Doppelmord bei Bayreuth – Arzt und seine Frau erstochen – ihre vier Kinder kennen den Mörder
Aktualisiert

Doppelmord bei Bayreuth Arzt und seine Frau erstochen – ihre vier Kinder kennen den Mörder

Diesen Sonntag, nur einen Tag bevor er in Bayreuth sein Herzensprojekt eröffnen konnte, wurde der Kinderarzt Stefan S. mit seiner Frau im eigenen Schlafzimmer ermordet.

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Im bayerischen Mistelbach wurden am Sonntag ein Kinderarzt und seine Frau ermordet. 

Im bayerischen Mistelbach wurden am Sonntag ein Kinderarzt und seine Frau ermordet.

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Stefan S. war ein in der Region beliebter Arzt und Vater von vier Kindern. 

Stefan S. war ein in der Region beliebter Arzt und Vater von vier Kindern.

Screenshot med4kidz
«Was für ein himmelschreiender Unsinn»: Der Geschäftspartner des Ermordeten trauert auf Facebook. 

«Was für ein himmelschreiender Unsinn»: Der Geschäftspartner des Ermordeten trauert auf Facebook.

Screenshot Facebook

Darum gehts

  • Kinderarzt Stefan S. und seine Frau sind am Sonntag in ihrem Haus in Mistelbach (Bayern) erstochen worden.

  • Die vier minderjährigen Kinder des Paares kennen den mutmasslichen Täter, der sich gestellt hat.

  • In einem Facebook-Post gibt der Geschäftspartner des Arztes seiner Trauer Ausdruck.

«Ich sitze immer noch in der leeren, nagelneuen, unbenutzten Praxis – gerade bereit für die ersten Patienten. Und es laufen die Tränen in Strömen … , weil einer nicht mehr da sein kann, der sie zusammen mit mir geplant hat – in Geduld und Weisheit und Liebe.» Der Facebook-Post des Kinderarztes Gerald H. steht in grossem Gegensatz zu früheren Einträgen, die vor Vorfreude sprühen.

Der engagierte Doktor wollte diese Woche mit seinem Partner eine neue Gemeinschaftspraxis in Bayreuth eröffnen. «Jetzt ist es raus», informierte er etwa Ende September, «wir ziehen in Bayreuth zum 1. Januar 2022 um und werden grösser». Und noch am 6. Januar twitterte er: «Freuen uns so auf die ersten kleinen und grossen Patienten ab nächster Woche.»

«Ich habe sie den ganzen Tag vor Augen»

Es sollte alles anders kommen. Am Montag blieben die Türen von «med4kidz» zu; der Telefonanrufbeantworter informiert darüber, dass die Praxis wegen eines Todesfalls vorerst geschlossen bleibt. Es geht um den Partner von Gerald H., den Kinderarzt Stefan S.

Er war am frühen Sonntagabend im nahen Mistelbach ermordet worden. Auch seine Ehefrau ist tot. Die beiden hinterlassen vier Kinder. «Was für ein Unsinn, dass ihr, Antje und du, nicht mehr da seid. Was für ein himmelschreiender Unsinn!», schreibt Gerald H. seinen Schmerz auf Facebook heraus. «Ich weiss noch nicht wie, aber wir rocken med4kidz jetzt irgendwie. In deinem Sinn. Für dich und für eure Kinder. Ich habe sie den ganzen Tag vor Augen.»

Der Doppelmord von diesem Wochenende hat auch die kleine, sieben Kilometer von Bayreuth entfernte Gemeinde zutiefst erschüttert. Hier hörten Nachbarn kurz vor ein Uhr am Sonntagmorgen Hilferufe aus dem Einfamilienhaus und verständigten die Polizei.

Freund der ältesten Tochter stellte sich

Im Schlafzimmer im Sous-Terrain stiessen die Beamten auf die Leichen des 51- jährigen Arztes und seiner 47-jährigen Frau, ebenfalls Ärztin. Beide waren erstochen worden. «Wir gehen davon aus, dass die beiden im Schlaf angegriffen wurden», so ein Polizeisprecher.

Die vier minderjährigen Kinder des Ehepaares waren zur Tatzeit in ihren Zimmern. Es ist unklar, ob oder wie viel sie von der Gewalttat mitbekamen. Sie befinden sich in der Obhut des Jugendamtes; später dürften sie zu Pflegeeltern kommen.

Sicher ist, dass die Kinder den mutmasslichen Täter kennen: Felix S., der Freund der ältesten Tochter (16), hatte sich noch in derselben Nacht bei einer Polizeiinspektion in Bayreuth gestellt. Der 18-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft und soll nach Angaben seines Anwaltes geständig sein. Zum Motiv machte Oberstaatsanwalt Martin Dippold mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben.

Gastfreundschaft wurde zum tödlichen Verhängnis

Der Kinderarztfamilie war ihre Gastfreundschaft zum tödlichen Verhängnis geworden. Bei dieser hatte Felix S. offenbar Unterschlupf gefunden, wie Lokalmedien berichten. Zuvor soll er sich nach der Trennung seiner Eltern mit der eigenen Mutter zerstritten und seine Lehrstelle verloren haben.

So sei der Freund der 16-jährigen Gymnasiastin schon seit Monaten «neben der Spur» gestanden. Die Beziehung der ältesten Tochter soll in der Arztfamilie für Unruhe und Streit gesorgt haben, wie Nachbarn berichten. Dass die älteste Tochter mit der Tat zu tun haben könnte, schloss die Polizei aus.

«Er hat so vielen beim Grosswerden beigestanden»

Bei einer Anklage wird ein Jugendgericht entscheiden, ob der 18-Jährige als Jugendlicher oder als Erwachsener eingestuft wird. In Deutschland beträgt die Höchststrafe für Mord bei Jugendlichen zehn Jahre, bei Erwachsenen lebenslänglich.

Auf der Website der Kinderarztpraxis, die am Montag ihre Türen hätte aufmachen sollen, gedenkt das Team Stefan S. als «grossartigen Chef» und «wunderbaren Menschen», vor allem aber der «vier Kinder, die unter diesen schrecklichen Umständen ihre Eltern verloren haben. Unsere Gedanken und Gebete sind mit ihnen».

Auf der Facebook-Seite des Kinderarztes nahmen zahlreiche Menschen Anteil. «Er war der beste Kinderarzt der Welt», schreibt eine Userin. Und ein anderer User: «Er hat so vielen Eltern und Kindern beim Grosswerden beigestanden und war ein aussergewöhnlicher Arzt. Unsere Kinder werden ihn schmerzlich vermissen.»

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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(gux)

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