28.07.2016 05:43

Arbon TGArzt verwechselt Eizellen – Kristina sucht echte Eltern

Kristina V.* (25) aus Arbon ist in einem Reagenzglas gezeugt worden. Doch weil der Arzt keine Lesebrille trug, implantierte er der Mutter die Eizellen einer anderen Patientin.

von
nab
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Für zehntausende Paare ist das der letzte Ausweg: Eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas.

Für zehntausende Paare ist das der letzte Ausweg: Eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas.

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Die Eizellen werden mit dem aufbereiteten Sperma in einem Reagenzglas zusammengebracht. Es findet eine spontane Befruchtung statt. Die befruchtete Eizelle bleibt dann mehrere Tage lang in einer Petrischale ...

Die Eizellen werden mit dem aufbereiteten Sperma in einem Reagenzglas zusammengebracht. Es findet eine spontane Befruchtung statt. Die befruchtete Eizelle bleibt dann mehrere Tage lang in einer Petrischale ...

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...  und reift dort in einer Nährlösung, bevor sie wieder in den Uterus eingepflanzt wird.

... und reift dort in einer Nährlösung, bevor sie wieder in den Uterus eingepflanzt wird.

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«Ich gebe nicht auf, bevor ich Gewissheit habe», sagt Kristina V.* Die 25-Jährige aus Arbon TG beschäftigt immer dieselbe Frage: «Aus welchem Material bin ich?» Ihre leiblichen Eltern kennt sie nicht, weil ein Arzt einen folgenschweren Fehler gemacht hat, berichtet der «Spiegel».

Ihre Eltern Tomislav und Miluska V.*, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, entschieden sich 1990 für eine künstliche Befruchtung. Der Gynäkologe Herbert Zech (67), der im IVF Zentrum Prof. Zech in Bregenz (A) tätig ist, entnahm Miluska in seiner Praxis dann Eizellen. Nach der Entnahme führte der Arzt eine In-vitro-Fertilisation (siehe Box) durch.

DNA-Test bringt die Wahrheit

Doch schon kurz nach der Geburt äusserten nicht nur Verwandte, sondern auch Kinderärzte die ersten Zweifel: Wie ist das möglich, dass sie so zierlich und zart aussieht, während Vater und Mutter beide über 1,80 sind? Warum hat Kristina als Einzige der Familie blondes Haar? Um weitere Fragen zu vermeiden, fing Miluska an, ihrer Tochter die Haare mit Tönungsshampoo dünkler zu färben. Auch Kristina habe ständig ein Gefühl von Fremdheit verspürt, so die 25-Jährige im «Spiegel»-Interview.

Bis zum seinem Tod 2009 glaubt der Vater, Kristina sei seine leibliche Tochter. Mit 23 Jahren überredete die Ostschweizerin ihre Schwester und Mutter schliesslich zu einem DNA-Test. «Ich hoffte inständig, die ganze Aufregung sei umsonst.» Wenig später die Gewissheit: Kristina und ihre Familie sind nicht blutsverwandt. «Seit dem Test fühle ich mich total entwurzelt», so Kristina.

Eine halbe Million Schweigegeld

Sofort habe sie das Gespräch mit dem zuständigen Arzt Herbert Zech gesucht. Er habe sofort alles zugegeben. In einem Gespräch soll er laut dem «Spiegel» vor mehreren Leuten sogar erzählt haben, was genau passiert war: Er habe vor dem Einsetzen des Embryos die Petrischalen vertauscht, da diese nur auf dem Deckel angeschrieben gewesen seien. Ohne seine Lesebrille habe er die Aufschrift nicht richtig lesen können und Mileska versehentlich die Eizelle einer anderen Patientin eingesetzt.

Unklar ist, ob Zech die leiblichen Eltern von Kristina nicht offenbaren kann oder einfach nicht verraten will: Einmal habe er die Unterlagen nicht mehr, dann habe er eine heisse Spur, die dann doch wieder im Sand verlaufen sei, so Kristina. Und manchmal berufe er sich auch auf das Arztgeheimnis. Um weiteren Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen, bot der Mediziner Kristina über seinen Anwalt sogar eine Zahlung von rund 300'000 Euro an. Inzwischen habe er die Zahlung telefonisch auf eine halbe Million erhöht, so Kristina zum «Spiegel». Doch sie sagt: «Was soll ich mit einer halben Million?»

Um ihre Identität zu klären, hat Kristinas Anwalt Zech nun aufgefordert, dass er alle Personen, die 1990 künstliche Befruchtungen im Reagenzglas vornahmen, zu offenbaren. Und obwohl er angeblich keine Unterlagen mehr hat, habe er drei Paare genannt. Die DNA-Tests waren negativ. Doch Kristina will nicht aufgeben.

Das IVF Zentrum Prof. Zech Bregenz wollte am Mittwoch gegenüber 20 Minuten keine Stellung nehmen.

* Namen der Redaktion bekannt

In-vitro-Fertilisation

Die Eizellen werden mit dem aufbereiteten Sperma in einem Reagenzglas zusammengebracht. Es findet eine spontane Befruchtung statt. Die befruchtete Eizelle bleibt dann mehrere Tage lang in einer Petrischale, reift dort in einer Nährlösung, bevor sie wieder in den Uterus eingepflanzt wird.

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