BFS-Zahlen: Armut trifft vor allem Ausländer

Aktualisiert

BFS-ZahlenArmut trifft vor allem Ausländer

Bei einer durchschnittlichen Armutsquote von 7,7 Prozent sind Ausländer aus Nicht-EU-Staaten am stärksten betroffen. Auch im Ausland geborene Schweizer sind stärker betroffen.

Armut hat viele Gesichter: Betteln auf der Strasse ist in der Schweiz nur die offensichtlichste Form.

Armut hat viele Gesichter: Betteln auf der Strasse ist in der Schweiz nur die offensichtlichste Form.

Wer im Ausland zur Welt gekommen ist, ist deutlich stärker von Armut betroffen als der Durchschnitt. Das gilt besonders auch für die im Ausland geborenen Schweizer. Die nicht-europäische Bevölkerung weist mit über 17 Prozent die höchste Armutsquote aus.

Als arm gelten Personen, die nicht über die Mittel verfügen, um die für ein gesellschaftlich integriertes Leben notwendigen Güter und Dienstleistungen zu erwerben. 2012 lebten in der Schweiz im Mittel 7,7 Prozent der Bevölkerung unter dem Existenzminimum.

Bei ausländischen Staatsangehörigen lag die Armutsquote bei 9,7 Prozent, bei Schweizerinnen und Schweizern bei 7,1 Prozent, wie die aktualisierten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund zeigen.

Besonders hoch ist das Armutsrisiko (10,1 Prozent) bei Personen mit einem Geburtsort im Ausland. Das gilt auch für jene schweizerischer Nationalität. 11,7 Prozent von ihnen führten 2012 ein Leben in Armut. Bei den in der Schweiz geborenen Landsleuten waren es 7,0 Prozent.

Mit 17,3 Prozent verzeichneten Personen aus nicht-europäischen Staaten die höchste Armutsquote aller vom BFS untersuchten Ländergruppen. Diese Quote ist tendenziell höher als jene der Bürger aus EU27- und EFTA-Ländern (9,0 Prozent) und signifikant höher als jene von Personen aus allen anderen europäischen Staaten (5,4 Prozent).

Erwerbs- und Familienarbeit ungleich verteilt

Neue Daten hat das BFS auch zur Verteilung der Familien- und der Erwerbsarbeit veröffentlicht. Demnach investieren bei den Alleinerziehenden mit einem jüngsten Kind im Alter von 0-6 Jahren Mütter mit Migrationshintergrund 24 Stunden pro Woche in die Erwerbsarbeit. Das sind 11 Stunden mehr als ihre Schicksalsgenossinnen ohne Migrationshintergrund.

Demgegenüber widmen sich Mütter ohne Migrationshintergrund wesentlich länger der Haus- und Familienarbeit, nämlich 72 Stunden gegenüber 44 Stunden in der anderen Gruppe. Mütter mit Migrationshintergrund arbeiten zudem mit 24,3 Prozent zweimal häufiger Vollzeit als jene ohne (12,3 Prozent).

Die Rate der Schwangerschaftsabbrüche ist bei den Ausländerinnen nach den Angaben des BFS mit 9,6 Promille doppelt so hoch wie bei den Schweizerinnen. (sda)

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