Kander-Drama: Armeechef verbietet riskante Übungen

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Kander-DramaArmeechef verbietet riskante Übungen

Im Nachgang zum Unglück auf der Kander hat der Chef der Armee, Korpskommandant Roland Nef, vorerst vier Massnahmen angeordnet. Alle mit grossen Risiken behafteten Tätigkeiten ohne Bezug zum Kernauftrag sind künftig verboten. Ausserdem soll die Kaderselektion nochmals überprüft werden.

Die Bewältigung und Aufarbeitung des tragischen Bootsunglücks vom 12. Juni nehme die Armeeführung noch immer sehr in Anspruch, sagte Armeechef Roland Nef am Freitag vor den rund 600 zivilen und militärischen Kaderangehörigen des Departements Verteidigung in Freiburg. Das Unglück und die Todesfälle hätten ihn tief erschüttert und traurig gemacht. Es gelte in erster Linie, den Betroffenen weiter zur Seite zu stehen und aus den ersten Erkenntnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen, ohne der laufenden Untersuchung der Militärjustiz vorzugreifen.

Die Kaderselektion werde im Nachgang zum Unglück auf der Kander nochmals von erfahrenen Milizoffizieren überprüft werden, um Schwachstellen aufzudecken, betonte Nef. Übungskonzepte sowie Konzepte für Kaderausbildung und Kaderübungen, auch Durchhalteübungen, müssten einen Bezug zum Kernauftrag des Verbandes, der Truppengattung haben. Alle mit grossen Risiken behafteten Tätigkeiten ohne Bezug zum Kernauftrag seien verboten.

Kommandanten und - im Falle der ausserdienstlichen Tätigkeiten - die entsprechenden Verantwortungsträger in den Dachverbänden müssten Übungskonzepte - insbesondere auch die Übungskonzepte der Kaderausbildung und die Konzepte der ausserdienstlichen Tätigkeiten - vor der Phase der Realisierung unter dem Risikoaspekt beurteilen. Diese Beurteilung muss folgendes beinhalten: Ausbildungsstand von Truppe und Kader, Beizug von Spezialisten, Beurteilung der Umwelt, strikte Einhaltung der Sicherheitsvorschriften, Prüfung der Konzepte am gesunden Menschenverstand. In den Schulen sollen Berufsoffiziere und Berufsunteroffiziere vorrangig für die Kaderbetreuung und für die Erziehung der Kader zu Eigenverantwortlichkeit und Risikobewusstsein eingesetzt werden.

Positive Halbjahresbilanz

Im zweiten Teil des Kaderrapports zog Armeechef Nef eine mehrheitlich positive Bilanz seines ersten halben Amtsjahres. Er verfüge über gute und kompetente Kader, stellte Nef befriedigt fest, doch seien Personalplanung, -führung und Gewinnung noch verbesserungsfähig. Erreicht worden sei die Verlangsamung der Job-Rotation durch die Einhaltung einer Verweildauer von vier bis sechs Jahren, die Priorisierung von Berufsmilitär-Stellen an der Front, die Prüfung von Stellenumwandlungen, die Weiterführung der Personalgewinnungsprämien für 2009 und die folgenden Jahre sowie Massnahmen und Instrumente zur Laufbahnplanung und Kaderentwicklung. Die Personalführung und insbesondere die Kadernachwuchsförderung müsse weiterhin als höchste Priorität des Chefs gelten. Die Reduktion von 29 auf zwölf Direktunterstellte erlaube eine effiziente Führung.

Die Kontakte mit verschiedenen Anspruchsgruppen - mit einem Schwergewicht Politik und Wirtschaft - seien wieder aufgenommen worden und müssten nun systematisch kommuniziert werden, so Nef weiter. Die Kommandanten und die Truppe selber müssten in ihren Regionen weiterfahren, die Kontakte zur Bevölkerung wieder systematisch aufzunehmen und zu pflegen. Denn die Truppe sei die erste und wirksamste Botschafterin der Milizarmee in der Öffentlichkeit.

(dapd)

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