Aktualisiert 11.01.2016 13:29

Madaja, SyrienAssad-Treue verhöhnen Hungernde mit Foodporn

Während der syrische Präsident Assad Hilfskonvois für belagerte Städte erlaubt, provozieren seine Anhänger auf Facebook.

von
cfr

40'000 Menschen in der von Regierungstruppen belagerten syrischen Stadt Madaja droht der Hungertod. Die Bewohner müssen sich laut Aktivisten mittlerweile von Gras, Katzen und Hunden ernähren – und Unterstützer des Regimes provozieren jetzt auf Social Media auch noch mit Foodporn-Bilder.

Unter dem Hashtag «#Solidarität mit dem besetzten Madaja» posten Nutzer Bilder von reichhaltig gedeckten Tischen mit gebratenem Fisch, Eiern, Brot und frischem Gemüse (siehe Bildstrecke).

Als «sadistisch» und «unglaublich widerlich» werden die Einträge im Netz kommentiert. «Dieser Hashtag auf Facebook ist ein Tiefpunkt auf Social Media», schreibt Nutzer @Abriel2twit.

Reaktion auf angekündigte Hilfskonvois

Gemäss der britischen Zeitung «Independent» sind die Posts eine Reaktion darauf, dass der syrische Machthaber Bashar al-Assad am Freitag dem internationalen Druck nachgab und ankündigte, Hilfskonvois nach Madaja und zwei weitere Städte reisen zu lassen – die ersten seit Oktober.

Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) waren am Montag Lastwagen mit 330 Tonnen Nahrung und Medikamenten auf dem Weg von der Hauptstadt Damaskus in den rund 25 Kilometer nordwestlich gelegenen Ort. Ein ursprünglich für Sonntag geplanter Transport musste laut IKRK aus logistischen Gründen verschoben werden.

Weitere Todesfälle wegen Mangelernährung

Ausser Nahrungsmitteln will das IKRK «Medizin und Güter für die medizinische Grundversorgung, chronische Krankheiten, Schwangere und Säuglinge liefern». Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja sollen demnach Lieferungen in die von Rebellen belagerten Orte Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens gehen.

Die von Rebellen gehaltene Stadt Madaja wird seit einem halben Jahr von Regierungstruppen und ihren Verbündeten belagert. Am Sonntag starben erneut fünf Menschen an den Folgen von Mangelernährung, wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mitteilte. Dabei handelte es sich um einen neunjährigen Buben und vier Männer von über 45 Jahren.

Zuvor hatte die Hilfsorganisation von mindestens 23 Menschen berichtet, die seit Dezember unterernährt in der Stadt gestorben seien. MSF dringt auf eine fortlaufende Versorgung der Menschen in Madaja. «Eine einzelne Lieferung wird das Problem nicht lösen», sagte Tammam Aludat, stellvertretender medizinischer Direktor der Hilfsorganisation. (cfr/sda)

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