SEA: Assads elektronische Armee greift an
Aktualisiert

SEAAssads elektronische Armee greift an

Die «New York Times» und Twitter wurden virtuell angegriffen. Dahinter stehen Assads Cyber-Soldaten, die der Diktator wohl schon in den 1990ern rekrutieren liess.

von
gux
Die Syrian Electronic Army wurde vom Assad-Regime ins Leben gerufen (Symbolbild).

Die Syrian Electronic Army wurde vom Assad-Regime ins Leben gerufen (Symbolbild).

Ein Hacker-Angriff hat die Internet-Seite der «New York Times» zeitweise lahmgelegt und den Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter beeinträchtigt. Das bestätigten die Unternehmen am späten Dienstagabend (Ortszeit). Auch die «Huffington Post» in Grossbritannien war den Angaben zufolge betroffen.

Zu dem Angriff bekannte sich die Syrische Elektronische Armee (SEA), die in den vergangenen Monaten bereits mehrere ähnliche Aktionen gegen die internationale Presse verübt hatte. «Ich kann nicht sagen, wie, aber ich kann bestätigen, dass wir Melbourne IT geknackt haben», so ein syrischer Hacker gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Auf der Website der «New York Times» war zwischenzeitlich eine Nachricht der Angreifer zu sehen: «Hacked by SEA».

Hinter der «Explosion im Weissen Haus»

Ziel waren Medien, die nach Ansicht der Gruppe Sympathien für die syrischen Rebellen hegen. Der jüngste Hackerangriff fällt zeitlich zusammen mit den Vorbereitungen für den immer wahrscheinlicher werdenden Militäreinsatz der USA gegen Syrien nach den mutmasslichen Giftgasangriffen der dortigen Armee auf Zivilisten.

Wie gefährlich und effektiv die syrischen Hacker sind, zeigte sich bereits im Frühling. Die SEA hackte den Twitter-Account der Nachrichtenagentur AP und verbreitete unter deren Namen die Meldung, wonach

es eine Explosion im Weissen Haus gegeben habe. Die Börsen sackten nach unten: Aktienwerte von 130 Milliarden Dollar waren zwischenzeitlich vernichtet.

Zurück blieb ein ratloser Westen, der sich fragte, was für einen Preis er für Missinformationen in Zunkunft zahlen müsse.

Assad: «Wirkliche Armee in der virtuellen Welt»

Es gibt wenig gesicherte Informationen über die SEA. Ungeklärt sind heute etwa die tatsächlichen Verbindungen des Hackerkollektivs zum Assad-Regime. Sicher ist: Die Syrische Computergesellschaft wurde unter dem Namen der Internetadresse von SEA registriert. Deren Vorsitzender war in den 1990er-Jahren Baschar al-Assad. Damals präsentierte sich Assad noch als Modernisierer, der Internet und Mobiltelefonie in Syrien einführte.

Assad selbst machte 2011 seine Unterstützung der SEA deutlich: «Junge Leute haben sich als eine aktive Kraft erwiesen – so wie die elektronische Armee, die sich in der virtuellen Realität als wirkliche Armee gezeigt hat», sagte er in einer Rede.

Tatsächlich ist die SEA nicht nur eine Waffe des Regimes gegen den Westen, sondern auch gegen die Opposition. Die Internetauftritte der Assad-Gegner wurden schon in den ersten Tagen des Aufstandes gegen das Regime untergraben: Als Aktivisten auf Twitter mit dem Hashtag #Syria über die Demonstrationen berichteten und vor den Übergriffen des Staates warnten, speiste die SEA bald Pro-Regime-Botschaften und Drohungen in diese Kanäle der Opposition ein. Es wird seither vermutet, dass die SEA mit dem syrischen Geheimdienst zusammenarbeitet. (gux/sda)

Zugangsdaten genutzt

Die Attacke der syrischen Hacker richtete sich auf den australischen Web-Verwalter Melbourne IT, bei dem die Domänes von Twitter und der «New York Times» registriert sind. Der Geschäftsführer von Melbourne IT, Theo Hnarakis, sagte, die Hacker hätten sich Zugang zur Domäne der «New York Times» mit der Eingabe des korrekten Benutzernamens und des Passworts verschafft und anschliessend «einige Informationen» eingegeben, die die Webseite lahmgelegt habe. «Sie kamen durch die Vordertür», meinte Hanarakis.

«Wenn jemand die richtigen Zugangsdaten nutzt, geht unser System natürlich davon aus, dass alles seine Ordnung hat». Einmal über den Hackerangriff informiert, setzte Melbourne IT die Nutzerdaten zurück und sperrte alle Dateien, um weitere Attacken zu vermeiden. Die New Yorker Zeitung selbst setzte während der Dauer des Angriff alternative Seiten auf, auf denen sie weiter über die mutmasslichen Giftgasangriffe berichtete.

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