Irakische Armee: «Astronauten» helfen dem IS

Aktualisiert

Irakische Armee«Astronauten» helfen dem IS

Warum bekommt die irakische Armee den IS nicht in den Griff? Schuld daran ist das «Astronauten-Phänomen» - unter anderem.

von
dia
Viele irakische Soldaten fühlen sich von ihren kneifenden Kollegen  den «Astronauten»  verraten.

Viele irakische Soldaten fühlen sich von ihren kneifenden Kollegen den «Astronauten» verraten.

Der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Nordirak gestaltet sich schwierig. Nicht zuletzt weil sich die irakische Armee offenbar selber schwächt, wie das Newsportal «Daily Beast» berichtet. Zurzeit macht ein unter dem Namen «Astronauten-Phänomen» bekanntes Problem der irakischen Armee zu schaffen.

So sollen Soldaten freiwillig ihren Kommandanten einen grossen Teil ihres Lohnes abtreten, damit sie nicht an den Kämpfen teilnehmen müssen. Tatsächlich nehmen also oft deutlich weniger Soldaten an den Gefechten teil als eigentlich vorgesehen. «Daily Beast» führt Beispiele auf, wo in gewissen Fällen nur rund die Hälfte eines Bataillons im Einsatz ist. Und die Zahl der abwesenden Kämpfer nimmt weiter zu. Laut dem irakischen Verteidigungsministerium sollen es Tausende sein. Viele glauben, ein Sieg gegen den IS sei unmöglich. Und sie fürchten sich vor den Gräueltaten der Dschihadisten.

Im Taxi statt an der Front

Die kneifenden Soldaten werden im Irak als «Astronauten» bezeichnet, weil sie irgendwo im Universum sind, aber nicht auf dem Schlachtfeld. «Wenn ich getötet werde, wer schaut dann nach meiner Frau und meinen drei Kindern?», fragt Abbas al-Saadi, ein Soldat, der statt in Tikrit zu kämpfen als Taxifahrer arbeitet. «Ich liebe die Armee, aber ich fürchte mich vor dem IS. Sie töten unsere Soldaten nicht einfach im Kampf, sie enthaupten und verbrennen sie», so al-Saadi gegenüber «Daily Beast». Darum habe er seinem Vorgesetzten seinen ganzen Lohn gegeben, um sich so seine Absenz zu erkaufen.

Keine Freude an diesen Praktiken hat der ranghohe Offizier Kadhim al-Shammari. «Das Astronauten-Phänomen zerstört unsere Armee», wird er zitiert. Einige der Kommandanten würden sich von Dutzenden Soldaten bezahlen lassen. Die Leidtragenden sind die verbleibenden Soldaten. Nicht nur bekämpfen sie deutlich dezimiert die IS-Schergen, sie müssen auch auf Erholungstage verzichten. So sollen einige der Männer erst eine Woche Ferien erhalten haben, nachdem sie zuvor bereits vierzig Tage im Einsatz waren. Normalerweise gibt es eine Woche Fronturlaub nach 21 Einsatztagen.

Ein Teufelskreis

Das Verteidigungsministerium hat das Korruptionsproblem zwar erkannt, dennoch sei es schwierig, die Fälle ausfindig zu machen. Die kämpfenden Soldaten können sich nicht über die abwesenden Kollegen beschweren. Dazu müssten sie sich aber bei den Kommandanten melden - den grossen Profiteuren des Astronauten-Phänomens.

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