Abtreibung soll mit Hormon-Cocktail abgrebrochen werden
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Am TelefonArzt verschreibt Schwangeren Hormon-Cocktail gegen Abtreibung

Die Dienstleistung wird von der «Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind» angeboten. Sie wirbt damit, Abtreibungen rückgängig machen zu können. Die Methode ist umstritten.

von
Steve Last
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Mifegyne ist ein breit verwendetes Medikament, um eine Abtreibung einzuleiten. Eine Stiftung bietet an, dies mit Hormonen rückgängig zu machen.

Mifegyne ist ein breit verwendetes Medikament, um eine Abtreibung einzuleiten. Eine Stiftung bietet an, dies mit Hormonen rückgängig zu machen.

Tamedia

Darum gehts

  • Eine aus dem Baselbiet agierende Stiftung bietet hormonelle Behandlungen an, die eine eingeleitete Abtreibung rückgängig machen sollen.

  • Das Verfahren birgt aber körperliche und psychische Risiken für die Patientinnen.

  • Offenbar werden Rezepte nach einer kurzen Telefonbefragung ausgestellt.

Die Stiftung «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK)» in Münchenstein BL bietet Schwangeren an, mit Medikamenten eingeleitete Abtreibungen rückgängig zu machen. Dafür bringt sie, sie mit Ärzten in Verbindung, die ihnen einen Hormon-Cocktail verschreiben, der die Wirkung der ersten Abtreibungspille neutralisieren soll.

Bei der Realisierung gibt es aber Probleme, wie die «Basler Zeitung» schreibt. Die dafür benötigten Medikamente, allen voran das weibliche Sexualhormon Progesteron, seien in der Schweiz zwar zugelassen, nicht aber für diese Art von Behandlung. Über die Wirksamkeit und Sicherheit des kritisierten Einsatzes gebe es keine verlässlichen Daten.

Zudem erfordert der Abbruch der Abtreibung auch das Weglassen der zweiten Abtreibungspille. Laut der «BaZ» musste eine US-Studie dazu abgebrochen werden, weil es zu Fällen mit schweren Blutungen bei den Patientinnen kam. Vonseiten der Schweizerischen Patientenorganisation heisst es: «Je experimenteller Wirkstoffe eingesetzt werden, desto mehr muss darauf hingewiesen werden, dass es keine Zulassung für diese Behandlung gibt. Auch die Informationen über mögliche Nebenwirkungen sind dann umso wichtiger».

13 Minuten am Telefon für 56 Tabletten

Die «BaZ» schreibt weiter, dass das Rezept für die Medikamente zum Abbruch der Abtreibung telefonisch bestellt und per Fax empfangen werden kann. Das habe man in einem Selbstversuch nachgewiesen. Im Artikel wird kritisiert, dass die angebliche Patientin nie von einer Fachperson untersucht wurde und das Rezept für 56 Tabletten nach einem 13-minütigen Telefongespräch ausgestellt worden sei.

Die SHMK wehrt sich in einer Stellungnahme gegen diese Darstellung. «Die Journalistin, die sich als Schwangere ausgegeben hat, wurde in der Notrufzentrale der SHMK wie auch beim Gynäkologen medizinisch befragt. Sie hat sich als gesunde Patientin ohne Vorerkrankung zu erkennen gegeben», heisst es. Alles andere brauche «in dieser Notfallbehandlung am Telefon nicht Gegenstand des Gesprächs zu sein».

Gefahr von Verunsicherung und Trauma

Medizinethikerin Nikola Biller-Adorno misst dem Vorgehen eine beträchtliche Gefahr zu, eine Frau zu verunsichern oder zu traumatisieren. «Eine Beratung in einer solchen Situation verlangt ein hohes Mass an Professionalität und ein Setting, das es erlaubt, auf die individuellen Lebensumstände einzugehen», wird sie von der Zeitung zitiert.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, ungeplant schwanger geworden?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen nach Region

Appella, Telefon- und Onlineberatung

Fachstelle Kindsverlust, Beratung während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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