Schweiz: Armee will gebrauchte Unterhosen und Socken zurück

Aktualisiert

SchweizArmee will gebrauchte Unterhosen und Socken zurück

Wer vom Militär in den Zivildienst wechselt, muss das gesamte Ausrüstungsmaterial zurückgeben. Ausgediente dürfen einen Grossteil behalten. 

von
Tim Haag
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Bei einem Wechsel in den Zivildienst müssen Soldatinnen und Soldaten sämtliches Material abgeben. 

Bei einem Wechsel in den Zivildienst müssen Soldatinnen und Soldaten sämtliches Material abgeben. 

VBS/DDPS
Auch persönliches Material wie Armee-Unterhosen müssen zurückgegeben werden. 

Auch persönliches Material wie Armee-Unterhosen müssen zurückgegeben werden. 

privat
Auf dem Rückgabeformular ist alles aufgelistet.

Auf dem Rückgabeformular ist alles aufgelistet.

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Darum gehts

Bei der Materialrückgabe gelten in der Schweizer Armee nicht für alle dieselben Regeln. So müssen Personen, die zum Zivildienst wechseln, ihr gesamtes Material abgeben. Die Erfahrung machte auch T.B.* aus Zollikon ZH: «Weil ich zum Zivildienst wechsle, erhielt ich die Aufforderung, meine persönlichen Gegenstände abzugeben. Ich war überrascht. Es hiess immer, dass man das persönliche Material behalten dürfe», sagt der 22-Jährige.

Irritiert habe ihn insbesondere das Rückgabeformular: «Darauf waren alle möglichen Gegenstände aufgelistet, darunter Unterhosen, Socken und Mützen. Das ist schon seltsam. Ich frage mich, ob sie diese Kleidungsstücke an andere Personen weitergeben», so B.

Laut Armeesprecher Mirco Baumann erfolgt diese Massnahme seit 2018. Ein Grund sei: «Die meisten Soldatinnen und Soldaten, die in den Zivildienst wechseln, tun dies vor, während oder kurz nach der Rekrutenschule und nicht erst nach zahlreichen Jahren Militärdienst.» Deshalb sei das persönliche Material der Zivis meist in sehr gutem Zustand und könne für eine Weiterverwendung aufbereitet werden.

Ein weiterer Grund sei, dass man mit der Rückgabe verhindern wolle, dass das Armeematerial weiterverkauft wird. Der Verkauf auf dem Sekundärmarkt stelle ein reales Problem dar: «Es gab bis 2018 viele Fälle von Personen, die an der Rekrutierung ihre Kampfstiefel entgegengenommen haben und diese im Wissen, dass sie die RS nicht absolvieren werden, direkt verkauft haben», so Baumann.

Tarnanzug muss zurückgegeben werden

Gemäss Baumann werden die Ausrüstungsgegenstände nach der Rückgabe in der Logistikbasis der Armee (LBA) kontrolliert, gewaschen und gegebenenfalls repariert. «Dieses Prozedere durchlaufen alle Gegenstände. Auch eng am Körper getragene Kleidung wie Unterwäsche wird kontrolliert, gewaschen und an Armeeangehörige weitergegeben.» Gegenstände, bei denen der Zustand eine Wiederverwendung nicht zulässt, werden vernichtet. «Natürlich ist das bei eng getragenen Kleidungsstücken öfter der Fall», so Baumann.

Soldatinnen und Soldaten, die ihre Dienstpflicht erfüllt haben, dürfen hingegen einen grossen Teil des persönlichen Materials behalten. Kleidungsstücke wie der Tarnanzug, mit denen sich die Entlassenen später als Soldatin oder Soldat ausgeben könnten, müssten jedoch zurückgegeben werden. «Je nach dem, wie gut der Zustand des Tarnanzugs ist, wird dieser wieder an andere Armeeangehörige herausgegeben oder zum Arbeitstenü (Tenu C) degradiert, das zur Benutzung während Wiederholungskursen ausgeliehen wird», erklärt Baumann. 

Der Grund für diese teils aufwendige Wiederinstandsetzung des Armeematerials: «Einerseits ist es natürlich nachhaltiger, kaputtes Material zu reparieren, als es zu ersetzen, und andererseits ist es in vielen Fällen auch günstiger», erklärt Baumann. Zudem wolle man die Steuergelder, die die Armee finanzieren, nicht verschwenden.

*Name der Redaktion bekannt 

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