Nach Todesfall : Arzt ist nicht schuld am Tod von Patientin (31)

Aktualisiert

Nach Todesfall Arzt ist nicht schuld am Tod von Patientin (31)

Ein Arzt des Kantonsspitals St. Gallen ist nicht schuld am Tod einer jungen Patientin. Der Assistenzarzt der Notfallstation hatte vor sechs Jahren nicht erkannt, dass die 31-jährige Frau eine Schädigung der Hauptschlagader hatte.

Das Kantonsspital St.Gallen: Nach zwei Besuchen starb eine junge Frau, weil ein Arzt eine seltene Erkrankung nicht erkannt hatte.

Das Kantonsspital St.Gallen: Nach zwei Besuchen starb eine junge Frau, weil ein Arzt eine seltene Erkrankung nicht erkannt hatte.

Die Frau war vor genau sechs Jahren zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden wegen starker Rücken- und Brustschmerzen in die Notfallstation des Kantonsspitals St. Gallen gekommen. Der diensthabende Assistenzarzt diagnostizierte muskuläre Schmerzen am Skelett, welche sich die junge Frau bei einem Sturz in der Badewanne zugezogen hatte.

Tatsächlich litt die Frau an einer schweren Schädigung der Gefässwand der Hauptschlagader (Aortendissektion). Er gab ihr starke Schmerzmittel und schickte sie nach Hause. Fünf Tage später und nach weiteren Konsultationen bei ihrer Hausärztin starb die Patientin.

Sorgfaltspflicht verletzt

Am Mittwoch musste sich der heute 38-jährige Arzt, der weiterhin im Kantonsspital arbeitet, wegen fahrlässiger Tötung vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Die Staatsanwaltschaft verlangte eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 140 Franken.

Der Arzt habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, heisst es in der Anklageschrift. Gemäss einem Gutachten habe es klare Hinweise auf die lebensbedrohliche Krankheit der Patientin gegeben. Sie habe unter Bluthochdruck gelitten und über starke Schmerzen geklagt, welche für eine Aortendissektion typisch seien.

Der diensthabende Arzt hätte eine Computertomographie anordnen müssen, schreibt die Staatsanwältin. Die richtige Diagnose und eine Operation hätten die junge Frau gerettet, schreibt sie weiter.

Tragischer Todesfall

Der Einzelrichter sprach den Arzt nach einer mehrstündigen Verhandlung frei und entschuldigte sich beim Angeklagten: «Es war ein tragischer Todesfall. Sie haben strafrechtlich keine Fehler gemacht», sagte der Richter bei der Urteilseröffnung.

Keiner der behandelnden Ärzte habe bei der jungen Patientin eine solche lebensbedrohliche Krankheit vermuten können. Eine Aortendissektion sei extrem selten und treffe fast immer Patienten im fortgeschrittenen Alter, sagte der Arzt bei der Befragung. Obwohl er strafrechtlich keinen Fehler gemacht habe, mache er sich als Arzt und als Mensch Vorwürfe, dass er die junge Frau nicht retten konnte.

(SDA)

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