Littering am Rhein: Aschenbecher am Rhein lassen die Raucher kalt

Aktualisiert

Littering am RheinAschenbecher am Rhein lassen die Raucher kalt

Um das Zigaretten-Littering am Rheinbord in den Griff zu bekommen, wurden dort zusätzliche Aschenbecher angebracht. Die Raucher kümmert das wenig – das Stummelproblem bleibt.

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Das Rheinufer ist ein beliebter Ort, um sich zu entspannen. Da es im Freien ist, wird dort auch geraucht. Gegen das Zigarettenstummel-Littering hat das Tiefbauamt zusätzliche Aschenbecher installiert - mit wenig Erfolg.

Das Rheinufer ist ein beliebter Ort, um sich zu entspannen. Da es im Freien ist, wird dort auch geraucht. Gegen das Zigarettenstummel-Littering hat das Tiefbauamt zusätzliche Aschenbecher installiert - mit wenig Erfolg.

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Die an den bereits bekannten blauen Abfallcontainern angebrachten Behälter fallen den Rauchern nämlich kaum auf.

Die an den bereits bekannten blauen Abfallcontainern angebrachten Behälter fallen den Rauchern nämlich kaum auf.

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So landen Zigistummel teilweise nur wenige Meter von dort entfernt, wo sie eigentlich entsorgt werden sollten.

So landen Zigistummel teilweise nur wenige Meter von dort entfernt, wo sie eigentlich entsorgt werden sollten.

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Seit Anfang Mai sind die blauen Abfallcontainer am Rheinbord mit Aschenbechern ausgerüstet. Das Tiefbauamt hatte sie installiert, damit weniger Zigarettenstummel auf dem Boden landen. Nach zwei Monaten ist die Bilanz der Aktion enttäuschend. «Sie werden genutzt, nach unserer bisherigen Erfahrung aber noch zu wenig. Leider werden nach wie vor zu viele Zigaretten achtlos weggeworfen», sagt Peter Schär, Leiter der Stadtreinigung.

So wissen viele Raucher gar nicht, dass es die zusätzlichen Aschenbecher gibt. «Ich habe sie noch nie gesehen», sagt Michael (25). Auch Izabela (45) hat die angeschraubten Ascher an den blauen Containern noch nicht bemerkt. Beide sind Raucher. «Ich achte immer auf die Edelstahlkübel», sagt sie. Allerdings seien diese zu weit auseinander.

Position ist das eine Problem

«Mit dem Abfall ist es definitiv besser geworden, seit die Container da stehen», so Izabela. Das Problem mit den Aschenbechern sei die Platzierung. So würden sich die Leute vor allem unten am Rheinbord hinsetzen. Aschenbecher gibt es dort aber keine. In der Folge kommt es dort sehr verbreitet zu Zigi-Littering.

Am Rheinbord sei es aber schwierig, Abfallbehälter irgendeiner Art anzubringen, erklärt Stefan Pozner von der Stadtreinigung. «Das ist ein bauliches Problem. Zudem müssen sie geleert werden. Kurzfristig lässt sich das nicht lösen.» Weiter hätten die Raucher die Möglichkeit, Zigaretten in Pocket-Aschenbechern zu entsorgen: «Wer eine saubere Lösung will, findet sie. Wer die Zigaretten auf den Boden wirft, wird das auch weiterhin tun», sagt Pozner.

Gewohnheit ist das andere Problem

«Man hat es sich angewöhnt», sagt Guy (30) selbstkritisch. Den Grund sieht der Raucher darin, dass es früher mangels Bewusstsein normal gewesen sei, Zigaretten auf den Boden zu werfen.

Die zusätzlichen Aschenbecher hält Guy für eine gute Sache. Beim Littering müsse aber «ein Umdenken stattfinden». Gewohnheit spiele noch eine zu grosse Rolle, stimmt ihm Luca (21) zu, während er sich eine Zigarette dreht. «Die Faulheit und die Tatsache, dass es die anderen auch machen, führen zum Littering-Denken», sagt er.

Stattdessen sollten Raucher ihre Zigireste einfach einsammeln, so Luca. Er findet die Aschenbecher gut. Man müsse sich einfach besser auf Entsorgungsmöglichkeiten achten.

Man geht nicht zm Container zum Rauchen

«Es ist nicht praktisch. Man geht nicht zum Container zum Rauchen», stellt Psychologe Dieter Howald fest. Menschen würden sich generell lieber mit ihrem nächsten Genuss statt mit ihrem Abfall beschäftigen.

«Das hängt mit der Sauberkeitserziehung zusammen», sagt er. Mit dieser sei man zum ersten Mal im Alter von rund einem Jahr konfrontiert, wenn man lernen müsse, seine Ausscheidungen zurückzuhalten. Dabei nimmt man eine Einschränkung auf sich. Das geschieht den Eltern zuliebe.

Zu rauchen beginnt man aber in einem höheren Alter. «Dann sind die Peers wichtiger als die Eltern und der abstrakte Kanton», so Howald. «Das Wegwerfen von Abfall ist ein Ausdruck der eigenen Autonomie im kleinen Rahmen.»

Zigis am Boden sind rechtlich kein Littering

Gegen das Gesetz verstösst man indes nicht, wenn man einen Zigarettenstummel auf den Boden wirft. «Es ist kein Littering», sagt Polizeisprecher Andreas Knuchel. Daher gehe die Polizei auch nicht koordiniert gegen Kippen-Schmeisser vor. Eine für die unsachgemässe Entsorgung von Kleinabfällen fällige Busse von 80 Franken brauchen Raucher also nicht zu fürchten.

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