Aktualisiert 01.06.2011 10:28

Proteste in Kairo

Armee zwang Frauen zu «Jungfrauentests»

Ägyptische Frauen wurden nach einer Demonstration im März auf ihre Jungfräulichkeit getestet. Aktivisten fordern vom regierenden Militärrat eine Untersuchung.

von
pbl
Ägypterinnen werden in Kairo an einem Armee-Checkpoint durchsucht.

Ägypterinnen werden in Kairo an einem Armee-Checkpoint durchsucht.

Die Vorwürfe wurden erstmals in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im Mai erhoben. Demnach hätten die Streitkräfte 18 inhaftierten Demonstrantinnen gedroht, man werde sie der Prostitution anklagen. Als Folge davon habe man sie auf ihre Jungfräulichkeit untersucht. Sie sollen auch geschlagen, gefoltert und mit Elektroschocks misshandelt worden sein.

Die Vorwürfe wurden nach einer Kundgebung am 9. März in Kairo laut. Dabei hatten Demonstranten von den Streitkräften verlangt, die demokratischen Reformen nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak am 11. Februar zu beschleunigen. Doch anders als bei den Protesten im Februar griff das Militär dieses Mal hart durch, Dutzende Demonstranten wurden auf das Gelände des Ägyptischen Museums gezerrt.

Eine Lektion erteilen

Zu ihnen gehörte Salwa Hosseini, eine 20-jährige Coiffeuse. Die Soldaten hätten sie zu Boden gedrückt, ihr mit einem Taser einen Elektroschock versetzt und sie als Prostituierte beschimpft, sagte sie gegenüber CNN: «Sie wollten uns eine Lektion erteilen und das Gefühl vermitteln, dass wir keine Würde haben.» Mit weiteren Frauen wurde sie in ein Militärgefängnis gebracht und einem «Jungfräulichkeitstest» unterzogen – gegen ihren ausdrücklichen Willen durch einen männlichen Arzt. «Ich hatte einen Nervenzusammenbruch», sagte Hosseini.

General Mahmud Shaheen, ein Mitglied des regierenden Militärrats, wies die Vorwürfe betreffend Jungfräulichkeitstests als «inakzeptabel» zurück. Ein hoher General, der seinen Namen nicht genannt haben wollte, bestätigte und verteidigte die Praxis jedoch gegenüber CNN: «Die verhafteten Mädchen waren nicht wie ihre oder meine Tochter.» Sie hätten mit männlichen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Zelten übernachtet, in denen man Molotow-Cocktails und Drogen gefunden habe.

Aufforderung zu Online-Protesten

Die Tests seien durchgeführt worden, damit die Frauen später nicht behaupten könnten, sie seien während der Haft vergewaltigt worden, sagte der General: «Wir wollten beweisen, dass sie keine Jungfrauen mehr waren, und dies war der Fall», so die aus westlicher Sicht ziemlich eigenwillige Begründung des hohen Offiziers. Ägyptische Aktivisten verlangen nun von den Streitkräften eine Untersuchung der Vorfälle, Blogger forderten für Mittwoch zu Online-Protesten auf.

Der regierende Militärrat hat zugesagt, die Führung des Landes nach den Wahlen im September einer zivilen Regierung zu übergeben. Viele vor allem junge Aktivisten befürchten jedoch, dass das autokratische Regime Mubaraks nun durch eine Militärdiktatur ersetzt wurde. Der anonyme General wies diese Befürchtungen zurück: «Der Übergang zur Demokratie kann nicht früh genug erfolgen. Die Armee will unbedingt zurück in die Kasernen und das tun, was sie am besten kann – die Grenzen des Landes verteidigen.» (pbl/dapd)

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