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Verkehrte WeltArmstrong bricht Radsport-Gesetz

Der siebenfache Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong probt im Astana-Team den Aufstand. Dank seiner Erfahrung ist nun plötzlich er der Favorit auf das Maillot Jaune und nicht Teamkapitän Alberto Contador. Armstrong beteuert aber, nicht gegen die Regeln verstossen zu haben.

von
Herbie Egli

Gut 30 Kilometer waren auf der 3. Etappe von Marseille nach La Grande-Motte am Montag noch zu fahren, als Lance Armstrong zum Angriff blies. Der Astana-Fahrer setzte sich mit einer 30-köpfigen Fluchtgruppe ab, fuhr schlussendlich 41 Sekunden auf seinen Kapitän Alberto Contador heraus und überholte diesen im Gesamtklassement. Eine goldene Regel im Radsport besagt aber - man fährt für den Kapitän und genau dies tat Armstrong nicht.

Armstrong beteuert Unschuld

Der 37-jährige Texaner liegt dank dem Zeitgewinn im Gesamtklassement nun an 3. Stelle und hat auf Contador 19 Sekunden Vorsprung. Den «Putsch» verteidigt Armstrong aber und sagt: «Das war keine Attacke.» In diesem Punkt hat Armstrong Recht, denn die Tempoverschärfung wurde vom Team Columbia ausgelöst. Der Amerikaner hatte nur aufgepasst und ist mitgegangen, während Contador und andere Favoriten den Postabgang verpassten.

Man stellt sich aber einmal vor, ein Teamkollege von Lance Armstrong hätte dies in früheren Jahren getan, als alle in untergeordneten Rollen für die sieben Toursiege des Chefs fuhren. Das hätte Armstrong auf den Strassen Frankreichs nie zugelassen.

Nach vier Jahren wieder im Maillot Jaune?

Lance Armstrong hat nun also plötzlich die Chance, bei der Tour de France wieder ins gelbe Leadertrikot zu schlüpfen. Denn heute Dienstag steht in Montpellier das 39 Kilometer lange Mannschaftszeitfahren auf dem Programm und Armstrong, Contador und die weiteren Teamkollegen müssen im Kampf gegen die Uhr gemeinsam fahren. Paradox also, dass genau der eigentliche Kapitän Alberto Contador seinem Teamkollegen Armstrong zum Maillot Jaune verhelfen würde.

Diese verrückte Geschichte könnte tatsächlich wahr werden, denn das Astana-Team gilt als Favorit. Beim Einzelzeitfahren zum Tourauftakt in Monaco fuhren vier Athleten der kasachischen Truppe in die Top Ten. Alberto Contador kann die Hierarchie im Team aber am nächsten Wochenende wieder herstellen, wenn drei Bergetappen in den Pyrenäen anstehen und der Spanier seine Stärke am Berg ausspielt. Ausser Lance Armstrong kann auch er im gesetzteren Alter von 37 Jahren noch mithalten. Zuzutrauen ist ihm alles.

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