AstraZeneca: In England sollen unter 30-Jährige nicht mehr mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft werden

AstraZenecaIn England sollen unter 30-Jährige nicht mehr mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft werden

Laut einer britischen Umfrage hält eine Mehrheit der Menschen in Deutschland, Frankreich, Niederlande, Spanien und Italien das britisch-schwedische Vakzin für unsicher. Alle News dazu im Ticker.

«Das ist ein sicherer und wirksamer Impfstoff»

Am Donnerstag hat die EU-Arzneimittelbehörde den Impfstoff von AstraZeneca als sicher befunden. Der Nutzen überwiege die möglichen Risiken.

  • Immer mehr Länder stoppen das Impfen mit AstraZeneca, nachdem mehrere Fälle von Blutgerinnseln bekannt wurden.

  • Ob wirklich ein Zusammenhang zischen Impfung und diesen Vorfällen besteht, ist nicht erwiesen.

  • Das britisch-schwedische Pharmaunternehmen betont wiederholt die Sicherheit des Vakzins «basierend auf klaren wissenschaftlichen Beweisen».

  • In der Schweiz wurde der Impfstoff bislang nicht zugelassen.

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Donnerstag, 08.04.2021

Grossbritannien will unter 30-jährige nicht mehr mit AstraZeneca impfen

Die Britischen Behörden wollen die Impfungen mit AstraZeneca bei unter 30-Jährigen aussetzen. Dies, weil sie 79 Fälle von Blutgerinnseln in Verbindung mit dem Impfstoff bringen, von denen 19 Personen gestorben seien. Zwar sei das kein Beweis dafür, dass die Impfung die Gerinnsel verursacht habe, aber der Zusammenhang werde immer deutlicher, zitiert «BBC» die britische Arzneimittelbehörde. Darum sollen aufgrund der verfügbaren Daten und Beweise Erwachsene unter 30 Jahren stattdessen den Impfstoff von Pfizer/BioNTech, Moderna oder einen anderen Impfstoff erhalten, sofern verfügbar. Mehr als 20 Millionen Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca wurden inzwischen in Grossbritannien verabreicht.

Sonntag, 04.04.2021

US-Regierung wirft AstraZeneca aus Impfstoff-Fabrik

Weiterer Rückschlag für den Impfstoffhersteller AstraZeneca: Das Unternehmen hat eine Produktionsstätte für seinen Corona-Impfstoff, den auch Johnson & Johnson nutzt, an den Konkurrenten verloren. Der US-Pharmakonzern teilte mit, Johnson & Johnson werde nun die «volle Verantwortung» für die Produktionsstätte des Auftragsherstellers Emergent Biosolutions im Bundesstaat Maryland übernehmen. Dort wurde bislang auch der Corona-Impfstoff von Astrazeneca hergestellt, der in den USA noch nicht zugelassen ist.

Die «New York Times» und die «Washington Post» berichteten am Wochenende, dass die Regierung Johnson & Johnson in einem ungewöhnlichen Schritt in die Verantwortung gedrängt hatte, nachdem wegen eines Produktionsfehlers an dem Standort jüngst Millionen Impfdosen des Herstellers entsorgt werden mussten. Auslöser war den Berichten zufolge, dass Inhaltsstoffe der beiden Impfstoffe vermischt worden waren. Johnson & Johnson hatte am Mittwoch nur mitgeteilt, dass ein Inhaltsstoff die Qualitätskontrolle nicht bestanden habe.

