Dumpingpreise: «Asphaltbande» geht im Seeland um
Aktualisiert

Dumpingpreise«Asphaltbande» geht im Seeland um

Im Berner Seeland gehen seit Mai englische Arbeiter um, die Asphaltierungen zu Dumpingpreisen anbieten. Die bernischen Arbeitsmarktbehörden gehen davon aus, dass einige der Männer schwarz arbeiten.

Dreimal habe er die Asphaltierer bisher in Aktion angetroffen, sagt Stefan Hirt, Inspektor der Arbeitsmarktkontrolle, auf Anfrage zu einem entsprechenden Bericht des «Bieler Tagblatts» vom Mittwoch. Zweimal aufgrund eines Hinweises, einmal per Zufall.

Die Mehrheit der sieben bis zehn Männer habe sich aber jeweils aus dem Staub gemacht. Nur wenige Personen konnte Hirt kontrollieren. Diese waren Engländer und verfügten dank der EU- Bürgerschaft über einen Ausländerausweis B. Somit dürfen sie hier arbeiten. Gemeldet waren sie allerdings nicht.

Die Firma, für welche die Männer arbeiten, hat ihren Sitz im Kanton Zug. Hirt nimmt aber an, dass es sich dabei um eine Briefkastenfirma handelt.

Jagd auf Hintermänner

Es gehe vor allem darum, die Hintermänner zu fassen, ergänzt Beat Zutter, Leiter Fachbereich Arbeitsmarktaufsicht beim Beco Berner Wirtschaft. Ihre Spur soll nun verfolgt werden, damit sie zur Verantwortung gezogen werden können. Dies ist allerdings schwierig, wie die Erfahrung zeigt.

So trieb eine Bande mit ähnlichem Vorgehen vor einigen Jahren bereits ihr Unwesen im Kanton Bern. Damals konnte man ihrer nicht habhaft werden. «Sie waren uns immer einen Schritt voraus», so Zutter.

Deshalb sei es auch schwierig zu sagen, ob die gleichen Strippenzieher am Werk seien. Bei den vorwiegend jungen Arbeitern dürfte es sich nicht um dieselben handeln.

Auch in Deutschland und Österreich kennen die Behörden solche Banden. In der Schweiz sei das Phänomen der Asphaltbande «relativ einzigartig», sagt Zutter.

Hinweise gefragt

Hirt und Zutter hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, wenn die Bande in Aktion tritt. Vor allem warnen die Behörden davor, den Männern einen Auftrag zu erteilen. Diese tauchen häufig bei Bauernhöfen oder Gewerbebetrieben auf und geben vor, noch etwas Asphalt übrig zu haben, mit welchem sie günstig ein Stück Land teeren könnten.

Die Bande verlangt pro Quadratmeter 40 Franken, während hierzulande bei einem günstigen Angebot 100-120 Franken üblich sind. «Ihre Arbeit hat auch überhaupt keine Qualität», mahnt Hirt. Zudem verhalten sich die Arbeiter recht aggressiv: Einer von ihnen hätte, als er sich einer Kontrolle entziehen wollte, Hirt beinahe überfahren. (sda)

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