Schwarzes Einhorn - Astronomen finden kleinstes bekanntes schwarzes Loch in der Milchstrasse
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Schwarzes EinhornAstronomen finden kleinstes bekanntes schwarzes Loch in der Milchstrasse

Nah, klein und schwierig nachzuweisen: Forschende aus den USA haben in der Milchstrasse ein ganz besonderes schwarzes Loch entdeckt. Einfach war das nicht.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das kleine schwarze Loch namens «Einhorn» umkreist in rund 1500 Lichtjahren Entfernung von der Erde den roten Riesenstern V723 Mon. Dabei «zerrt» es sichtlich am roten Stern. 

Das kleine schwarze Loch namens «Einhorn» umkreist in rund 1500 Lichtjahren Entfernung von der Erde den roten Riesenstern V723 Mon. Dabei «zerrt» es sichtlich am roten Stern.

REUTERS/Ohio State illustration/Lauren Fanfer
Diese Verzerrung war in Daten von mehreren Weltraumteleskopen, darunter auch solche des Nasa-Teleskops Tess (Transiting Exoplanet Survey Satellite) ersichtlich und verriet den Astronomen die Existenz des «Einhorns».

Diese Verzerrung war in Daten von mehreren Weltraumteleskopen, darunter auch solche des Nasa-Teleskops Tess (Transiting Exoplanet Survey Satellite) ersichtlich und verriet den Astronomen die Existenz des «Einhorns».

Nasa
Die Art des Nachweises war in diesem Fall ungewöhnlich: Da kein Licht aus einem schwarzen Loch entweichen kann, lassen sie sich nur auf indirektem Wege nachweisen. Bei den meisten bekannten schwarzen Löchern geschah das mithilfe von Röntgenstrahlung. (Im Bild: das erste jemals aufgenommene Bild eines schwarzen Loches, 2019)

Die Art des Nachweises war in diesem Fall ungewöhnlich: Da kein Licht aus einem schwarzen Loch entweichen kann, lassen sie sich nur auf indirektem Wege nachweisen. Bei den meisten bekannten schwarzen Löchern geschah das mithilfe von Röntgenstrahlung. (Im Bild: das erste jemals aufgenommene Bild eines schwarzen Loches, 2019)

Event Horizon Telescope collaboration et al.

Darum gehts

  • Schwarze Löcher nachzuweisen, ist eine schwierige Angelegenheit.

  • Dies funktioniert nur auf indirektem Wege.

  • US-Forschende haben nun einen völlig neuen Ansatz gewählt – und wurden fündig.

  • Sie konnten erstmals ein kleines schwarzes Loch nachweisen.

  • Der Winzling unter den schwarzen Löchern trägt den Namen «Einhorn».

Wie klein kann ein schwarzes Loch sein? Das fragen sich Astronomen weltweit schon seit Jahren. Bei der Suche nach der Antwort fanden sie grosse und mittelgrosse, jedoch nie ein wirklich kleines – bis jetzt. In einer Preprint-Studie berichten Forschende aus den USA nun von einem ganz besonderen Winzling: dem schwarzen «Einhorn».

Dabei handelt es sich um ein schwarzes Loch, das etwa drei Sonnenmassen hat und sich nur 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt in der Milchstrasse befindet. Es ist damit nicht nur das kleinste bekannte schwarze Loch, sondern auch das, das der Erde am nächsten ist.

Einzigartig, aber wohl nicht das einzige

Ungewöhnlich ist auch, dass ein schwarzes Loch überhaupt einen Namen erhält. Doch dafür gibt es sogar zwei Gründe, so das Team um Tharindu Jayasinghe, Astronom an der Ohio State University. Die Wahl fiel auf «Unicorn» (Englisch für «Einhorn»), weil das schwarze Loch einzigartig ist und weil es im Sternbild Monoceros gefunden wurde, das von den alten Astronomen nach dem griechischen Wort für Einhorn benannt wurde.

Die Entdeckung des Einhorns «deutet darauf hin, dass es noch viel mehr kleine schwarze Löcher gibt, die wir finden könnten, wenn wir das Volumen des Raums, den wir durchsuchen, vergrössern würden», zitiert Nationalgeographic.com Jayasinghe. Durch die Untersuchung des Einhorns hoffen die Forscher, ein klareres Bild davon zu bekommen, was mit Sternen in den letzten Momenten ihres Lebens passiert und warum einige von ihnen zu schwarzen Löchern kollabieren, während andere dichte Sternhüllen, sogenannte Neutronensterne, zurücklassen.

Schwarze Löcher sind extrem schwierig zu finden – in diesem englischsprachigen Clip verraten die Forschenden, wie es ihnen trotzdem gelang.

Ohio State University/Matt Stoessner

Verräterische Gezeitenverzerrung

Auch die Art des Nachweises war in diesem Fall ungewöhnlich: Da kein Licht aus einem schwarzen Loch entweichen kann, lassen sie sich nur auf indirektem Wege nachweisen. Bei den meisten bekannten schwarzen Löchern geschah das mithilfe von Röntgenstrahlung. Beim schwarzen Einhorn dagegen nutzten die Astronomen Daten von mehreren Weltraumteleskopen, um periodische Veränderungen in der Helligkeit und im Spektrum des Lichts zu messen, das von einem roten Riesenstern namens V723 Mon ausgeht. Ein Vorgehen, das man auch von der Suche nach Exoplaneten kennt.

«Als wir die Daten angeschaut haben, ist das schwarze Loch geradezu herausgesprungen», zitiert die Zeitung «Frankfurter Rundschau» Jayasinghe. Die Daten zeigten, dass etwas an dem roten Riesen «zerrte» und dessen Form veränderte. Experten bezeichnen den Effekt als Gezeitenverzerrung. Er ist auch von der Erde bekannt: «Wie die Schwerkraft des Mondes die Erdmeere bewegt, sie zum Mond hin anschwellen lässt und Ebbe und Flut entstehen lässt, so verzerrt das schwarze Loch den Stern in eine Football-ähnliche Form», erklärt Co-Autor Todd Thompson.

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