Samstag, 03.04.2021

London meldet sieben Todesfälle nach Astrazeneca-Impfungen

Die britische Arzneimittelbehörde hat sieben Todesfälle durch seltene Blutgerinnsel nach Impfungen mit Astrazeneca in Grossbritannien gemeldet. Angaben zum Alter oder dem Gesundheitszustand der Opfer machte die Behörde MHRA am Freitagabend (Ortszeit) nicht. Die Behörde rief Menschen auf, sich weiterhin mit dem Impfstoff von Astrazeneca und der Oxford University gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Es sei unklar, ob die Blutgerinnsel auf die Impfungen zurückgingen, teilte die Behörde mit. Die Fälle würden weiterhin genau untersucht. Insgesamt habe sie 30 Fälle seltener Blutgerinnsel nach Impfungen mit dem Impfstoff festgestellt, teilte die MHRA mit. Sie stünden im Zusammenhang mit 18,1 Millionen Dosen von Astrazeneca, die bis zum 24. März gespritzt worden seien. Das Risiko verbunden mit dieser Art von Blutgerinnseln sei «sehr klein» und die Vorteile überwögen jedes Risiko.

Bedenken wegen des Impfstoffs von Astrazeneca haben Deutschland, Kanada, Frankreich und die Niederlande dazu veranlasst, seine Verwendung auf ältere Menschen zu beschränken. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Länder aufgefordert, den Impfstoff weiterhin zu verwenden.

Ein Professor für Pädiatrie an der University of Bristol, Adam Finn, sagte, dass die Blutgerinnsel im Zusammenhang mit den Millionen von Impfungen in Grossbritannien eine «extreme Seltenheit» hätten, stelle die Menschen vor eine sehr klare Entscheidung. «Den Impfstoff zu erhalten ist bei weitem die sicherste Wahl, wenn es darum geht, das individuelle Risiko für schwere Krankheit oder Tod zu minimieren», sagte Finn.

Die MHRA meldete, dass es beim Impfstoff von Biontech und Pfizer keine Berichte über Blutgerinnsel gegeben habe.

Niederlande stoppen Impfungen mit AstraZeneca bis auf weiteres

Die Niederlande haben die Impfung mit dem Präparat des Herstellers Astrazeneca vorläufig eingestellt. Grund für den vorläufigen Impfstopp sind fünf Thrombose-Meldungen bei Frauen im Alter von 25 bis 65 Jahre nach Impfung. Eine Person war gestorben. Es wird nach Angaben der Behörden noch untersucht, ob es einen Zusammenhang mit der Impfung gibt. Bisher wurden in den Niederlanden rund 400'000 Personen mit dem Präparat von Astrazeneca geimpft.

Zunächst hatte das Gesundheitsministerium am Freitagabend beschlossen, Personen im Alter unter 60 Jahren nicht mehr mit dem Präparat von Astrazeneca zu impfen. Auslöser waren Fälle von schweren Nebenwirkungen bei Frauen. Am Samstag entschieden die Gesundheitsämter nach Beratung mit dem Ministerium, alle Astrazeneca-Impfungen auszusetzen, um Verschwendung vorzubeugen.

Montag, 22.03.2021

Spanien lässt den Impfstoff von Astrazenica für Menschen ab 55 zu

Der Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns Astrazeneca kann in Spanien nun auch für Menschen genutzt werden, die zwischen 55 und 65 Jahren alt sind. Dies teilte Gesundheitsministerin Carolina Darias am Montag in Madrid mit. Bislang durften Spanier bei Impfungen mit diesem Vakzin nicht älter als 55 Jahre sein.

Litauens politische Führung lässt sich impfen

Litauens politische Führung hat sich vor laufender Kamera mit dem Impfstoff von AstraZeneca gegen das Coronavirus impfen lassen. Staatspräsident Gitanas Nauseda und Regierungschefin Ingrida Simonyte bekamen am Montag in Kliniken der Hauptstadt Vilnius die erste von zwei Dosen verabreicht. Auch Parlamentspräsidentin Viktorija Cmilyte-Nielsen und Gesundheitsminister Arunas Dulkys sollten am Montag einen schützenden Pieks erhalten.

