Schawinski-Eklat: «Arschloch-Beschimpfung ist nicht akzeptabel»
Aktualisiert

Schawinski-Eklat«Arschloch-Beschimpfung ist nicht akzeptabel»

Die Skandal-Sendung von Roger Schawinski mit Andreas Thiel gibt weiterhin zu reden. Kommunikationsexperten halten das Verhalten des TV-Talkers für unwürdig.

von
Yves Schott
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Andreas Thiel
Andreas Thiel

Die dramatischsten Szenen bei Roger Schawinski: Das Gespräch mit Andreas Thiel artete in persönliche Anfeindungen aus.

Screenshot
Catherine Herriger
Catherine Herriger

Roger Schawinski warf das Buch von Psychologin Catherine Herriger durchs Studio, bezeichnete es als «Schrott».

Screenshot Tele Züri
Ueli Maurer
Ueli Maurer

Der damalige SVP-Parteipräsident Ueli Maurer verliess das Tele-24-Studio, nachdem er von Schawinski als «Parteipräsident von Blochers Gnaden» bezeichnet worden war.

Screenshot Tele 24

Die Reaktionen sprechen eine deutliche Sprache. Die 20-Minuten-Leser halten in der Causa «Schawinski vs. Thiel» mehrheitlich zum Berner Satiriker. «Wer austeilt, muss auch einstecken können, und das kann Schawinski definitiv nicht», ist noch einer der harmloseren Kommentare. Andere Leser werden deutlicher: «Schawinski ist schon lange nicht mehr tragbar.»

Am Montag lud der ehemalige Radiopirat Roger Schawinski den Satiriker Andreas Thiel in seine Sendung ein. Obwohl es eigentlich um dessen provokative Äusserungen zum Koran in einer der letzten «Weltwoche»-Ausgaben ging, wurde das Gespräch sehr schnell persönlich und verletzend. Hinter den Kameras sei er vom Moderator schliesslich auch noch als «Arschloch» bezeichnet worden, wetterte Thiel, was Schawinski selber auch zugab.

«Er reagiert oft mimosenhaft»

Für Medienexperte Jürg Wildberger ist dieser Ausraster «nicht akzeptabel», wie er gegenüber 20 Minuten zu Protokoll gibt. Trotzdem ist der ehemalige TV3-Chef der Meinung, der Eklat schade Schawinskis Image nicht. Wildberger kritisiert den 69-Jährigen ausserdem dafür, dass er «emotional zu stark engagiert» gewesen sei und es nicht geschafft habe, die Gesprächsebene zu wechseln. «Er verlor damit seine Souveränität.»

Deutliche Worte wählt auch Balts Livio, langjähriger Medienredaktor der NZZ. Schawinski sei grundsätzlich «impulsiv und emotional», er befeuere sich selber. Solche Eigenschaften würden das sterile SRF-Programm zumindest punktuell beleben, so Livio. Bloss: «Er reagiert oft mimosenhaft auf Kritik und recht pikiert, wenn ihm – wie hier – die Kontrolle entgleitet.»

SRF gibt sich wortkarg

Der Kommunikationsexperte folgert, in der Angelegenheit stehe es 1:0 für Thiel. Livio hält aber auch fest, dass es sich hier um einen Mini-Hype handle, ein «Hypli», wir er selber sagt, «das dem Satiriker völlig unverdiente Publicity» verschafft habe. Dies belegt auch ein Blick auf die SRF-Website: Fast 500'000-mal wurde die aktuelle «Schawinski»-Sendung bereits angeschaut. Normalerweise liegen die Zahlen bei etwa 10'000 Klicks.

Bezüglich der «Arschloch»-Beschimpfung gibt sich das Schweizer Fernsehen wortkarg. «Zu den privaten Gesprächen der Beteiligten nach der Sendung äussert sich SRF nicht», heisst es auf Anfrage. TV-Chefredaktor Tristan Brenn habe bereits viele Fragen beantwortet – diese Aussagen hätten nach wie vor Gültigkeit.

Roger Schawinski mag sich zur Geschichte nicht mehr äussern. Zu gross war wohl der Wirbel um seine Person in den letzten Tagen.

(Quelle: SRF)

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