24.03.2020 18:09

Corona-Krise in FrankreichArzt zieht nackt in den «Gesundheitskrieg»

Keine Masken, kein Desinfektionsgel, keine Schutzanzüge: Ein Arzt in Frankreich protestiert mit einem Nacktfoto gegen die Zustände, die viele Mediziner in der Pandemie erwarten.

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Die 90-jährige Suzanne Hoylaerts verzichtete freiwillig auf ein Beatmungsgerät und starb an Covid-19. (Quelle: Facebook)

Die 90-jährige Suzanne Hoylaerts verzichtete freiwillig auf ein Beatmungsgerät und starb an Covid-19. (Quelle: Facebook)

25. März: Luis Fernando Chuquispuma aus Madrid verlor am 14. März seinen Vater an Covid-19. Der 25-Jährige verbrachte 16 Stunden in der Wohnung mit der Leiche, bevor die Behörden sie abholten.

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25. März 2020: In Wuhan werden bereits Barrieren entfernt, ihre Stadt verlassen dürfen die Bewohner aber noch nicht.

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China Daily Cdic

Mit einem Nacktfoto protestiert ein französischer Hausarzt gegen die Handhabung der Coronavirus-Krise in seinem Land. Der Mediziner Alain Colombié sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP, das von ihm auf Facebook veröffentlichte Foto sei ein «Aufschrei» gegen die Zustände. Frankreich sei trotz Warnungen vieler Ärzten unvorbereitet in die Pandemie gegangen.

Das Foto zeigt Colombié nackt in seinem Behandlungszimmer auf einem roten Drehstuhl. Er trägt lediglich ein Stethoskop und eine Kopf- und Armbinde mit der Aufschrift «chair à canon» (Kanonenfutter).

Nackt in den «Gesundheitskrieg»

Präsident Emmanuel Macron verlange von Ärzten, «in demselben Aufzug in die Schlacht zu ziehen, den ich auf dem Foto trage», schreibt er in einem Kommentar. Die Mediziner hätten zu ihrer Verteidigung weder Masken noch Desinfektionsgel noch Schutzanzüge.

Macron hatte die Franzosen vor gut einer Woche auf einen «Gesundheitskrieg» gegen das Coronavirus eingestimmt. Inzwischen hat die Regierung einen Mangel an Masken und anderer Ausrüstung eingeräumt.

Colombié ist Hausarzt in der südfranzösischen Gemeinde Pomérols, in der Nähe der Urlaubsorte Agde und Sète am Mittelmeer. Nach eigenen Angaben hat er derzeit täglich mehr als 40 Patienten und arbeitet teils bis in die späten Abendstunden. In Frankreich wurden zuletzt offiziell mehr als 19'800 Coronavirus-Infektionen gezählt und 860 Tote. (sda)

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