Litauen hatte wie viele andere europäische Länder in der Vorwoche die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff vorübergehend ausgesetzt, um mögliche Nebenwirkungen zu prüfen. Nach der Freigabe durch die Europäische Arzneimittelbehörde wird das Präparat in dem baltischen EU-Land wieder gespritzt. Nauseda und Simonyte appellierten beide an die Bürger Litauens, es ihnen nachzutun und sich impfen zu lassen.DPA/mur

Vertrauen gesunken

Nach den Turbulenzen um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist das Vertrauen in das Vakzin in mehreren europäischen Ländern deutlich gesunken. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des britischen Instituts Yougov hält eine Mehrheit der Menschen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien den Impfstoff für unsicher. Demnach erhöhte sich der Anteil der Deutschen, die dem Astrazeneca-Präparat misstrauen, innerhalb eines Monats um 15 Prozentpunkte auf 55 Prozent. Nur 32 Prozent der Bundesbürger stuften ihn als sicher ein.

In Frankreich waren 61 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Astrazeneca-Impfstoff nicht sicher sei. Besonders deutlich stieg das Misstrauen in Spanien und Italien, wo der Anteil derjenigen, die das Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers als unsicher bezeichneten, um jeweils 27 Prozentpunkte zunahm. In beiden Ländern sind jeweils weniger als 40 Prozent der Befragten von der Sicherheit des Impfstoffs überzeugt.

Laut Arzneimittelbehörde sicher

Ein ganz anderes Bild bot sich in Grossbritannien, wo laut der Umfrage weiterhin mehr als drei Viertel der Bürger angaben, dass sie den Astrazeneca-Impfstoff für sicher halten. Das Vertrauen in die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna blieb laut Yougov derweil konstant. An der Umfrage nahmen vom 12. bis 18. März rund 2000 Deutsche, fast 1700 Briten und jeweils rund tausend Bürger aus anderen EU-Ländern teil.

Nach Berichten über Blutgerinnsel im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung hatten zahlreiche europäische Staaten die Verwendung des Astrazeneca-Vakzins gestoppt. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) bekräftigte nach einer erneuten Überprüfung aber ihre Einschätzung, dass der Impfstoff «sicher und wirksam» sei. Deutschland und mehrere andere Länder ordneten daraufhin die Wiederaufnahme der Impfungen mit Astrazeneca an.

Freitag, 19.03.2021

Finnland stoppt AstraZeneca-Impfungen

Nach Dänemark zeigt sich nun auch Finnland weiterhin skeptisch gegenüber dem Impfstoff von AstraZeneca. Die Verwendung des Vakzins werde in Finnland ab sofort gestoppt, «bis es mehr Informationen zu dem Fall gibt und ein möglicher Zusammenhang bewertet werden kann», teilte die finnische Gesundheitsbehörde THL nach zwei Fällen von Blutgerinnseln im Gehirn nach Impfungen in Finnland.

Die EMA hat nach ihrem Bescheid am Donnerstag, dem Impfstoff wieder grünes Licht zu geben, erklärt, dass man die Produktinformationen für das Vakzin anpassen werde.

Dänemark nutzt AstraZeneca-Impfstoff weiter nicht

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat grünes Licht für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca gegeben. Dänemark will das Vakzin des Pharmakonzerns trotzdem weiter nicht nutzen. Die EMA könne nicht ausschliessen, dass es einen Zusammenhang zwischen den gefährlichen Blutgerinnseln und dem Impfstoff gebe, so die Position der Behörden.

In Dänemark werden derzeit zehn Fälle von schweren Blutgerinnseln nach AstraZeneca-Impfungen untersucht, darunter ein Todesfall. Insgesamt erhielten mehr als 140'000 Dänen das Vakzin. Das Land hatte nach Berichten über die Blutgerinnsel in der vergangenen Woche als erstes Land in Europa die Impfungen mit Astrazeneca unterbrochen.AFP/mur

Luxemburg nimmt AstraZeneca-Impfungen wieder auf

Luxemburg nimmt die Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers AstraZeneca wieder auf. Der Impfstoff werde ab dem heutigen Freitag wieder regulär eingesetzt, teilte das Gesundheitsministerium mit. Grundlage dafür ist der Entscheid der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) vom Donnerstag. Sie stufte das Vakzin als sicher ein.

