnen können in der Armee wichtige Erfahrungen sammeln.» Das gelte es an den Orientierungstagen aufzuzeigen.

«Armee muss das Problem bei sich suchen»

Auch die SP hat den Vorstoss in der Kommission unterstützt. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Teilnahme freiwillig ist, wie Nationalrätin Priska Seiler Graf betont. «Ich wäre als junge Frau wohl aus Neugier an einen solchen Informationstag gegangen, wäre ich persönlich eingeladen worden.» Es spreche nichts dagegen, wenn die Armee in dieser Hinsicht ihre Werbebemühungen verstärke.

Kritischer ist Lewin Lempert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (Gsoa). «Solche Info-Tage sind reine Armee-Propaganda – über die Alternativen Zivildienst und Zivilschutz wird ungenügend informiert.» Es mute ziemlich verzweifelt an, wenn das Militär um jeden Preis Frauen zu rekrutieren versuche. «So hoch, wie die Dienstuntauglichkeitsquoten in manchen Kantonen sind, muss die Armee das Problem definitiv bei sich selber suchen.»

Ein Schritt in Richtung Obligatorium?

Die Motion befeuert auch die Diskussion über eine Dienstpflicht für Frauen: Während die Gsoa jede Entwicklung in diese Richtung ablehnt, hofft die Offiziersgesellschaft genau darauf: «Die Motion ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, da sie hilft, alte Muster zu hinterfragen», so Generalsekretär Slongo. Langfristig würde die SOG eine Dienstpflicht für Frauen begrüssen – allerdings sei man sich bewusst, dass dies ein gesellschaftliches Umdenken erfordern würde.

Tatsächlich hat sich die Sicherheitspolitische Kommission unlängst gegen entsprechende Vorschläge einer Studiengruppe ausgesprochen. SVP-Mann Salzmann sagt: «Die Frauen haben genug andere Aufgaben in der Gesellschaft. Sie müssen nicht auch noch verpflichtet werden, ins Militär zu gehen.» Und Sozialdemokratin Seiler Graf findet: «Eine Dienstpflicht für Frauen kommt nicht infrage, solange etwa die Gleichstellung in anderen Bereichen – etwa beim Lohn – noch nicht erreicht ist.»

Sind Sie eine junge Frau und wollen in die Armee? Erzählen Sie uns von Ihren Beweggründen!

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