«Corona is over!» – Arzt eckt mit unbedachtem Post direkt aus dem Club an
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«Corona is over!»Arzt eckt mit unbedachtem Post direkt aus dem Club an

Florim Cuculi, Chefarzt am Kantonsspital Luzern, erntete Kritik, weil er auf Instagram den Premier Kosovos zum Lockdown-Ende aufforderte. Er habe im Affekt gehandelt, so Cuculi.

von
Bettina Zanni
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«Mr Kurti, Corona is over! End the lockdown now!», schrieb der Arzt mit albanischen Wurzeln am späten Samstagabend.

«Mr Kurti, Corona is over! End the lockdown now!», schrieb der Arzt mit albanischen Wurzeln am späten Samstagabend.

Screenshot/Instagram
Florim Cuculi ist Co-Chefarzt des Luzerner Kantonsspitals.

Florim Cuculi ist Co-Chefarzt des Luzerner Kantonsspitals.

Twitter Florim Cuculi
Im Instagram-Post direkt aus dem Ausgang im Zürcher Club Plaza richtete sich Cuculi an den kosovarischen Premierminister Albin Kurti.

Im Instagram-Post direkt aus dem Ausgang im Zürcher Club Plaza richtete sich Cuculi an den kosovarischen Premierminister Albin Kurti.

REUTERS

Darum gehts

Den Arztkittel hat Florim Cuculi gegen eine Lederjacke getauscht. Lässig posiert er mit einem Drink in der Hand vor einer Bar. Im Instagram-Post direkt aus dem Ausgang im Zürcher Club Plaza richtete sich der Co-Chefarzt des Luzerner Kantonsspitals an den kosovarischen Premierminister Albin Kurti. «Mr Kurti, Corona is over! End the lockdown now!», schrieb der Arzt mit albanischen Wurzeln am späten Samstagabend.

Der Kosovo steckt noch mitten in der Pandemie. Seit Samstag sind Fitnessstudios und Sporthallen geschlossen, Läden müssen um 21 Uhr schliessen. Auch gilt zwischen 22 Uhr und 5 Uhr eine Sperrstunde. Das Robert Koch Institut stufte das Land am Sonntag als Hochrisikogebiet ein.

Behauptung sei gefährlich

News-Scout F. H.* traute seinen Augen nicht, als er den Post am frühen Sonntagmorgen auf Instagram entdeckte. «Ich kann nicht verstehen, wie ein Arzt solche Äusserungen machen kann», sagt der 33-jährige IT-Mitarbeiter aus dem Kanton Schwyz.

Das Gesundheitssystem im Kosovo sei schnell überlastet und könne sich keine solch hohen Infektionszahlen wie die Schweiz leisten, so H. «Es fängt schon damit an, dass Patientinnen und Patienten teilweise eigene Matratzen, Decken und Kissen ins Spital mitnehmen müssen.» Mit der Aufforderung, den Lockdown zu beenden, setze Cuculi ein falsches Zeichen. «Wenn sogar ein Arzt behauptet, Corona sei vorbei, ist das gefährlich.» Damit fühlten sich Leute bestätigt, die behaupteten, dass die Pandemie nichts Schlimmes sei.

Mit dem Post schien der Arzt in ein anderes Extrem gewechselt zu haben. Im September rief er die albanische Bevölkerung in einem Facebook-Video zum Impfen auf und geriet in die Schlagzeilen, weil er Ungeimpfte darin als «Parasiten» bezeichnete.

«Habe im Affekt etwas gepostet»

Inzwischen hat Cuculi den Post gelöscht. «Ich habe im Ausgang mitten in der Nacht im Affekt etwas gepostet, das ich heute so nicht mehr sagen würde», sagt Cuculi. Er habe mit Freunden privat gefeiert und sich dabei über die Massnahmen im Kosovo unterhalten. «Wir waren der Meinung, dass der Schweizer Weg auch im Kosovo mehr bringen würde als Zwangsmassnahmen.»

Spontan habe er deshalb den Beitrag verfasst, so der Arzt. «Es steht mir nicht zu, den Kosovo aufzufordern, den Lockdown zu beenden, aber ich bin beim Thema Corona ein Gegner von extremen Zwangsmassnahmen.» Auch habe er die Situation nicht herunterspielen wollen. «Als Arzt ist mir das Thema Corona und die Gesundheit der Bevölkerung ein grosses Anliegen.»

«Er wollte etwas Positives verbreiten»

Kommunikationsexperte Stefan Häseli hat Verständnis für den unbedachten Post. Der Arzt habe den Post in einer lockeren und gut gelaunten Atmosphäre verfasst. «Er hatte gute Gefühle und wollte damit etwas Positives verbreiten.»

Dennoch rät Häseli öffentlichen Personen auf Social Media zur Zurückhaltung. «Die Userinnen und User unterscheiden nicht, ob jemand etwas als Privatperson oder im Zusammenhang mit seiner Funktion mitteilt.» Am besten sei, vor dem Abschicken eines Posts einen Moment inne zu halten und zu überlegen, was der Post auslösen könnte. «Hält man negative Reaktionen oder Missverständnisse für möglich, sollte man es besser bleiben lassen.»

*Name der Redaktion bekannt.

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