Dopingvorwürfe: Armstrong in den Mühlen der Grand Jury
Aktualisiert

DopingvorwürfeArmstrong in den Mühlen der Grand Jury

Lance Armstrong kann vielleicht schon bald nicht mehr ruhig schlafen. Morgen beginnen in San Francisco die Anhörungen in der Dopingaffäre um den 38-jährigen Amerikaner.

von
Herbie Egli
Bringt die Grand Jury Lance Armstrong zu Fall? (Bild: Keystone)

Bringt die Grand Jury Lance Armstrong zu Fall? (Bild: Keystone)

Nach der Tour ist vor der Tour - wenn auch nicht unbedingt auf dem Rad. Auf Lance Armstrong, den siebenfachen Tour-de-France-Gewinner, wartet nach seiner letzten Grande Boucle eine Tour durch Amerikas Gerichtssäle. Wenn es denn wirklich zu einer Anklage kommt. Zuerst untersucht der gnadenlose Fahnder Jeff Novitzky die Vorwürfe des Betrugs und der Korruption gegen Armstrong und weitere ehemalige Mitglieder der einstigen Mannschaft US Postal.

Novitzky brachte schon Leichtathletin Marion Jones ins Gefängnis. Er überführte die Sprinterin im Zuge der Doping-Affäre Balco des Meineids. Nun will der Fahnder Armstrong an den Kragen. Der erste grosse Name, der am Freitag gegen ihn aussagen wird, ist Greg LeMond, früher selbst Radprofi und Gewinner der Tour de France. LeMond sagte vor zehn Tagen in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung»: «Ihn wird es erwischen, da bin ich mir sicher. Es wird Zeit, dass er geht. Er und seine Leute waren das Schlimmste, was dem Radsport passieren konnte.»

Neben LeMond werden auch weitere (Ex-)Fahrer aussagen, unter anderen Armstrongs früherer Teamkollege Floyd Landis. Dieser brachte die ganze Lawine, die nun über den siebenfachen Tour-Champion hereinbrechen könnte, im Mai mit einem Mail ins Rollen. Gegenüber dem Fernsehsender «ABC» bekräftigte der 34-Jährige seine Anschuldigungen vor kurzem: «Ich sah Armstrong beim Dopen zu.» Landis gewann die Tour de France 2006 und wurde später selbst des Dopings überführt. Mit Tyler Hamilton und George Hincapie wollen auch zwei weitere, frühere Edelhelfer von Armstrong mit dem Top-Ermittler Novitzky kooperieren.

Bringt Novitzky Armstrong hinter Gitter?

Die Grand Jury ist kein herkömmliches Gericht, wie man es hierzulande kennt. Sie wird von einem Staatsanwalt einberufen und soll zuerst ermitteln, ob die Beweislage für eine Anklage genügt. Zu diesem Zweck haben die Grand Jurys das Recht, eigenständig Zeugen vorzuladen. Getagt wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weder der mutmassliche Täter noch sein Anwalt sind während der Vernehmung der Zeugen anwesend. Das Gremium einer Grand Jury besteht aus mindestens zwölf und maximum 23 Personen.

Ein Staatsanwalt kann sogar mehrmals eine Grand Jury einberufen, wenn er auf einer Anklage beharrt und diese ihm vom Gremium nicht gewährt wird. Weil dies oft zu heftiger Kritik führte, gibt es Grand Jurys inzwischen aber nicht einmal mehr in der Hälfte der 50 US-Bundesstaaten. In den meisten wurde sie durch ein anderes Verfahren ersetzt. Dabei muss der Staatsanwalt dem Richter zuerst Informationen vorlegen. Dieser hört darauf die Verdächtigen mit ihren Anwälten an und entscheidet erst dann über eine allfällige Anklage.

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