Aktualisiert 27.08.2012 08:37

Trotz schwerer ZeitenArmstrong gibt sich gleichgültig

Während die Welt über den Doping-Sünder Lance Armstrong herzieht, scheint dies den Amerikaner selbst kaum zu berühren. Anstatt Stellung zu nehmen, fährt er lieber ein Mountainbike-Rennen.

von
fbu

Wenige Tage ist es her, als Lance Armstrong den Kampf gegen die Dopingvorwürfe gegen seine Person aufgegeben hat und der siebenfache Tour-de-France-Sieger von der amerikanischen Dopingagentur USADA lebenslang gesperrt worden ist. Seine Erfolge sollen ihm aberkannt werden, doch Armstrong zeigt sich beinahe trotzig unberührt.

Der 40-Jährige liess es sich am Wochenende nicht nehmen, auf sein Fahrrad zu steigen und an einem Rennen teilzunehmen. Es war zwar ein Hobby-Mountainbike-Rennen, aber trotzdem, die Message des einstigen Radprofis ist deutlich: Ihr könnt mich alle mal. Keine Beichte, keine Reue. Armstrong fuhr übrigens auf den zweiten Rang, hinter einem 16-Jährigen.

UCI mit Verzögerungstaktik

Der Texaner lässt sich nicht anmerken, was es für ihn bedeutet, dass seine grössten Erfolge aus seinem Palmarés gestrichen werden sollen. Offiziell machen kann das nur der Internationale Radsportverband UCI – und auch von ihm ist nichts zu hören. Ebenso wie bei der Organisation der Tour de France, der ASO, scheint die Taktik aktuell «Abwarten» zu sein. Man müsste zuerst die Urteilsbegründung der USADA in Ruhe sichte, hiess es offiziell. Wann ein Entscheid oder eine Stellungsnahme zu erwarten ist, ist noch unklar.

Gerade für den UCI kommt der Armstrong-Schlamassel einer Katastrophe nahe. Denn eine Mitverantwortung ist dem Verband nicht abzusprechen. Zu undurchsichtig ist das System, in dem Armstrong trotz handfester Doping-Indizien anscheinend einen Sonderstatus genoss. So soll er beispielsweise vor Doping-Tests gewarnt worden sein. Ein zweiter Mangel der Organisation ist, dass sie nicht in der Lage ist, schnelle und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Sieben Jahre liegt der letzte Tour-Sieg Armstrong zurück – die Dopingvorwürfe gegen ihn gibt es schon länger. Die lange Zeit wirkt nur dem Dopingsünder selbst entgegen. Seit dem Fall «Bjarne Riis» aus dem Jahr 2007 ist bekannt, dass die Verjährung eine Rolle spielt. Der Däne durfte seinen Tour-Triumph aus dem Jahre 1996 behalten, weil bereits mehr als acht Jahre vergangen waren.

Lieber kein Sieger als andere Dopingsünder

Im Fall Armstrong könnte es also sein, dass nur die Aberkennung des letzten Tour-Sieges von 2005 ernsthaft zur Debatte steht. Wie das praktisch aussehen könnte, hat der Deutsche Doping-Experte Fritz Sörgel vorgeschlagen: «Ist doch nichts dabei, in den Annalen zu schreiben: 'Kein Sieger'.» Diese Lösung erscheint zumindest vernünftiger, als die Tourzweiten nachträglich zu den Siegern zu erklären. Allesamt wurden im Verlauf ihrer Karriere selbst wegen Dopings gesperrt oder staatsanwaltschaftlich verfolgt.

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