Jugendfreund erzählt: «Assad lebt in einer Seifenblase»
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Jugendfreund erzählt«Assad lebt in einer Seifenblase»

Der ehemalige Brigadegeneral und Jugendfreund von Präsident Baschar al-Assad, Manaf Tlass, ist aus Syrien geflohen. Aus der Ferne beurteilt er den syrischen Machthaber.

Manaf Tlass ist mit Abstand die schillerndste Figur unter den syrischen Regimegegnern. Der dandyhaft wirkende Brigadegeneral ist ein Jugendfreund von Präsident Baschar al-Assad. Sein Vater war viele Jahre lang Verteidigungsminister.

Seit seiner Flucht aus Syrien im vergangenen Juli knüpft der frühere Kommandant der Republikanischen Garde Kontakte zu Oppositionellen, Rebellen und Politikern. Tlass glaubt, der Präsident leide inzwischen an totalem Realitätsverlust: «Assad hat sich in eine Seifenblase zurückgezogen, er zieht es vor, sich mit Leuten zu umgeben, die ihm das zeigen und sagen, was er sehen und hören will.»

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA in Paris warnte Tlass davor, nach dem Sturz des Regimes die Armee und andere Institutionen des Staates komplett aufzulösen, so wie im Irak nach der US-Invasion von 2003. «Die Milizen, die es innerhalb der Armee gibt, werden, wenn Assad stürzt, ohnehin von alleine zerfallen.»

Angst vor Racheakten und bewaffnetem Chaos

Der 48-Jährige sprach sich zwar gegen eine ausländische Militärintervention aus. Gleichzeitig forderte er jedoch die internationale Gemeinschaft auf, die Syrer nicht ihrem Schicksal zu überlassen, «denn sonst erleben wir Racheakte und bewaffnetes Chaos».

Ein Zerfall des Staates so wie einst in Somalia sei denkbar. Ohne ein politische Unterstützung aus dem Ausland könne eine Situation entstehen, «in der sich die Syrer gegenseitig zerfleischen», sagte Tlass.

Vizepräsident könnte Führungsrolle übernehmen

Der General, dessen Familie aus der Rebellenhochburg Al-Rastan stammt, gehörte zu den wenigen Sunniten in der Armeeführung. Er hat heute nach eigenen Angaben gute persönliche Kontakte zu mehreren Persönlichkeiten der Opposition. Wo er seine eigene Rolle nach einem Sturz des Regimes sieht, liess er offen.

Tlass hält es für möglich, dass Vizepräsident Faruk al-Scharaa, der ebenfalls Sunnit ist, während einer Übergangszeit eine Führungsrolle übernehmen könnte. «Er ist eine Persönlichkeit, mit relativ moderaten Ansichten», sagte er über Al-Scharaa, der seit Beginn des Aufstandes in Syrien vor knapp zwei Jahren kaum noch öffentlich in Erscheinung getreten ist. (sda)

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