Aktualisiert 14.07.2009 14:18

Das nächste Wettrennen zum MondAstronaut oder Taikonaut?

Die Amerikaner waren die Ersten auf dem Mond. Sie setzten sich mitten im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion durch. Wer aber als Nächstes einen Menschen auf den Mond bringt, das ist derzeit noch völlig offen.

von
Klaus Gürtler (AP)

Das Rennen läuft schon, das Ziel heisst 2020. Dieses Jahr peilt die NASA offiziell immer noch für ihre nächste Mondlandung an. Aber auch China will bis dahin einen Menschen zum Mond bringen. Und nicht wenige glauben, dass der nächste Mann im Mond ein Taikonaut sein wird.

China war nach der Sowjetunion und den USA 2003 das dritte Land, das eigenständig einen Menschen in den Weltraum brachte. Und seitdem eilt China mit mächtigen Schritten weiter voran. Die Raumfahrt ist Ausdruck des nationalen Stolzes. Im vergangenen Jahr fand der erste Ausstieg in den freien Weltraum statt. 2011 oder 2012 könnten schon ein einfaches Weltraumlabor im All sein und Andockmanöver mit zwei Raumfahrzeugen folgen. Für 2020 wird eine bemannte Mondmission angestrebt. China treibt sein Programm mit grosser Energie voran.

Russland kein Wettbewerber mehr

Russland hat zwar weiter seine Sojus-Kapseln und nach 2010 wohl für einige Jahre ein Transportmonopol für Menschen zur ISS. Erst in diesem Jahr begann man aber mit den Planungen für einen Nachfolger für die 40 Jahre alte Sojus. Ein Prototyp soll 2020 fliegen. Am Wettrennen zum Mond ist Russland ebenso wenig beteiligt wie die Europäer. Die ESA arbeitet noch an Plänen für ihr erstes bemanntes Raumfahrzeug.

Die beiden anderen asiatischen Mächte, die in jüngster Zeit mit Erfolg Raumsonden zum Mond geschossen haben, Indien und Japan, sind auch noch nicht bereit für die eigenständige bemannte Raumfahrt. Aber die Japaner frönen immerhin weiter ihrer Liebe zu den Robotern und stellten in diesem Jahr Pläne vor, wonach 2020 ein Roboter auf dem Mond gehen könnte.

Es fehlt der politische Wille

Damit wird es wohl ein Rennen zwischen den USA und China. Und im Gegensatz zu China ist die Stimmung in der Raumfahrtszene der USA derzeit nicht die beste. Schon vor zwei Jahren erklärte der damalige NASA-Chef Michael Griffin, er persönlich glaube, «dass China auf dem Mond ist, bevor wir es sind». Andere Experten wie Joan Johnson-Freese pflichteten ihm bei und erklärten, es fehlten «der politische Wille und deshalb auch die Mittel», dies noch zu verhindern.

Die Zweifel am Willen der USA sind seitdem nicht geringer geworden. US-Präsident Barack Obama hat kürzlich eine grundlegende Überprüfung der gesamten NASA-Planungen angeordnet. Sie wird nicht von der Raumfahrtbehörde selbst, sondern von externen Gutachtern vorgenommen. Dabei steht alles auf dem Prüfstand. Überprüft werden auch der Umfang der Mondmission und die Frage, ob es sich die USA tatsächlich leisten wollen, mindestens fünf Jahre auf die Möglichkeit einer bemannten Raumfahrt zu verzichten und in dieser Zeit für Transporte zur ISS von Russland abhängig zu sein.

Das Fernziel ist der Mars

Obama muss sich wieder einmal mit einem Erbe seines Vorgängers George W. Bush auseinandersetzen. Denn die derzeitigen Pläne der NASA beruhen noch auf den Zielen, die Bush 2003 nach der Katastrophe mit der Raumfähre «Columbia» verkündete. Nach dem Motto «Jetzt erst recht» erklärte er, dass die Raumfährenflotte 2010 ausser Dienst gestellt und dass sofort mit der Entwicklung neuer Raketen, neuer bemannter Raumkapseln und Landefähren begonnen werde. 2015 werde die bemannte Raumfahrt dann wieder von den USA aufgenommen, 2020 sollten Astronauten auf dem Mond landen, um das grosse Fernziel vorzubereiten - eine Landung von Menschen auf dem Mars.

Fast sieben Milliarden Dollar wurden bislang schon für das US-Mondprogramm ausgegeben, trotzdem ist der Zeitplan schon in Verzug geraten. Im Moment gibt die NASA für ihre nächste Mondmission jeden Monat 300 Millionen Dollar aus. Im vergangenen Monat wurden auch zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt wieder Sonden zum Mond geschickt, die unter anderem den Erdtrabanten kartografieren und bei der Suche nach Landeplätzen helfen sollen.

Weitere Richtung des Raumfahrtprogramms unklar

Wie lange Bushs Richtlinien noch gelten, ist völlig offen. Eine erste Einschätzung soll die von Obama eingesetzte Kommission im August vorlegen. Kritikpunkte an der bisherigen NASA-Planung gab es genügend. Da sind vor allem die immensen Kosten. Zur Zeit von John F. Kennedy hiess das Motto noch: Wir wollen als erste auf den Mond, koste es, was es wolle. Heute scheint es eher zu heissen, wir wollen zwar auf Mond, kommt aber darauf an, was es kostet. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sitzt das Geld nicht mehr so locker.

Viele frühere Astronauten wie Walter Cunnigham, der mit «Apollo 7» flog, scheinen fast zu verzweifeln. Auf einer Diskussion im Mai konnte er nur feststellen: «Ich weiss nicht, in welche Richtung das Raumfahrtprogramm geht, und ich wüsste nicht, dass irgendeiner es weiss».

Constellation-Programm

Die derzeitigen Pläne der NASA für einen bemannten Mondflug beruhen noch auf den Vorgaben, die US-Präsident George W. Bush 2003 nach der Katastrophe mit der Raumfähre «Columbia» machte. Entwickelt wir alles im Rahmen des Programms Constellation (Sternbild).

Für den Flug zum Mond und auch sonst für den Transport von Menschen und Material ins All sollen ganz neue Raketen mit dem Namen Ares entwickelt werden. Ares war der Gott des Krieges der Griechen. Ares I soll die Astronauten und ihre Kapsel ins All tragen, Ares V die Fracht und zum Beispiel das Mondlandefahrzeug.

Im Vergleich zum 56 Meter hohen Shuttle sind die Ares-Raketen riesig, auch wenn sie nicht ganz an die Saturn V heranreichen. Die Ares I soll 98 Meter hoch werden, die Ares V sogar 109 Meter und damit nur zwei Meter kleiner als die 111 Meter hohe Saturn V, die vor 40 Jahren die ersten Menschen zum Mond brachte. Die Bezeichnung I und V für die Ares-Raketen sind eine Reminiszenz an die Saturn-Raketen.

Die Kapsel für die Astronauten, die stark an die Apollo erinnert, aber deutlich grösser, komfortabler und sicherer sein soll, bekam den Namen «Orion». Das Mondlandefahrzeug soll «Altair» heissen, nach dem hellsten Stern im Sternbild Aquila (Adler), und statt der zwei Astronauten der Apollo-Landefähren vier Menschen zum Mond bringen.

So richtig fertig ist von diesen Teilen wohl noch nichts. Nur das Notfallsystem, das die Astronauten in der Kapsel bei einem Problem während des Starts retten soll, existiert schon. Eine Ares I soll noch in diesem Jahr zu einem ersten Testflug starten.

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