Aktualisiert 18.12.2008 09:51

Leitzins«Arsenal der Notenbanken ist weitgehend erschöpft»

Manfred Gärtner, Professor an
der HSG, sagt, was die Nullzinspolitik bedeutet.

von
Dajan Roman

Welche Gefahren birgt diese Geldpolitik?

Manfred Gärtner: Gefahren sehe ich im Moment keine, leider aber auch keine Chancen. Die Haushalte geben den Grossbanken kein Geld und diese geben sich untereinander und den Unternehmen keines, weil sie nicht wissen, wer überleben wird. Es herrscht generelles Misstrauen, da spielt ein Prozent mehr oder weniger Zins kaum eine Rolle.

Werden die anderen Notenbanken nachziehen?

Ich gehe davon aus, dass Notenbanken, die noch Spielraum haben, diesen ausschöpfen und noch expansiver werden – auch die SNB.

Was kann man denn jetzt überhaupt noch machen?

Es ist leider zu erwarten, dass diese Zinssenkungen verpuffen werden. Das geldpolitische Arsenal der Notenbanken ist weitgehend erschöpft. Allenfalls bei vertrauensbildenden Stützungsaktionen mag es noch Spielraum geben. Nun braucht es staat­liche Konjunkturprogramme.

Ist die Schweiz dazu überhaupt in der Lage?

Leider sind wir im Kopf und institutionell darauf gar nicht vorbereitet. Die Fiskalpolitik wurde dem Dogma des permanenten staatlichen Budgetausgleichs geopfert, in der EU gar in den Stabilitätspakt eingegipst. Es mag ja Sinn machen, bei lauer Brise mit dem Autopilot zu segeln. Wenn man sich dann aber auch noch fesselt und an den Mast bindet, steht man natürlich dumm da, wenn plötzlich ein Sturm aufzieht.

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