Wie zahlreiche andere europäische Länder hatte Luxemburg die Impfungen mit AstraZenca in den vergangenen Tagen vorübergehend ausgesetzt. Hintergrund waren Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Präparat.DPA/mur

Donnerstag, 18.03.2021

Länder impfen AstraZeneca-Vakzin wieder

Nach der Einsatzempfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll das Vakzin in Italien ab Freitag wieder verabreicht werden. Das teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstagabend in Rom mit. Die EMA habe Zusammenhänge zwischen Fällen von Thrombose und dem Impfstoff ausgeschlossen und dem Präparat ein positives Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko bestätigt. Auch Frankreich und Deutschland will die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin wieder aufnehmen.

EU sagt, dass AstraZeneca sicher ist

Die europäische Medizinagentur EMA hat entschieden, dass der Impfstoff die Impf-Empfehlung behält. Darüber informierte die EMA in einer Medienkonferenz am Donnerstag. Der Impfstoff sei «sicher und effektiv», sagte EMA-Chefin Emer Cooke nach einer Sondersitzung der Behörde am Donnerstag. Es gebe keine Hinweise darauf, dass von dem Impfstoff ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel ausgehe.

Die EMA kündigte aber auch an, dass der Beipackzettel der AstraZeneca-Impfung angepasst wird. So soll dort künftig eine Warnung vor möglichen seltenen Blutgerinnseln in Hirnvenen bei den möglichen Nebenwirkungen aufgeführt sein.

(AFP/her)

Kurz lässt sich mit AstraZeneca impfen

Der Österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz hält weiter an AstraZeneca wie «Oe24» schreibt. Er würde sich mit dem umstrittenen Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers impfen lassen, sagte Kurz bereits am Freitag in einer Pressekonferenz: «Ich habe mir hier ein klares Bild gemacht. Nachdem es viele Menschen gibt, die sich Sorgen machen, werde ich mich auch mit AstraZeneca impfen lassen, um zu zeigen, dass ich Vertrauen in den Impfstoff habe», sagt der Regierungschef.

Zulassung von AstraZeneca nicht vor Ostern

Raimund Bruhin, der Direktor der Arzneimittelbehörde Swissmedic, rechnet nicht damit, dass es vor Ostern zu einer Zulassung des Impfstoffes von AstraZeneca in der Schweiz komme. «Es fehlen belastbare Daten», sagte er in einem Interview mit den Zeitungen von CH-Media (Bezahlartikel). Verschiedene Länder haben den Impfstoff wegen Nebenwirkungen wieder gestoppt, in der Schweiz ist er noch gar nicht zugelassen.

Nicht das Tempo sei bei deiner Zulassung das Wichtigste, sondern es gehe um Zahlen, Daten und Fakten, sagte Bruhin. Swissmedic habe die Unterlagen überprüft, aber feststellen müssen, dass belastbare Daten von AstraZeneca fehlten.

Das heisse nicht, dass der Impfstoff schlecht sei. «Wir sagen nur, dass die Firma uns gegenüber noch nicht ausreichend belegen konnte, dass es ein guter Impfstoff ist.»

Mittwoch, 17.03.2021

Französischer Premier will Vertrauen aufbauen

Der französische Premierminister Jean Castex will eine Lanze für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca brechen. Er werde sich das Mittel spritzen lassen, sobald es wieder freigeben worden sei, sagte Castex am Dienstag dem Fernsehsender BFM. Mit 55 Jahren und ohne besondere gesundheitliche Probleme gehört Castex nicht zu denjenigen, die in Frankreich vordringlich geimpft werden sollen. Doch angesichts der Situation wolle mit gutem Beispiel vorangehen und sich sehr schnell impfen lassen sagte er. Seine Landsleute sollten sehen, dass die Impfung der Ausweg aus der Krise sei.

Frankreich hatte den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs am Montag ausgesetzt und wartete darauf, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA Zweifel an dem Mittel ausräumt.

