30.06.2016 17:40

Strassenbau in Sydney

Asphalt weg, Asphalt drauf – und das 24 Mal

Jedes Wochenende wird eine Kreuzung in Sydney aufgerissen und dann wieder zugepflastert. Denn an Wochentagen sollen Autos rollen können.

von
sut
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Im Geschäftszentrum von Sydney ist die George Street an der Kreuzung mit der Grosvenor Street frei für den Verkehr. Doch hier wird eine Tramlinie gebaut.

Im Geschäftszentrum von Sydney ist die George Street an der Kreuzung mit der Grosvenor Street frei für den Verkehr. Doch hier wird eine Tramlinie gebaut.

Sidney Morning Herald
Deshalb rücken in der Nacht auf Samstag Bagger an und reissen die Strasse auf.

Deshalb rücken in der Nacht auf Samstag Bagger an und reissen die Strasse auf.

Sidney Morning Herald
Über das Wochenende wird gegraben. Alte Leitungen müssen entfernt und durch neue ersetzt werden, bevor die Tramgleise gelegt werden können.

Über das Wochenende wird gegraben. Alte Leitungen müssen entfernt und durch neue ersetzt werden, bevor die Tramgleise gelegt werden können.

Sidney Morning Herald

Kaum zugepflastert und schon wieder aufgerissen. Weltweit ärgern sich Stadtbewohner über den Leerlauf schlecht koordinierter Strassenarbeiten. Die australische Stadt Sydney erhebt den absurden Zyklus zur Kunst: Für den Bau einer Strassenbahn wird eine Kreuzung jede Woche aufgerissen und dann wieder zugedeckt – bis zu 24 Mal.

Die an Sisyphus erinnernde Strategie sei nötig geworden, weil die Arbeiten den starken Werktagsverkehr nicht lahmlegen dürfen, berichtet die Zeitung «Sydney Morning Herald». Die Kreuzung, wo die Grosvenor Street und die Bridge Street auf die George Street treffen, zähle zur unverzichtbaren Ost-West-Transversalen im zentralen Geschäftsviertel Sydneys.

250 zuvor unbekannte Leitungen wurden entdeckt

Für eine neue Tramlinie auf der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden George Street muss zuerst der Untergrund saniert werden. So reissen Bauarbeiter in der Nacht auf den Samstag den Asphalt auf und graben in die Tiefe. Letztes Wochenende waren sie 56 Stunden lang nonstop am Wühlen, bevor sie das Loch am Sonntagabend wieder zufüllten. Dann wurde die Strasse gepflastert und mit Markierungen versehen, bereit für den Stossverkehr am Montag. Dasselbe Ritual soll sich ein halbes Jahr lang wiederholen.

Der betroffene Strassenabschnitt ist 120 Meter lang – zu gross, um mit Stahlplatten provisorisch zugedeckt zu werden, schreibt die Zeitung. Beim Buddeln stiessen die Arbeiter auf ein unterirdisches «Spinnennetz von Leitungen» für Gas, Wasser, Strom und Glasfasern. Auf der ganzen Länge der Tramlinie wurden laut «Herald» bisher 250 bis dahin unbekannte Leitungen gefunden.

Der Bau der zwölf Kilometer messenden Strassenbahn ist auf 2,1 Milliarden australische Dollar (rund 1,5 Milliarden Franken) budgetiert. Die ersten Trams sollen 2019 rollen.

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