Astronomen entdecken Geistergalaxien
Aktualisiert

Astronomen entdecken Geistergalaxien

Wenig Staub um viel - so lässt sich der neueste Fund von Astrophysikern beschreiben. Ein Sternschleier hat sie auf die Spur kleiner Galaxien geführt, die ein finsteres Schicksal ereilte.

Wissenschaftler vermuten, dass grosse Galaxien durch das «Verschlingen» kleinerer entstehen. Nach mehreren Milliarden Jahren sind von diesen ursprünglichen Zwerggalaxien noch immer schimmernde Sternenschleier zu erkennen. Sie sind zwar sehr schwer auffindbar. Dennoch haben Astronomen in den Sternbildern Drache und Grosser Bär nun Reste solcher geschluckten Galaxien identifiziert.

Die Grossen fressen die Kleinen

In rund 40 Millionen Lichtjahren Entfernung hat eine zerstörte Zwerggalaxie einen gigantischen, schwach schimmernden Sternenring um die Spiralgalaxie NGC 5907 im Sternbild Drache hinterlassen. Die Spiralgalaxie habe ihren Begleiter vor mindestens vier Milliarden Jahren kannibalisiert, berichten die Astronomen des Astrophysikalischen Instituts der Kanaren (IAC) auf der Insel Teneriffa.

Im Sternbild Grosser Bär hat vor rund drei Milliarden Jahren die Spiralgalaxie NGC 4013 einen kleinen Begleiter verschlungen. Davon zeugt nach Auskunft der Astronomen eine grosse, dünne Schleife alter Sterne, die von dem galaktischen Kannibalismus übrig geblieben sei.

Dünne Schleier, grosse Theorien

«Diese Sternenschleier sind sehr schwierig nachzuweisen und haben eine sehr geringe Sternendichte», erläuterte IAC-Studienleiter David Martínez. «Das ist der Grund für ihre geisterhafte Erscheinung. Daher, und weil sie mit dem Tod einer Zwerggalaxie verbunden sind, kann man sie als die Geister nun verschwundener Galaxien ansehen.» Die Beobachtungen böten die einzigartige Gelegenheit, die letzten Schritte beim Aufbau von Galaxien wie unserer eigenen zu beobachten, betonte Martínez.

Deine Meinung