Dienstag, 16.03.2021

EU-Agentur gibt sich zuversichtlich

Frankreich und Italien halten die ersten Äusserungen der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zum AstraZeneca-Impfstoff nach Angaben aus Paris für «ermutigend». Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Premier Mario Draghi seien bereit, die Impfkampagnen mit dem AstraZeneca-Impfstoff sehr schnell wieder aufzunehmen, falls die zusätzliche Überprüfung durch die EMA positiv ausfalle, hiess es am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Impfstopp sei eine «vorübergehende Vorsichtsmassnahme».

Deutschland und zahlreiche andere EU-Staaten wie Frankreich und Italien hatten die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca zuletzt ausgesetzt. Hintergrund waren Berichte über Blutgerinnsel in zeitlichem Zusammenhang mit dem Impfprozess. Die EMA hatte erklärt, sie halte den Nutzen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca bis zum Abschluss der laufenden Untersuchungen für grösser als die Gefahren. Solange die Untersuchungen der EU-Behörde andauerten, sei man entschieden überzeugt, dass die Vorteile des Impfstoffs bei der Verhinderung von Covid-19 das Risiko überwögen, hatte EMA-Chefin Emer Cooke gesagt.DPA/mur

EU-Agentur plant Update zu AstraZeneca am Donnerstag

Die EU-Kommission hofft auf eine europaweite Wiederaufnahme der Impfungen mit dem Corona-Vakzin von AstraZeneca ab Donnerstag. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) werde dann ihre «abschliessende Einschätzung» zur Sicherheit des Mittels vorstellen, sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Dienstag nach einer Videokonferenz mit den EU-Gesundheitsministern. «Darauf warten wir und folgen dem wissenschaftlichen Rat der EMA.»

Nach Berichten über einen Zusammenhang zwischen der Verabreichung von AstraZeneca und dem Auftreten von Blutgerinnseln hatten viele EU-Länder, darunter Deutschland, die Impfungen mit dem Mittel eingestellt. Die USA sitzen gar auf Millionen ungenutzter Dosen des Impfstoffs. Die EMA bekräftigte am Dienstag allerdings erneut ihre ursprüngliche Risikoeinschätzung des Impfstoffs: Es gebe derzeit keine Belege, dass die bei einzelnen Geimpften aufgetretenen Blutgerinnsel von dem AstraZeneca-Impfstoff verursacht worden seien, sagte Behördenchefin Emer Cooke.

Der EMA-Ausschuss für Impfstoff-Sicherheit hatte zuvor über das AstraZeneca-Präparat beraten und will bis zu einer Sondersitzung am Donnerstag zu einer offiziellen Schlussfolgerung kommen. Frankreich und andere Länder hatten bei Ankündigung ihrer Impfstopps bereits darauf verwiesen und von einer «vorübergehenden» Massnahme bis dahin gesprochen. «Hoffentlich haben wir am Donnerstag Informationen zur Wiederaufnahme der Impfungen», sagte Portugals Gesundheitsministerin Marta Temido.

Die Mitgliedstaaten hätten natürlich das Recht, aus Sicherheitsgründen die Impfungen zu unterbrechen, fügte Gesundheitskommissarin Kyriakides hinzu. Sie habe die Gesundheitsminister aber dennoch aufgefordert, im Vertrauen auf die wissenschaftliche Einschätzung der EMA «alle verfügbaren Impfstoffdosen zu nutzen».

Die EMA hatte dem AstraZeneca-Vakzin, an dessen Entwicklung die Universität Oxford beteiligt war, am 29. Januar eine bedingte Marktzulassung für Menschen ab 18 Jahren erteilt. Es war der dritte Impfstoff, der eine EU-weite Zulassung erhielt. Er ist günstiger und leichter lagerbar als die beiden zuvor zugelassenen Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna und spielt in den Impfplänen vieler Länder eine entsprechend grosse Rolle.AFP/mur

Litauen setzt Impfungen mit AstraZeneca aus

Litauen hat Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca gestoppt. Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers werde nicht mehr eingesetzt, bis die Untersuchung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zu vermuteten Nebenwirkungen des Mittels abgeschlossen sei. Dies teilte Gesundheitsminister Arunas Dulkys nach litauischen Medienberichten am Dienstagabend in Vilnius mit. Die Entscheidung sei auf Empfehlung der staatlichen Arzneimittelkontrollbehörde getroffen worden.

