Body Positivity: «Übergewicht ist ungesund» – Arzt löst eine heftige Diskussion aus

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BODY POSITIVITY«Übergewicht ist ungesund» – Arzt löst mit Kritik heftige Diskussion aus

In einem ZDF-Format debattierten sechs Personen über Body Positivity. Ein Arzt äusserte Bedenken, weil Übergewicht ungesund sei – und wurde dafür hart kritisiert.

von
Christina Pirskanen
Michelle Bucher

Arzt Felix Berndt – in den sozialen Medien als «doc.felix» unterwegs – sieht Body Positivity kritisch. 

Video: ZDF

Darum gehts

  • In einer Debatte um Body Positivity erntete ein Arzt einen Shitstorm.

  • Er brachte ein, dass Adipositas und Übergewicht nicht gesund seien.

  • Zudem erwähnte er eine Statistik die besagt, dass übergewichtige Personen eher zu psychischen Erkrankungen neigen.

  • Den restlichen Teilnehmenden gingen diese Aussagen zu weit – sie gingen den Arzt dafür hart an.

Body Positivity, das bedeutet: den Körper so zu akzeptieren, wie er ist (siehe Box). Wie sehr das Thema die Gemüter erregen kann, zeigte kürzlich die ZDF-Sendung «unbubble»: Sechs Teilnehmende diskutierten über den Hashtag «Body Positivity» und wer diesen verwenden darf, Schönheitsideale und Repräsentation – bis der Arzt Felix Berndt, der in den sozialen Medien als «doc.felix» Gesundheitstipps gibt, die Ruhe störte.

«Ich denke die ganze Zeit tatsächlich in anderen Sphären», sagte Berndt und brachte den Aspekt der Gesundheit ins Spiel. Dafür erntete er von den anderen Teilnehmenden einen Shitstorm. Das Video generierte in kürzester Zeit über eine halbe Million Klicks und 11'000 Kommentare.

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In der ZFD-Sendung «unbubble» diskutierten sechs Teilnehmende über Body Positivity – unter anderem der Arzt Felix Berndt.

In der ZFD-Sendung «unbubble» diskutierten sechs Teilnehmende über Body Positivity – unter anderem der Arzt Felix Berndt.

Screenshot Youtube
Der Arzt äusserte dabei Bedenken zur Body-Positivity-Bewegung und der Gesundheit bei Personen mit Übergewicht – und wurde dafür von den anderen Teilnehmenden hart angegangen.

Der Arzt äusserte dabei Bedenken zur Body-Positivity-Bewegung und der Gesundheit bei Personen mit Übergewicht – und wurde dafür von den anderen Teilnehmenden hart angegangen.

Screenshot Youtube
Vor allem die Influencerin und Modeunternehmerin Tanja Marfo störte sich an Berndts Aussagen: «Das ist internalisierte Fettfeindlichkeit», warf sie ihm vor.

Vor allem die Influencerin und Modeunternehmerin Tanja Marfo störte sich an Berndts Aussagen: «Das ist internalisierte Fettfeindlichkeit», warf sie ihm vor.

Screenshot Youtube

«Das ist internalisierte Fettfeindlichkeit»

«Man muss ganz klar sagen: Adipositas ist eine Krankheit – das sage nicht ich, sondern die Weltgesundheitsorganisation», so Berndt im Video. Natürlich gebe es auch Ausnahmen, räumt der Arzt ein – etwa Nebenwirkungen von Medikamenten oder Krankheiten, die Adipositas auslösen. Er befürchte jedoch, dass einige Menschen die Body-Positivity-Bewegung als Rechtfertigung für ihren ungesunden Lebensstil missbrauchen würden.

«Wenn man sich gesund verhält und etwa regelmässig Sport treibt und sich gesund ernährt, dann kann es sein, dass man dadurch besser aussieht», führt der Mediziner weiter aus. «Das ist internalisierte Fettfeindlichkeit», kontert Tanja Marfo sofort. Die Influencerin zeigt sich entrüstet über diese Aussage – Berndt sieht sich gezwungen, sich mehrmals bei ihr zu entschuldigen: «Ich meinte das überhaupt nicht so. Bitte gebt mir die Chance, mich zu entschuldigen.»

Was ist Body Positivity?

Body Positivity bezeichnet eine weltweite Bewegung, die sich vor allem in den sozialen Medien dafür einsetzt, Menschen zu vermitteln, dass ihr Körper schön ist, auch wenn er nicht dem von der Gesellschaft idealisierten Schönheitsideal entspricht. Es geht darum, jeden Körper zu akzeptieren, unabhängig von seinem Aussehen.

Debatte eskaliert

Die Diskussion eskaliert, als es um die mentale Gesundheit geht. «Statistisch gesehen neigen Leute, die extrem übergewichtig sind, eher zu psychischen Krankheiten», sagt Berndt. Noch bevor er seinen Satz beenden kann, fallen die anderen ihm ins Wort und reagieren mit spöttischem Lachen. «Oha», gibt eine Teilnehmende von sich. Es handle sich dabei um einen Fakt, erwidert der Mediziner. «Aber da gibt es bestimmt andere Statistiken, die etwas anderes beweisen», kontert Marfo wieder. Als der Arzt Berndt sich nochmals zu erklären versucht, unterbricht die Moderatorin.

Unter dem Video häufen sich die Kommentare – eine Vielzahl stimmt dem Mediziner zu. So schreibt etwa User «Thrawn»: «Stell dir einfach mal vor, du studierst sieben Jahre Medizin, lieferst Fakten, bist freundlich und kompetent, um in so einer Shitshow niedergemacht zu werden. Respekt an dich Felix und schämt euch unbubble.» Oder aber User «Cosmic Rebell», der schreibt: «Felix hat absolut recht. Es ist echt heftig, dass sich ein Arzt wegen Fakten entschuldigen muss.»

Mediziner meldet sich auf Tiktok zu Wort

Doc Felix meldete sich auch selbst nochmals unter dem Video und auch auf Tiktok zu Wort. Dass das Video eine solche Debatte auslösen würde, hätte er nicht erwartet. Er wolle empathisch sein und Menschen helfen, gesund zu werden oder zu bleiben. Als Arzt sei er aber auch an wissenschaftliche Fakten gebunden – diese könne er nicht verschweigen, auch wenn sich Menschen dadurch verletzt fühlen. «Ich hatte gehofft, meine Sicht der Dinge in diesem Format zu teilen und nun bin ich mir unsicher, ob mir das gelungen ist», schreibt er.

In einem Tiktok-Video zeigt er sich besorgt darüber, dass Fakten nicht mehr als solche hingenommen würden. «Das, was in diesem Video geschehen ist, finde ich sehr schade und sehr gefährlich – gerade für die Menschen, um die es geht», so Berndt. 

Hat Doc Felix recht?

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Essstörung?

Hier findest du Hilfe:

Fachstelle PEP, Beratung für Betroffene und Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von (Cyber-)Mobbing betroffen? 

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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