Aktualisiert 13.08.2009 20:48

Zwei Jahre HaftArztgehilfin legte Krankenkassen herein

Eine Zürcher Arztgehilfin hat mittels gefälschten Honorarrechnungen und weiteren Tricks rund eine Viertel Million Franken ertrogen. Vor Obergericht schob sie die Schuld vergeblich auf einen angeblichen Polen ab.

von
Attila Szenogrady

«Die Vorgehensweise der Angeklagten zeugt von einer hohen kriminellen Energie», ist dem am Donnerstag eröffneten Urteil des Zürcher Obergerichts zu entnehmen. Tatsächlich fiel die Bilanz der heute 57-jährigen Zürcher Arztgehilfin eindrücklich aus. So hat sie bereits in den späten neunziger Jahren begonnen, diversen Krankenkassen erfundene Honorarrechnungen zuzustellen.

Raffinierte Tricks

Die Betrügerin wendete dabei raffinierte Tricks an, indem sie an ihren Arbeitsplätzen Blanko-Rechnungsformulare verschiedener Ärzte entwendete und angebliche Behandlungs- und Medikamentenkosten sachgerecht auflistete. Auf diesen insgesamt 41 fingierten Rechnungen setzte die Schweizerin jeweils sich selbst, ihre Eltern oder einen Gläubiger und dessen Ehefrau ein. Die Betrügereien gelangen und flogen zuletzt nur wegen Nebendelikten auf.

Auch Tag- und Arbeitslosengelder ertrogen

Heute steht fest, dass die Frau in den letzten Jahren auch soziale Institutionen hinters Licht geführt hatte. So ihre eigene Krankenkasse, indem sie sich infolge angeblicher Depressionen als völlig arbeitsunfähig meldete und über 82 000 Franken Taggelder einsteckte. Obwohl sie in Wahrheit als Praxisassistentin weiter arbeitete.

Zudem prellte sie auch die Arbeitslosenkasse um über 18 000 Franken. Als die Angeklagte im April 2007 am Bezirksgericht Zürich wegen gewerbsmässigen Betrugs eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren kassierte, läpperte sich der gesamte Deliktsbetrag auf über 240 000 Franken zusammen.

Vergeblich Notstand geltend gemacht

Die Verteidigung ging in die Berufung und forderte vor Obergericht neben gewichtigen Teilfreisprüchen auch eine milde Geldstrafe. Die Angeklagte und ihr Anwalt machten nämlich einen Notstand als Rechtfertigung geltend. So brachte die Zürcherin einen polnischen Staatsangehörigen ins Spiel. Dieser habe alles ausgeheckt und sie anschliessend mittels Morddrohungen unter Druck gesetzt, führte sie aus.

Ohne Beweise allerdings vergeblich. In seinem nun eröffneten Entscheid stuften die Oberrichter den Polen gar als reine Erfindung ein. Obwohl das Obergericht den erwiesenen Deliktsbetrag auf noch rund 207 000 Frankien reduzierte, sah es keinen Anlass, die erstinstanzliche Strafe von zwei Jahren bedingt zu senken.

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