Arzt ordnet Untersuchung zu spät an: Fahrlässige Tötung
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Arzt ordnet Untersuchung zu spät an: Fahrlässige Tötung

Ein Klinikdirektor des Zürcher Universitätsspitals (USZ) ist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Gemäss Staatsanwaltschaft soll er eine Untersuchung eines Unfallopfers zu spät veranlasst haben. Der Patient starb wegen inneren Blutungen.

Der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des USZ wurde per Strafbefehl mit einer Busse von 8000 Franken bestraft, wie die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat am Donnerstag mitteilte. Die anderen an der Behandlung beteiligten Ärzte kamen ohne Strafe davon.

Bei der Strafuntersuchung ging es um die Behandlung eines 48- jährigen Mannes, der am 15. November 2000 im USZ gestorben war. Das Opfer war Gast eines Taxis gewesen, das durch ein Polizeiauto mit Blaulicht und Sirene in eine Kollision verwickelt wurde.

Gemäss Staatsanwaltschaft erlitt der Taxipassagier Brüche von Oberschenkel und Beckenring sowie Verletzungen der Milz. Wie sich herausstellte, wurden die inneren Verletzungen zu spät entdeckt, so dass der Patient an den Folgen der Blutungen aus der Milz erlag.

Milzverletzungen zu spät entdeckt

Im USZ hatte der Assistenzarzt zunächst den Oberschenkelbruch und einen unklaren Befund im Becken festgestellt. Bei einer körperlichen Untersuchung und einem Ultraschall fand er keine Anhaltspunkte für Bauchverletzungen. Auch ein zweiter Check fiel negativ aus.

Als der Patient weiter über sehr starke Schmerzen im Oberbauch klagte, ordnete der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie eine Computertomographie (CT) an. Die Untersuchung hätte aber gemäss Staatsanwaltschaft unverzüglich durchgeführt werden müssen.

Mit dem CT wären die Milzverletzungen erkannt worden, was zur sofortigen Verlegung auf die Intensivstation geführt hätte. Wäre eindreiviertel Stunden früher mit der Operation begonnen worden, hätte der Patient sehr gute Überlebenschancen gehabt.

Weil der Klinikdirektor das CT nicht mit der erforderlichen zeitlichen Dringlichkeit angeordnet hatte, wurde er wegen fahrlässiger Tötung mit einer Busse von 8000 Franken bestraft.

Langwierige Strafuntersuchung

Das Verfahren gegen die übrigen an der Behandlung beteiligten Ärzte wurde eingestellt. Es hatte sich ergeben, dass der Assistenzarzt überfordert war. Der Oberarzt war mit der Operation an einem lebensgefährlich verletzten Patienten beschäftigt.

Gemäss Staatsanwaltschaft dauerte das Strafverfahren so lange, weil insgesamt acht Gutachten aus den Bereichen Rechtsmedizin, Radiologie und Intensivmedizin eingeholt werden mussten. Alle Entscheide der Staatsanwaltschaft sind inzwischen rechtskräftig. (sda)

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