Tim Herman: Armstrong-Anwalt kritisiert Doping-Fahnder
Aktualisiert

Tim HermanArmstrong-Anwalt kritisiert Doping-Fahnder

Gibst Du mir, so geb ich Dir. Mit diesem Motto soll die US-Antidopingagentur Belastungszeugen für den Kampf gegen Lance Armstrong suchen.

von
heg
Wird Lance Armstrong des Dopings überführt oder bleibt er für immer «sauber»? (Bild: AP)

Wird Lance Armstrong des Dopings überführt oder bleibt er für immer «sauber»? (Bild: AP)

Die Schlagzeilen um den siebenfachen Tour-de-France-Gewinner reissen nicht ab. Das jüngste Kapitel wird von Tim Herman geschrieben. Er ist einer von Armstrongs Anwälten und erhebt schwere Vorwürfe gegen die US-Antidopingagentur Usada. Diese soll Veloprofis mit einer ganz perfiden Methode ködern, gegen seinen Mandanten auszusagen.

Wie Herman der Nachrichtenagentur AP sagte, soll den Fahrern ein sogenannter «Sweetheart Deal» angeboten worden sein. «Usada verspricht Fahrern diesen Deal, wenn sie irgendetwas Nachteiliges gegen Armstrong beisteuern. Hat einer gedopt, sagen sie ihm: Wenn du Armstrong verpfeifst, holen wir den Radiergummi raus und alles ist cool.» Diese Sportler sollen den Ermittlern oder einer Grand Jury sagen, «was die hören wollen», behauptet Herman weiter. Seiner Auffassung nach verstösst das gegen geltendes Bundesrecht.

Die Usada-Regeln sehen tatsächlich nicht vor, dass Informationen über einzelne Sportler erfragt werden dürfen, berichtet die «Welt». Jedoch hat die Antidopingagentur in der Vergangenheit bereits Strafnachlässe für Plauderwillige gewährt. Eine Usada-Sprecherin widerspricht aber: «Unser Ziel in jeder Ermittlung ist es, die Wahrheit zu finden – nicht mehr und nicht weniger. Im Sinne aller sauberen Athleten werden wir fair und gründlich allen Anhaltspunkten für Doping nachgehen.» Ob und welche Fahrer von der Usada angesprochen wurden, ist nicht bekannt.

Landis lehnte «Sweetheart Deal» ab

Floyd Landis, der den ganzen Fall im Mai mit einem Mail ins Rollen brachte, hatte selbst schon ein solches Angebot erhalten. Gemäss Armstrong-Anwalt Herman habe die Usada Landis im Jahr 2007 einen ähnlichen «Sweetheart Deal» angeboten. Dieser lehnte jedoch ab. Damals war Landis noch nicht des Dopings überführt. Der ehemalige Teamkollege von Armstrong gab erst nach zweijährigem Leugnen zu, dass er beim Tour-Sieg 2006 nicht sauber fuhr.

Im Mai dieses Jahres zog sich die Schlinge um Armstrongs Hals weiter zu. Ex-Tour-de-France-Sieger Greg LeMond belastete ihn in einem Interview schwer. Dem Radsport-Weltverband UCI warf er sogar vor, Armstrongs Machenschaften zu decken.

Kommt es zur Anklage?

Trotz aller Vorwürfe konnte Armstrong bis heute kein Doping nachgewiesen werden. Dies will Jeff Novitzky nun ändern. Der als gnadenlos geltende Amerikaner führt die Ermittlungen. Fahrern, die gegen Armstrong aussagen wollen, sei geraten, die Wahrheit zu sagen. Novitzky war 2003 der grosse Strippenzieher im Dopingskandal um das Balco-Labor und brachte unter anderen die Leichtathletin Marion Jones wegen Meineids für ein halbes Jahr hinter Gitter.

Deine Meinung