«Inkompetent und unzuverlässig» - Arzt praktizierte trotz entzogener Lizenz immer weiter
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«Inkompetent und unzuverlässig»Arzt praktizierte trotz entzogener Lizenz immer weiter

Ein rumänischer Arzt nutzte kantonale Regelungen, um in denjenigen Kantonen zu praktizieren, wo er noch kein Verbot hatte. Kürzlich forderte er vom Kanton Waadt eine Million Franken Schadensersatz, falls sein Zulassungsgesuch abgelehnt werde.

von
Christian Humbert
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Ein rumänischer Arzt nutzte Schlupflöcher im Schweizer System, um weiterhin praktizieren zu können. 

Ein rumänischer Arzt nutzte Schlupflöcher im Schweizer System, um weiterhin praktizieren zu können.

imago images/Symbolbild
 Nachdem er seine Zulassung im Kanton Freiburg verlor, versuchte er in anderen Kantonen eine Zulassung zu bekommen.

Nachdem er seine Zulassung im Kanton Freiburg verlor, versuchte er in anderen Kantonen eine Zulassung zu bekommen.

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Weil der Entzug einer Zulassung nur für denjenigen Kanton gilt, der sie ausspricht, versuchte der Mann sein Glück in der ganzen Schweiz. 

Weil der Entzug einer Zulassung nur für denjenigen Kanton gilt, der sie ausspricht, versuchte der Mann sein Glück in der ganzen Schweiz.

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Darum gehts

  • Ein inkompetenter Arzt nutzte Schlupflöcher im Schweizer System, um weiterhin praktizieren zu können.

  • Weil der Entzug einer ärztlichen Zulassung nur für den jeweiligen Kanton gilt, zog er einfach in einen anderen Kanton, nachdem er ein Berufsverbot erhalten hatte.

  • In seiner Heimat wurde der Rumäne bereits wegen falscher Verschreibungen von Arzneimitteln verurteilt.

Mit einem vom Bundesamt für Gesundheit anerkannten Diplom zog ein 53-jähriger rumänischer Arzt in den Kanton Freiburg, um dort zu praktizieren. Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Der Mann war in seiner Heimat bereits wegen falscher Verschreibungen von Arzneimitteln verurteilt worden, ausserdem war ein Verfahren gegen ihn hängig. Während der drei Monate im Jahr 2014, in denen er in Freiburg arbeitete, zeigte sich, dass dem Mann Fähigkeiten und Kenntnisse über therapeutische Produkte fehlten. Er wurde als «inkompetent und unzuverlässig» eingestuft, worauf ihm die Lizenz entzogen wurde.

Davon liess sich der Arzt aber nicht abschrecken. Nachdem er sein Glück in Bern versucht hatte – sein Antrag wurde im April 2015 abgelehnt – zog er in den Kanton Waadt. Nachdem er dort einen Monat lang tätig gewesen war, verschlug es ihn nach Frankreich. Als er auch dort suspendiert wurde, reichte er ein neuerliches Gesuch zur Ausübung ärztlicher Tätigkeiten im Kanton Waadt ein. Die Rückschläge in Freiburg, Bern und Frankreich erwähnte er bei der Einreichung des Gesuchs nicht. Auch seine Vorgeschichte in Rumänien verheimlichte der Mann.

Wegen «Mangels an Kapazität» wurde das Gesuch vom Kanton Waadt abgelehnt. Nachdem er sich anschliessend vergeblich an die Kantone Jura, Neuenburg, Freiburg und Bern gewandt hatte, versuchte er sein Glück Ende 2020 erneut im Kanton Waadt und forderte eine Million Franken «Schadensersatz», falls das Gesuch abgelehnt werde. Der Kanton lehnte das Gesuch ab, was gerichtlich bestätigt wurde.

Kantonale Regelungen

Doch wie ist es möglich, das der Arzt sich immer wieder in verschiedenen Kantonen für eine Zulassung bewerben konnte? Dies liegt daran, dass die Kantone individuell über den Entzug einer ärztlichen Zulassung entscheiden müssen. Verliert der Arzt oder die Ärztin in einem bestimmten Kanton seine Zulassung, gilt dies nicht für die übrigen Kantone. Diese sind zwar informiert, können jedoch selbst über die Erteilung der Zulassung verfügen. Somit verstösst der rumänische Arzt auch gegen keine Rechte. Dies erklärt seine Reise quer durch die Schweiz.

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