St. Gallen: Arzt bestreitet sexuelle Handlungen an Knaben
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St. GallenArzt bestreitet sexuelle Handlungen an Knaben

Ein Schularzt musste sich wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Er bestritt, dass es bei den Untersuchungen zu Übergriffen kam.

von
afa
Der Beschuldigte musste sich am Dienstag vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten

Der Beschuldigte musste sich am Dienstag vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten

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Der Beschuldigte ist seit mehreren Jahren Schularzt im Kanton St. Gallen. Im September des vergangenen Jahres waren mehrere Schulklassen für eine ärztliche Reihenuntersuchung in der Praxis des Arztes.

Im Rahmen der rund zehnminütigen Untersuchung soll er jeweils versucht haben, bei zwei Schülern am Penis eine Erektion herbeizuführen. In einem Fall gelang ihm das laut Anklageschrift auch. Bei beiden Untersuchungen war der Arzt jeweils alleine mit den Minderjährigen im Zimmer.

Er habe bei den Jugendlichen eine normale Untersuchung vorgenommen, sagte der Beschuldigte am Dienstag vor Gericht. Dabei würden auch die Geschlechtsorgane angeschaut, um allfällige Gesundheitsstörungen früh zu erkennen. Die Aussagen der beiden Schüler seien völlig übertrieben. «Wenn ein Kind die Untersuchung nicht will, unterlasse ich sie und gebe ihm einen Zettel für den Hausarzt mit», sagte er.

Anklage fordert bedingte Freiheitsstrafe

Der Beschuldigte habe seine Machtposition gegenüber den Jugendlichen ausgenutzt, sagte der Staatsanwalt. Die Aussagen der Schüler seien glaubwürdig. Er forderte eine Verurteilung wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind. Der Beschuldigte sei zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten mit einer Probezeit von fünf Jahren sowie zu eine Busse von 5000 Franken zu verurteilen.

Denn auch wenn es keine Vorstrafen gebe, müssten weitere Opfer geschützt werden. Es sei ein Berufsausübungsverbot als Schul- und als Amtsarzt von fünf Jahren zu verhängen. Während dieser Zeit soll der Arzt alleine keine minderjährigen Patienten mehr behandeln dürfen. Das Urteil sei im Amtsblatt und allenfalls in weiteren Publikationen zu veröffentlichen.

Verteidigung will Freispruch

Der Verteidiger forderte einen Freispruch und einen Verzicht auf die Weisungen. Allenfalls könnte verfügt werden, dass der Beschuldigte Untersuchungen von Jugendlichen und Kindern in Anwesenheit einer Mitarbeiterin durchführen müsse.

Der Staatsanwalt habe es versäumt, entlastende Momente zu verfolgen. Der Arzt habe die Reihenuntersuchungen seit Jahren sorgfältig und klaglos durchgeführt, so der Verteidiger. Auch im September 2015 sei er nicht vom üblichen Ablauf abgewichen. In dieser kurzen Zeit wären die geschilderten Übergriffe gar nicht möglich gewesen, sagte er: «Die Schilderungen der Schüler waren übertrieben und dramatisiert.» Das Urteil steht noch aus. (afa/sda)

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