Kanton Bern: Armut nahm stark zu
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Kanton BernArmut nahm stark zu

Im schlimmsten Fall klopfen sie an die Tür der Notschlafstelle und können sich Geschenke nur aus dem Caritas-Laden leisten: 97 000 Personen im Kanton leben an der Armutsgrenze.

von
Bigna Silberschmidt
Gefragt: Caritas-Läden. (Bild: B. Schlatter)

Gefragt: Caritas-Läden. (Bild: B. Schlatter)

«Die Nachfrage nach einem Bett in der Notschlafstelle oder einer Mahlzeit in der Gassen­küche hat in den letzten Jahren stark zugenommen», so Sleeper-Mitarbeiterin Birgit Pangratz. Die Ursache ist für sie

klar: «Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer grösser, der Mittelstand ist am Verschwinden.»

Tatsächlich nimmt der Anteil der armen Bevölkerung im Kanton Bern stetig zu, während die Löhne der oberen Einkommensschichten steigen. Das zeigen die schockierenden Zahlen des gestern veröffentlichten Sozialberichts: 2008 waren im Kanton 97 000 Personen arm oder von Armut betroffen – 21 000 mehr als 2001. Als «arm» gelten Personen mit einem Jahreseinkommen bis zu 23 084 Franken.

«Erstaunlicherweise ist die Armutsquote in den wirtschaftlich guten Jahren angestiegen», so Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud. Armut sei damit nicht ein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Problem. Mangelnde Ausbildung – insbesondere bei Jugendlichen – und ein damit schwer zugänglicher Arbeitsmarkt nennt er als Hauptgründe. Bis Perrenouds Ziel, die Armut im Kanton innert zehn Jahren zu halbieren, erreicht ist, decken sich viele Wenigverdiener in Caritas-Läden ein: «Der Run auf die 80-räppigen Weihnachtssterne ist riesig», so Sprecher Reto Mischler. Damit könnten Arme wenigstens kleine Freuden schenken.

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