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Mehr Auto-UnfälleAssistenten verleiten zu riskanterer Fahrweise

Ist es glatt auf der Strasse, kommt es zu Unfällen. Grund sind unter anderem auch Systeme, die das Fahrverhalten eigentlich korrigieren sollten.

von
tam
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Dieses Auto eines 19-Jährigen kippte am Montagmorgen in Wolfertswil SG in einer Linkskurve.

Dieses Auto eines 19-Jährigen kippte am Montagmorgen in Wolfertswil SG in einer Linkskurve.

Kantonspolizei St.Gallen
Sein Auto geriet auf der mit Schneematsch bedeckten Strasse ins Schleudern.

Sein Auto geriet auf der mit Schneematsch bedeckten Strasse ins Schleudern.

Kantonspolizei St.Gallen
Auch in Zürich legte es einen Porsche seitlich auf die Strasse.

Auch in Zürich legte es einen Porsche seitlich auf die Strasse.

Leser-Reporter

In den letzten Tagen war es gefährlich auf den Schweizer Strassen. Wegen Schnee und Eis kam es zu unzähligen Unfällen. Die Autos landeten im Graben oder gar zwischen den Bäumen abseits der Strasse. Nicht selten überschlugen sich die Fahrzeuge auch und kamen auf der Seite zu liegen.

Daniel Junker, Leiter Fahrzeugexperten bei der Versicherung Baloise, sieht zwei Gründe dafür, dass Fahrzeuge bei Unfällen zur Seite kippen. Erstens seien die Fahrzeuge in den vergangenen zehn Jahren deutlich schwerer geworden. Zudem liege der Schwerpunkt heute höher, gerade bei den beliebten Geländelimousinen. «Ein Teil der Unfälle lässt sich also physikalisch erklären», sagt Junker. Dass Autos deswegen häufiger kippen, könne aber nicht festgestellt werden.

«Lenker verlassen sich auf Systeme»

Der Fachmann hält eine zweite Erklärung bereit. «Assistenzsysteme wie das Antiblockiersystem (ABS) oder die elektronische Stabilisation (ESP) unterstützen dabei, auf verschneiten und vereisten Fahrbahnen sicherer zu fahren», sagt Junker. Die serienmässig eingebauten Systeme helfen zu verhindern, dass die Fahrzeuge ins Schleudern geraten und umkippen. «Die Lenker verlassen sich vermehrt auf solche Fahrerassistenz-Systeme und sind dadurch auch bereit, mehr Risiken einzugehen», so Junker. Das sei eine Tendenz, die man beobachten könne.

Den Lenkern werde Sicherheit vorgegaukelt, weil die Systeme korrigierend ins Fahrverhalten eingreifen. Bei Schnee und Eis seien die Systeme aber vielfach überfordert, weil sie nur so lange wirksam sind, wie das Auto am Boden haftet. «Sobald das Fahrzeug ins Rutschen gerät, lässt sich die Physik nicht mehr überlisten.» In den vergangenen Tagen seien vermutlich viele Autofahrer von den prekären Verhältnissen überrascht worden.

Bis zu dreimal mehr Unfälle bei Schnee und Eis

Dass grosse Autos eher ins Rutschen geraten, kann die Abteilung Unfallforschung der AXA Winterthur nicht mit Daten belegen. Fakt sei jedoch, dass es an Tagen mit prekären Verhältnissen generell zu mehr Unfällen im Strassenverkehr kommt. AXA-Sprecherin Anna Ehrensperger: «Es kann zu doppelt oder gar dreimal so vielen Unfällen kommen wie an normalen Tagen.»

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