Aktualisiert

StimmenkaufAserbaidschan soll am ESC betrogen haben

Aserbaidschan steht unter Manipulationsverdacht. Seine ESC-Delegation soll litauische Journalisten bestochen haben, damit sie für den aserbaidschanischen Kandidaten stimmten. Ein Video heizt die Gerüchte weiter an.

von
hit

Schon lange ranken sich Gerüchte darum, ob beim Eurovision Songcontest bei der Stimmvergabe alles mit rechten Dingen zugeht. Jetzt ist ein brisantes Video aufgetaucht. Es soll ein Gespräch zeigen, das den Versuch des Kaufs von Anruferstimmen für Aserbaidschan dokumentiert.

Das Video wurde am Dienstag von der Webseite der litauischen Gratiszeitung «15min» gepostet. (Video s. unten)

Hundert Personen mit Extra-Sim-Karten ausgestattet

Es zeigt ein Gespräch zwischen Journalisten, die undercover mit zwei Männern verhandeln, die zuvor zahlreiche litauische Studenten zur Manipulation angestiftet haben sollen. Auf dem Video erklärt der Unterhändler den beiden Journalisten das Stimmenkauf-System: In Litauen seien rund hundert Personen mit je fünf Handys mit individuellen SIM-Karten ausgestattet worden. Damit sollten sie jeweils bis zu zehn Stimmen für Aserbaidschan abgeben.

Der Stimmenkauf soll sich jedoch über halb Europa erstreckt haben: in fünfzehn anderen Ländern, auch in der Schweiz, habe Aserbaidschan Stimmen gekauft, und zwar jeweils mit derselben Masche. Den Einwand des einen Undercover-Journalisten, Aserbaidschan habe solche Spielchen mit ihrem Top-Kandidaten doch gar nicht nötig, liess der Zwischenhändler nur bedingt gelten: «Ja, aber alle Länder, die gewinnen wollen, machen es so. Es geht um Politik.» Es seien Summen im siebenstelligen Bereich im Spiel.

Auch die Jury unter Verdacht

Die Gerüchte um den Manipulations-Skandal haben auch das Schwedische Eurovision-Portal «12points» auf den Plan gerufen. Selbst eine litauische Journalistin gibt dort zu, es sei komisch, dass Litauen Aserbaidschan zwölf Punkte zugeschanzt habe. Und das gehe schon seit Jahren so. Seit 2010 darf Aserbaidschan aus Malta mit dem Punktemaximum rechnen. Da seit 2009 Punkte nicht nur über das Televoting, sondern auch von der Jury verteilt werden, kamen wohl auch von dort immer wieder grosszügig Punkte.

Aserbaidschan ist das bisher erfolgreichste Land am ESC. Es hat erst sechsmal teilgenommen und glänzt mit einer fast makellosen Bilanz. Nach einem achten Platz 2008 rangierte das Land regelmässig unter den Top Five. 2011 räumte es mit seinen Kandidaten Ell&Nikki und dem Song «Running Scared» gar den ersten Platz ab. In diesem Jahr reichte es Farid Mammadov für den zweiten Platz.

Bakus Bückling vor Russland

Die Echtheit des Videos und der daraus abgeleitete Manipulationsvorwurf sind schwer zu beweisen. Wäre die grosszügige Punktevergabe vor allem auch auf die Jury zurückzuführen, könnte man zumindest von stark verfälschten Resultaten sprechen, sollten sich die Vorwürfe erhärten lassen. Die Europäische Rundfunkunion wird jedenfalls sämtlichen Vorwürfen nachgehen, wie sie dem schwedischen Radiosender Sveriges Radio versichert hat.

Auch in Aserbaidschan selbst sitzt der Schock tief, wenn auch aus einem ganz anderen Grund. Präsident Ilham Alijew ordnete an, die Stimmen in seinem Land komplett neu auszählen zu lassen. Aserbaidschan hatte Russland mit null Punkten abgestraft, während es umgekehrt zwölf Punkte kassierte. Ein absolutes Unding. Der Fehler sei wohl in Köln bei Digame mobil zu suchen, das die Stimmen zählt und zusammenführt. Es bedürfe dringend einer Korrektur.

(Video: Youtube/portalas15min)

Deine Meinung