23.12.2018 17:01

28-Jährige erzählt«Asexuelle können auch Sex haben»

Asexualität ist ein gesellschaftliches Tabu. Betroffene haben oft mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen. Eine Asexuelle erzählt, was es wirklich bedeutet.

von
J. Käser
1 / 5
«Dass ich asexuell bin, war für mich schon immer klar, auch wenn ich mit sieben Jahren noch nicht die passenden Worte hatte, um das auszudrücken», erzählt die 28-jährige Valerie Reding.

«Dass ich asexuell bin, war für mich schon immer klar, auch wenn ich mit sieben Jahren noch nicht die passenden Worte hatte, um das auszudrücken», erzählt die 28-jährige Valerie Reding.

Asexualität werde in der Gesellschaft oft missverstanden. Zu selten kämen Betroffene zu Wort, so die Wahl-Zürcherin. Dabei seien 1 bis 3,5 Prozent der Bevölkerung asexuell. «Asexualität bedeutet ganz einfach das Fehlen jeglicher sexuellen Anziehungskraft.»

Asexualität werde in der Gesellschaft oft missverstanden. Zu selten kämen Betroffene zu Wort, so die Wahl-Zürcherin. Dabei seien 1 bis 3,5 Prozent der Bevölkerung asexuell. «Asexualität bedeutet ganz einfach das Fehlen jeglicher sexuellen Anziehungskraft.»

«Nur weil ich asexuell bin, heisst das nicht, dass ich keinen Sex habe. Ich geniesse die Nähe und Intimität, die dabei entstehen. Sexuelles Verlangen hingegen habe ich noch nie empfunden», sagt Reding.

«Nur weil ich asexuell bin, heisst das nicht, dass ich keinen Sex habe. Ich geniesse die Nähe und Intimität, die dabei entstehen. Sexuelles Verlangen hingegen habe ich noch nie empfunden», sagt Reding.

privat

«Dass ich asexuell bin, war für mich schon immer klar, auch wenn ich als Kind noch nicht die passenden Worte dafür hatte», erzählt Valerie Reding. Sie ist 28 Jahre alt, arbeitet als Multimedia-Künstlerin und hat soeben ihr erstes Solostück auf die Bühne gebracht. Die gebürtige Luxemburgerin lebt seit knapp zehn Jahren in Zürich, ist perfekt viersprachig und tanzt leidenschaftlich gern. Seit vier Jahren lebt sie in einer offenen Beziehung. So etwas wie eine Krise hat Valerie wegen ihrer Asexualität nie durchlebt: «Meine Eltern haben mir ein gesundes Selbstbewusstsein und viel Freiheit mit auf den Weg gegeben.»

Asexualität werde in der Gesellschaft oft missverstanden. Zu selten kämen Betroffene zu Wort, so die Wahl-Zürcherin. Dabei seien 1 bis 3,5 Prozent der Bevölkerung asexuell. «Asexualität bedeutet ganz einfach, dass die Person keine sexuelle Anziehungskraft verspürt. Andere Arten von Anziehung, beispielsweise romantische oder ästhetische, empfinde ich aber durchaus und intensiv.» Auch körperliche Anziehungskräfte spüre sie, erklärt Valerie. So habe sie das Bedürfnis, bestimmten Menschen körperlich nah zu kommen, sie zum Beispiel zu umarmen.

«Habe noch nie sexuelles Verlangen empfunden»

«Nur weil ich asexuell bin, heisst das nicht, dass ich keinen Sex habe. Ich geniesse die Nähe und Intimität, die dabei entstehen. Sexuelles Verlangen hingegen habe ich noch nie empfunden», führt sie aus. Ihr Partner habe sich anfangs intensiv mit Asexualität auseinandergesetzt: «Er weiss jetzt, dass ich Sex mit ihm trotzdem geniessen kann. Ich mag etwa das Emotionale dabei.»

Und wie sieht das bei den Männern aus – kann ein asexueller Mann Sex haben? Valerie lacht: «Selbstverständlich, solange er sich vom Sex nicht abgestossen fühlt. Sein Körper funktioniert ja ganz normal. Bestimmte Stimuli lösen auch bei ihm sexuelle Erregung aus, das ist eine vollkommen gesunde körperliche Reaktion.» Unter den Asexuellen in ihrem Bekanntenkreis gebe es auffallend wenige Männer. «Männlichkeit ist in unserer Gesellschaft sehr eng mit Potenz und grosser sexueller Aktivität verbunden. Es braucht generell Mut und Selbstbewusstsein, sich als asexuell zu outen», sagt Valerie.

Sie selber habe kaum wirklich negative Reaktionen erhalten. Die meisten Bekannten seien überrascht gewesen, weil sie keinesfalls dem Klischee der «grauen Maus» entspreche, das mit Asexualität verbunden werde. Und auch pathologisiert würde Asexualität oft: «Dabei ist das einfach eine sexuelle Orientierung wie jede andere auch und entsteht nicht etwa durch ein Trauma.»

Nur wenige sind von Sex komplett abgestossen

«Ich setze mich allgemein dafür ein, dass wir das Konzept von Sexualität viel offener gestalten. Es gibt ein sehr breites Spektrum zwischen denjenigen, die jeden Tag Sex möchten, und asexuellen Personen», so Valerie. Sie sei erst wenigen Asexuellen begegnet, die Sexualität wirklich komplett abstosse. Viele lehnten Sex und vor allem Romantik nicht gänzlich ab. Sexuelle und romantische Anziehungskraft würden ohnehin zu häufig als Kombination gedacht, sagt Valerie.

«Sowieso», so Valerie, «ist Sexualität in unsere Gesellschaft omnipräsent. Es ist kaum möglich, den weiblichen Körper künstlerisch darzustellen, ohne dass er gleich sexualisiert wird. Und gleichzeitig ist das Sprechen über Sexualität und ihr ganzes Spektrum in der Öffentlichkeit noch immer ein Tabu – das ist doch paradox!» Sie würde sich wünschen, dass all diese Konzepte offener aufgefasst würden.

«Asexualität bringt Freiheit»

Ob sie selber jemals mit ihrer Asexualität gehadert habe? «Nein, ich bin sogar froh darüber, so habe ich mehr Zeit für anderes, da ich kein sexuelles Bedürfnis befriedigen muss. Und ich glaube, weil ich keinen Fetisch habe – also mich nicht von bestimmten Körpermerkmalen sexuell angezogen fühle –, kann ich die Menschen noch mehr als Mensch sehen.»

Valerie ist panromantisch, das heisst, sie hat keine Vorliebe für ein Geschlecht oder bestimmte Geschlechtsmerkmale. «Ich verliebe mich einfach in den Menschen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.