Sieben Fälle: Arzt benutzte Ultraschall für sexuellen Missbrauch
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Sieben FälleArzt benutzte Ultraschall für sexuellen Missbrauch

Ein Arzt hat mit einem Ultraschallgerät Patientinnen missbraucht. Dafür wurde er verurteilt. Übergriffe beginnen manchmal schon beim Entkleiden, sagen Patientenschützer.

von
tso
Die medizinischen Untersuchungen waren medizinisch nicht notwendig, so der Staatsanwalt.

Die medizinischen Untersuchungen waren medizinisch nicht notwendig, so der Staatsanwalt.

Wikipedia/Bubo

Die Masche des Oberarztes einer Klinik war stets die gleiche. Nachdem er die Patientinnen für eine Untersuchung zu sich bestellt hatte, führte er ihnen ein Ultraschallgerät über den Körper. Dies allerdings an Stellen, an denen es nichts zu suchen hatte. Dabei ging er so weit, mit dem Finger in die Frauen einzudringen. Auch als bereits die Polizei gegen ihn ermittelte, machte er mit den Missbräuchen weiter. Die Gegenwehr mancher Patientin beachtete der 39-Jährige nicht, wie der «Südkurier» schreibt.

Laut dem Staatsanwalt waren die Untersuchungen an den neurologisch erkrankten Frauen medizinisch gar nicht notwendig. Sie hätten lediglich der sexuellen Erregung des Angeklagten gedient. Er forderte zwei Jahre Haft. Die Frauen würden auch heute noch unter den Folgen der Missbräuche leiden: Obwohl sie wegen ihrer Erkrankungen dauerhaft und dringend auf medizinische Hilfe angewiesen seien, sei ihr Vertrauen in Ärzte nun erschüttert.

Erst gestanden, als der Druck zu gross wurde

Bereits 2016 stand der Arzt wegen derselben Masche vor Gericht. Reue zeigte er keine. Gegen das Urteil, 14 Monate bedingt, legte er damals Berufung ein. Die Tat hatte er erst gestanden, als sich aufgrund der Berichterstattung weitere Opfer gemeldet hatten. Deren Berichte führten schliesslich zu dem am Dienstag gefällten Urteil des Landgerichts Konstanz.

Es lautet auf zwanzig Monate Gefängnis, aber auf Bewährung. Der Täter, mittlerweile nicht mehr als Arzt tätig, habe keine Vorstrafen und sei in den vorliegenden Fällen geständig, hielt das Gericht fest. Den Opfern hat der ehemalige Oberarzt insgesamt 27'500 Euro Schmerzensgeld überwiesen. 10'000 Euro muss er gemäss Urteil an Hilfsvereine bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Unnötiges Entblössen

«Für Patientinnen ist oft schwierig abzuschätzen, welche Berührungen des Arztes zur Stellung der Diagnose notwendig sind. Unklar ist damit auch die Grenze zum sexuellen Übergriff», schreibt die Stiftung Patientenschutz. Übergriffe könnten bereits beim Entkleiden beginnen, so die Stiftung. «Es kommt vor, dass sich Patienten und Patientinnen mehr entblössen müssen, als eigentlich nötig wäre», sagt eine Mitarbeiterin. Sie verweist hierzu auf einen Ratgeber, den die Stiftung publiziert hat, nachdem ihr mehrere solcher Fälle zugetragen worden waren. Auch wenn der Arzt dies verlangt: «Vollständig nackt muss eine Patientin nie vor dem Arzt stehen oder auf der Liege warten», heisst es da.

Auch andere Patientenvertreter bestätigen dies. «Oft herrscht bei den Opfern ein Gefühl der Ohnmacht. Sie spüren, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, können aber nicht Stopp sagen», sagt Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbandes für Patientenstellen in der Schweiz. Eigentlich müsste eine Patientin oder ein Patient die Behandlung sofort abbrechen, so Ziltener. «Zwischen Arzt und Patient besteht ein Abhängigkeitsverhältnis, was es schwer macht, eine Behandlung von sich aus abzubrechen.»

Das Kantonsspital St. Gallen hat mehrere Massnahmen zur Prävention von Übergriffen. Unter anderem verlangt es gemäss Unternehmenssprecher Philipp Lutz von allen Mitarbeitern mit Patientenkontakt einen Strafregisterauszug.

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