Aktualisiert 07.10.2019 11:53

Faszination SterneAstrologische Beratungen boomen bei jungen Leuten

Astrologische Beratungen boomen – vor allem bei jungen Leuten. Woran liegt das? 20 Minuten sprach mit Ratsuchenden und Astrologen.

von
S. Ulrich
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Steigende Lust an den Sternen: Wachsender Beliebtheit erfreuen sich nicht nur Horoskop-Apps, sondern auch astrologische Beratungen – insbesondere bei jungen Menschen.

Steigende Lust an den Sternen: Wachsender Beliebtheit erfreuen sich nicht nur Horoskop-Apps, sondern auch astrologische Beratungen – insbesondere bei jungen Menschen.

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«Vereinfacht gesagt geht es bei der astrologischen Beratung darum, den Menschen ihre Stärken und Schwächen aufzuzeigen sowie den günstigen Moment für bestimmte Entscheidungen zu bestimmen», erklärt Astrologin Carolina Schluep.

«Vereinfacht gesagt geht es bei der astrologischen Beratung darum, den Menschen ihre Stärken und Schwächen aufzuzeigen sowie den günstigen Moment für bestimmte Entscheidungen zu bestimmen», erklärt Astrologin Carolina Schluep.

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Die Anliegen der jüngeren Kundschaft würden sich überwiegend um Berufswahl- und Beziehungsfragen drehen.

Die Anliegen der jüngeren Kundschaft würden sich überwiegend um Berufswahl- und Beziehungsfragen drehen.

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Lia K.* ist eigentlich kein grosser Astrologie-Fan. Hin und wieder liest die 19-jährige Gymnasiastin ihr Horoskop, wie das viele andere auch tun. Im vergangenen Sommer schenkte ihr die Mutter einen Gutschein für eine astrologische Beratung. Das Geschenk nahm Lia gerne an: Gegen Ende ihrer schulischen Laufbahn habe sie eine Standortbestimmung vornehmen und mehr über ihre Persönlichkeit erfahren wollen, sagt sie.

Die Sitzung beschreibt sie im Rückblick als hilfreich und erkenntnisfördernd. «Im Horoskop der Astrologin sah ich meine Persönlichkeit bestätigt und erhielt Aufschluss über mein Handeln», so die junge Bernerin. Auch könne sie nun besser erkennen, ob eine Freundschaft gut für sie sei oder nicht.

Lia glaubt an einen Zusammenhang zwischen Planetenkonstellationen, Sternzeichen und Charakterzügen – auch wenn dafür keinen wissenschaftlichen Beleg gibt: «Gerade im zwischenmenschlichen Bereich lässt sich nicht alles wissenschaftlich erklären.» Zudem existiere die Astrologie seit Anbeginn der Zeit, also werde da schon etwas Wahres dran sein.

Rüstzeug, aber keine Prophezeiungen

Mit dieser Ansicht steht Lia bei Weitem nicht alleine da. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich nicht nur Horoskop-Apps und Youtube-Vorhersagen, sondern auch astrologische Beratungen – vor allem bei jüngeren Menschen, wie Anfragen in diversen Berner Praxen zeigen.

«Gerade dieses und letztes Jahr war der Trend deutlich spürbar», sagt Astrologin Carolina Schluep. Die jüngsten Klienten seien zwischen 18 und 20 Jahre alt. Ihre Anliegen würden sich überwiegend um Berufswahl- und Beziehungsfragen drehen. «Vereinfacht gesagt geht es bei der astrologischen Beratung darum, den Ratsuchenden ihre Stärken und Schwächen aufzuzeigen sowie den günstigen Moment für bestimmte Entscheidungen zu definieren», erklärt Schluep. Zeitqualität nennen das die Astrologen.

Verantwortungsbewusste Fachleute betonen immer wieder, dass ihre Beratungen nichts mit Wahrsagerei zu tun haben. «Wir können nicht in die Zukunft blicken», stellt Schluep auf ihrer Webseite klar. Und Astrologin Irene Krapf sagt: Das Horoskop sei etwa vergleichbar mit einer Land- oder Wetterkarte, mit der ersichtlich werde, «wo auf unserer Lebensreise wir uns gerade befinden und welche Ausrüstung wir dafür brauchen».

«Offener und immuner gegen Vorurteile»

Auch Krapf verzeichnet seit wenigen Jahren einen Anstieg bei den 18- bis 35-Jährigen. «Mittlerweile machen sie rund die Hälfte meiner Klientel aus», sagt sie. Die Arbeit mit Angehörigen dieser Altersgruppe empfindet Krapf als besonders bereichernd: «Sie verfügen über einen natürlichen Zugang zur Astrologie und können mühelos auf deren Symbolsprache einsteigen.»

Den typischen Klienten gebe es nicht, es kämen sowohl Männer als auch Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen – vom Juristen bis zum Pfarrer, sagt Krapf. Weiter ist aus Astrologen-Kreisen zu vernehmen, dass oftmals ein Elternteil der jungen Klienten im alternativmedizinischen oder spirituellen Bereich tätig ist – und die Nachkommen darum offener für derartige Praktiken sind.

Wie erklären sich die Astrologinnen den Zuwachs an junger Kundschaft? Schluep meint, dass diese Generation besonders empfänglich für das Gefühl einer «kosmischen Verbundenheit» sei und den Glauben an eine höhere Macht nicht ablehne. Krapf ergänzt, dass jüngere Menschen es besser verstehen würden, die «seriöse» Astrologie von den Vulgär-Horoskopen abzugrenzen, und sie daher nicht als Ganzes in die «Schmuddelecke» stellen: «Sie sind offener und immuner gegen Vorurteile.»

Auch mehr junge Fachleute

Nicht nur die Klientel astrologischer Beratungen, sondern auch das Fachpersonal wird jünger. Im Schweizer Astrologenbund (SAB) habe sich in den letzten beiden Jahrzehnten eine Tendenz zur Überalterung abgezeichnet, sagt die Präsidentin Monica Kissling, bekannt als «Madame Etoile». Seit etwa drei Jahren gäbe es im SAB jedoch eine regelrechte Welle der Erneuerung: «Wir haben aussergewöhnlich viele junge, sehr motivierte Astrologinnen und Astrologen in unseren Berufsverband aufnehmen können», sagt Kissling. Über die Gründe kann sie nur spekulieren: «Ich vermute, die Menschen wollen wieder mehr aus ihren gewohnten Denkmustern ausbrechen und neue Antworten auf wesentliche Lebensfragen finden.»

* Name der Redaktion bekannt

Glauben Sie an die Kraft der Sterne? Haben Sie schon eine astrologische Beratung in Anspruch genommen? Erzählen Sie es uns mit dem Formular.

Lehre aus alten Zeiten

Seit einigen tausend Jahren kennt die Menschheit Astrologie – auch in Asien wurde sie bereits früh genutzt. Hierzulande versteht man heute darunter meist die Geburtshoroskopie. Dafür werden Berechnungen für die Position und Einflüsse verschiedener Himmelskörper und Tierkreis-Zeichen getätigt. Diese werden im Anschluss von Astrologen entsprechend gedeutet. Die Naturwissenschaft lehnt jede Form von Astrologie ab, moniert wird die «fehlende wissenschaftliche Grundlage». cho

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