Luca Sbisa: «Arroganz wird nicht toleriert»
Aktualisiert

Luca Sbisa«Arroganz wird nicht toleriert»

Die Anaheim Ducks befinden sich in der Krise, nicht aber Luca Sbisa. Dank Seriosität und Stabilität hat der Schweizer seinen Stammplatz gefestigt.

von
Klaus Zaugg
Anaheim

Luca Sbisa gehört inzwischen zur Stammformation der Anaheim Ducks und hat alle 29 Partien bestritten (6 Assists). Anaheims General Manager Bob Murray hat in der Krisenbewältigung Stufe zwei gezündet: Transfer von Spielern. Stufe eins war der Trainerwechsel (Boudreau für Carlyle). Luca Sbisas Platz ist aber vorläufig sicher.

Gleich neben Sbisa sitzt in der Kabine Verteidiger Curtis Foster (30). Der Kanadier trainierte auch am Montag. Wie üblich ist die Kabine nach dem Training für die Reporter geöffnet. Forster kommt herein und beginnt nach dem Duschen seine persönlichen Sachen zu packen: Er hat soeben erfahren, dass er nach New Jersey transferiert worden ist – im Tausch mit Stürmer Rod Pelley und Verteidiger Mark Fraser. Foster trainierte am Dienstag bereits in New Jerey – und neben Luca Sbisa hat am Dienstag in der Kabine Mark Fraser Platz genommen. Nur das Namensschild fehlte noch. «Mit solchen Transfers muss jeder rechnen», sagt Sbisa. «Ich bin auch von Philadelphia nach Anaheim transferiert worden. Zwei Stunden nachdem ich im Sommer vor dem Draft für eine medizinische Untersuchung aus der Schweiz wieder nach Philadelphia zurückgekehrt war.» Immerhin: Die Umzugskosten werden vom Klub bezahlt.

Selbstsicher aber nicht arrogant

Was bei Sbisa auffällt: Er ist noch ruhiger und selbstsicherer geworden. Im Wesen und Wirken wie ein gestandener NHL-Profi. «Ich bin schon mit 17 nach Nordamerika gekommen und weiss inzwischen, worauf es ankommt. Selbstsicherheit ist wichtig. Aber Arroganz wird nicht toleriert.» Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbstsicherheit und Arroganz. Respekt gegenüber allen – vom Mitspielern über den Materialwart bis zu den Journalistinnen und Journalisten – ist hier selbstverständlich. Am besten lässt sich Sbisas Auftreten mit freundlicher Selbstsicherheit umschreiben. Er weiss, was er will. Aber er weiss auch, was er als Jungmillionär zu leisten hat.

Alle zwei Wochen stellt eine der adretten Sekretärinnen aus der Organisation der Ducks im Kabinengang ein Tischchen auf und händigt jedem den «Paycheck» aus: Den Zahltagscheck. Es ist lediglich eine Bestätigung für die Banküberweisung, die jeder zu quittieren hat. Alle zwei Wochen quittiert Sbisa eine Überweisung von rund 48 000 Dollar netto. Im Jahr verdient er 1,2 Millionen brutto. Das Paycheck-Ritual erinnert ihn stets daran, woher er gekommen ist. «Als Junior bekam ich alle zwei Wochen 90 Dollar.» Und jetzt verdient viel, viel Geld. «Nur am Anfang hat mich das beeindruckt. Inzwischen ist mir klar, wie gut es mir geht und dass ich so viel Geld verdiene wie vielleicht ein Prozent der Menschen auf dieser Welt und ich mache mir über Geld keine Gedanken mehr.»

Mit Agent, Personaltrainer und Finanzberater

Luca Sbisa hat nicht nur einen Agenten und einen persönlichen Fitness-Trainer. Er hat auch einen persönlichen Berater, der ihm alle finanziellen und administrativen Angelegenheiten regelt. Seine Mutter sei zuerst dagegen gewesen. «Sie dachte, so werde er bloss verwöhnt und nie selbstständig.» Inzwischen habe sie nichts mehr dagegen. «Viele Angelegenheiten des Alltags sind hier einfach ganz anders und komplizierter als in der Schweiz und es geht nicht ohne Hilfe. Ich kann mich so ganz aufs Eishockey konzentrieren.» Zudem umfasse die persönliche Beratung auch ein Selbständigkeits-Training. In Amerika kann man schliesslich für alles einen Coach haben.

Seriosität prägt nicht nur Sbisas Defensivspiel, sondern auch sein Privatleben. Inzwischen ist er schon bald zwei Jahre in festen Händen. Während des Olympischen Turniers im Februar 2010 in Vancouer hat er Lauren kennen gelernt. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Und die Frage steht im Raum: Wie kann es sein, dass ein Spieler unter einem so strengen Coach wie Ralph Krueger noch Zeit und Musse hat, um während eines so wichtigen Wettkampfes wie dem Olympischen Turnier, eine Romanze zu beginnen? Sbisa sagt, das sei halb so wild gewesen. Hin und wieder durften die Spieler auch unter Krueger zum Essen in die Stadt. «Wir haben uns im Restaurant kennen gelernt und die Telefonnummern getauscht. Sie wurde sehr misstrauisch, als ich ihr ein paar Tage später eröffnete, dass ich Hockeyspieler bin. Offenbar haben Hockeyprofis in Kanada einen gewissen Ruf.» Inzwischen sind die beiden längst ein Paar in einer Fernbeziehung. Jeden Monat fliegt Lauren mindestens einmal von Vancouver nach Südkalifornien. Jetzt muss Sbisa nur noch dafür sorgen, dass die Ducks häufiger gewinnen als er Besuch von seiner Freundin bekommt.

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