Regierungschefin Ingrida Simonyte hatte zuvor am Dienstagmorgen noch gesagt, dass das baltische EU-Land vorerst weiter an dem Impfstoff von AstraZeneca festhalten wolle. Grund für den nun erfolgten Stopp seien drei Berichte über Fälle von Blutgerinnseln bei Menschen, die in Litauen mit dem Mittel gegen Covid-19 geimpft worden seien.

«Wir haben bisher keine Beweise dafür, ob dies auf den Impfstoff zurückzuführen ist oder nur zufällig auf die Zeit nach der Impfung fällt», sagte der Leiter der Arzneimittelkontrollbehörde, Gytis Andrulionis. Die Berichte sollen der EMA zur Analyse zur Verfügung gestellt werden.

Die EMA in Amsterdam will am Donnerstag eine Empfehlung zur weiteren Verwendung des AstraZeneca-Impfstoffs abgeben. Deutschland und mehrere weitere EU-Staaten haben bis dahin die Verabreichung des Vakzins vorsorglich ausgesetzt.DPA/mur

Estland hält an AstraZeneca-Impfung fest

Anders als Deutschland und andere europäische Staaten setzt Estland die Verabreichung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca vorerst nicht aus. Das baltische EU-Land wird nach Angaben von Gesundheitsminister Tanel Kiik das Vakzin trotz der Berichte über Blutgerinnsel weiter verabreichen. «Kein Land hat Beweise dafür, dass der Impfstoff mit diesen tragischen Vorfällen zusammenhängt», sagte er am Dienstag in Tallinn.

Mit diesem Schritt schliesst sich Estland der Entscheidung von Litauen an, das ebenfalls mit Astrazeneca weiterimpfen will. Der dritte Baltenstaat Lettland hat dagegen wie mehrere weitere EU-Staaten die Verabreichung des Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers vorsorglich ausgesetzt. Hintergrund sind Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung mit dem Präparat.

«Wir müssen berücksichtigen, dass die Impfungen in Estland bereits Dutzende Leben gerettet hat und langfristig Hunderte mehr retten wird», sagte Kiik. Eine Fortsetzung der Impfungen überwiege daher mögliche hypothetische Risiken. Estland mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern weist nach Angaben der EU-Behörde ECDC aktuell eine der höchsten Infektionsraten in Europa auf. Auch Regierungschefin Kaja Kallas wurde am Montagabend positiv auf das Coronavirus getestet.DPA/mur

Auch Schweden impft nicht mehr mit AstraZeneca

Schweden stoppte die Verabreichung des AstraZeneca-Impfstoffs in Teilen des Landes bereits vor einem Monat. Nun hat die schwedische Gesundheitsbehörde den Gebrauch des Impfstoffs im ganzen Land untersagt. Bis die Untersuchung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zu vermuteten Nebenwirkungen des Mittels abgeschlossen sei, schreibt die Deutsche Presse-Agentur (DPA). «Der Entschluss ist eine Vorsichtsmassnahme», erklärte Staatsepidemiologe Anders Tegnell.

Brisant daran ist, dass Astrazeneca teils schwedisch ist. Der Pharmakonzern entstand 1999 aus dem Zusammenschluss des schwedischen Unternehmens Astra und des britischen Konzerns Zeneca. Seinen Hauptsitz hat Astrazeneca im englischen Cambridge.

Hintergrund des vorübergehenden Impfstopps sind Meldungen von Blutgerinnseln, die in mehreren Ländern im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auftraten. Mindestens bis dahin werden die kleinen Fläschchen mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers in mehreren Ländern verschlossen bleiben.DPA/mur