Aktualisiert 27.01.2011 09:26

Wikileaks-Gründer«Arrogant, dünnhäutig, verschwörerisch»

Die «New York Times» hat die Veröffentlichung eines Buchs über Wikileaks angekündigt. Im Vorwort wählt Chefredaktor Bill Keller drastische Worte für Julian Assange.

Julian Assange hätte einem Stieg-Larsson-Thriller entstammen können, schreibt «New York Times»-Chefredaktor Keller in seinem Vorwort. Die Journalisten, die mit ihm zu tun hatten, hätten den Australier niemals als «Partner oder Mitarbeiter» angesehen, sondern als reine «Quelle», die ihre eigenen Ziele verfolge.

Keller bezeichnete Assange als «schwer zu fassen, manipulierend und unberechenbar». Seine Beziehung zur «NYT» sei zunehmend «feindselig» gewesen, zum Schluss habe er das Blatt sogar von weiteren Veröffentlichungen ausschliessen wollen.

«Seltsam leichtgläubig»

Reporter, die mit ihm die Dokumente durchgingen, hätten ihn als «schlau, gebildet und technologisch ungemein versiert» erlebt, aber auch als «arrogant, dünnhäutig, verschwörerisch und seltsam leichtgläubig».

Assange habe niemals Geld verlangt und nie verraten, wer die Dokumente zum Irak- und Afghanistankrieg sowie die diplomatischen Depeschen weitergegeben habe, versicherte Keller.

Wikileaks schiesst zurück

Die Chronik über Wikileaks werde ab Montag über die wichtigsten Internet-Buchhändler erhältlich sein, teilte die «New York Times» am Mittwoch mit. In dem Buch «Open Secrets: Wikileaks, War and American Diplomacy» würden zudem 27 weitere vertrauliche Dokumente veröffentlicht. Das Vorwort von Chefredaktor Bill Keller wurde bereits in Auszügen veröffentlicht.

In einer ersten Reaktion über Twitter, den Internetdienst für Kurzbotschaften, bezeichnete Wikileaks Kellers Ausführungen als «schwarzen Tag für den US-Journalismus». Mit dem «Geschmiere» habe die «New York Times» ohne Rücksicht auf die Fakten einmal mehr nur «sich selbst gedient». (sda)

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