Iran: Arzt vergiftet - er hatte Folteropfern geholfen
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IranArzt vergiftet - er hatte Folteropfern geholfen

Ein junger iranischer Arzt, der im Gefängnis mutmassliche Folteropfer behandelt hat, ist nach Behördenangaben an einem vergifteten Salat gestorben. Die Opposition spricht von Mord.

Der Tod von Ramin Purandardschani am 10. November gehe auf die Überdosierung eines Blutdrucksenkers in dem Gericht zurück, erklärte die iranische Staatsanwaltschaft. Unklar sei noch, ob sich der 26-Jährige damit das Leben genommen hat oder vergiftet wurde. Die Opposition befürchtet, der Mediziner sei wegen seines Wissens einem politisch motivierten Mord zum Opfer gefallen.

Die Behörden hatten zunächst von einem tödlichen Autounfall, Herzinfarkt oder Selbstmord gesprochen. Purandardschani war im Kahrisak-Gefängnis im Einsatz, wo nach den Protesten gegen die umstrittene Präsidentenwahl im Juni Hunderte Demonstranten festgesetzt wurden. Später solle er vor einem Parlamentsausschuss vom Tod eines jungen Mannes berichtet haben, der schwer gefoltert und von ihm behandelt worden sei.

Staatsanwaltschaft Abbas Dowlatabadi sagte nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA am Dienstag, der Mitarbeiter des Restaurants, das den Salat an Purandardschani geliefert hatte, sei verhört worden. Der Mann habe das Gericht direkt bei dem Arzt abgegeben. Für eine Vergiftung sei eine grosse Menge des Medikaments nötig, erklärte Dowlatabadi.

Polizeichef Ismail Ahmadi Moghaddam hatte vergangene Woche erklärt, Purandardschani habe Selbstmord begangen, weil ihm ein Verfahren wegen Vernachlässigung seiner Pflichten gedroht habe. Bei der Leiche sei eine Notiz gefunden worden. Der reformorientierte Abgeordnete Masud Peseshkian erklärte dagegen am Mittwoch, der Arzt könne sich unmöglich selbst das Leben genommen haben. «Der Gedanke an Selbstmord von jemandem, der weder Probleme noch eine ernsthafte Erkrankung hatte - und in Kahrisak war - erscheint uns fragwürdig», sagte Peseshkian laut einer oppositionsnahen Website.

Einjährige Haftstrafe für Mussawis Schwager im Iran

Das iranische Revolutionsgericht verurteilte unterdessen den Schwager von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi zu einer einjährigen Haftstrafe. Das berichtete die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars am Mittwoch. Schapur Kasemi war nach der umstrittenen Präsidentschaftswahlwegen der Teilnahme an Protestkundgebungen festgenommen worden.

In einem weiteren Urteil wurde der regierungskritische Politikexperte Said Leilas zu neun Jahren Haft verurteilt, wie Fars berichtete. Ihm wurde der Besitz vertraulicher Dokumente zur Last gelegt. Beide Verurteilte haben 20 Tage Zeit, um in Berufung zu gehen. Leilas und Kasemi mussten sich in einem international als Schauprozess kritisieren Massenverfahren vor dem Teheraner Revolutionsgericht verantworten. (dapd)

Neun Jahre Haft für Journalisten

In Folge der Proteste gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist im Iran ein regierungskritischer Chefredaktor zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Said Lailas wird vorgeworfen, im Juni die Unruhen geschürt zu haben, wie sein Anwalt der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars am Mittwoch erklärte.

Zudem werde der Journalist, der für die im vergangenen Monat verbotene Tageszeitung «Sarmajeh» arbeitete, beschuldigt, an illegalen Versammlungen teilgenommen zu haben und im Besitz von Geheiminformationen gewesen zu sein. Der Anwalt kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Die Opposition hatte der Regierung nach der Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad massive Wahlfälschung vorgeworfen. Die Führung in Teheran wies dies zurück und ging hart gegen die Demonstranten vor, die zu Tausenden auf die Strasse gingen. Es handelte sich um die schwersten Unruhen seit der Islamischen Revolution 1979. Im Zusammenhang mit den Protesten sind im Iran bislang fünf Menschen zum Tode und mehr als 80 zu Haftstrafen von bis zu 15 Jahren verurteilt worden. (SDA)

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