Aktualisiert 18.05.2005 14:12

Astronaut tickt richtig

Der Waadtländer Astronaut Claude Nicollier ist Swatch- Verwaltungsrat. Die Generalversammlung hat ihn am Mittwoch in das Aufsichtsgremium gewählt. Der Swatch-Verwaltungsrat zählt nun acht statt sieben Mitglieder.

«Wo sind die Leute von Ethos? Schade, ich habe eine lange Rede vorbereitet», sagte Swatch-Verwaltungsratspräsident Nicolas Hayek am Mittwoch. Die Anlagestiftung Ethos hatte die Nomination des Astronauten Anfang Mai scharf kritisiert.

Nicollier habe keine Erfahrung in der Führung eines Grossunternehmens und sei kein Fachmann für Finanzfragen, hatte die Wirtschaftszeitung «Cash» Ethos-Direktor Dominique Biedermann zitiert.

Es sei eine ungewöhnliche Wahl, sagte Claude Nicollier vor den Aktionären. Aber Hayek sei schliesslich nicht für konventionelle Entscheide bekannt. Der Astronaut glaubt, seine technologischen Erfahrungen in den Uhrenkonzern einbringen zu können.

«Super-Schweizer»

Nicollier sei ein «Super-Schweizer», der auch für andere Unternehmen eine Delikatesse gewesen wäre, sagte Nicolas Hayek. Aber wir bevorzugen ihn bei uns zu haben. Hayek betonte mit Blick auf die Wichtigkeit der Elektronik für die Gruppe, das Interesse einen solchen Spezialisten in diesem Sektor zu haben.

Solange Nicollier Astronaut bei der Europäischen Weltraumagentur (ESA) und der US-Weltraumagentur NASA ist, erhält er kein Verwaltungsratshonorar. Damit wollen die Arbeitgeber einen Interessenskonflikt vermeiden.

Der Astronaut bedankte sich bei seinen Arbeitgeber für ihre Zustimmung, dass er während zwei Jahren das Mandat bei der Swatch Gruppe in Biel ausüben kann. Er wolle sich mit voller Kraft für die Interessen der Gruppe und die Aktionäre einsetzen, versprach er.

Nicollier ist sich der Aufmerksamkeit um seine Person bewusst. Auch die Kommentare in zwei Jahren sieht er kommen: Falls sich die Swatch Gruppe weiterhin positiv entwickelt, werde dies nicht wegen ihm sein; sollte sich aber das Resultat verschlechtern, sei aber er der Grund. «Ich akzeptiere diese Herausforderung.»

Zahlreiche Auszeichnungen

Der 60-Jährige hatte Physik an der Universität Lausanne und Astrophysik an der Universität Genf studiert. Am 31. Juli 1992 flog Nicollier mit der Raumfähre Atlantis als erster Schweizer und Europäer ins All. 1993, 1996 und 1999 folgten weitere Missionen mit drei verschiedenen Raumfähren.

Nicollier ist Empfänger zahlreicher Auszeichungen. Die ETH Lausanne und die Universität Genf verliehen ihm den Ehrendoktor. Nicollier amtet auch als Professor für Weltraumtechnologie an der ETH Lausanne. (sda)

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