Drohende Gefängnisstrafe: Asylbewerber soll zurück in die Türkei
Aktualisiert

Drohende GefängnisstrafeAsylbewerber soll zurück in die Türkei

Der Bund hat den Asylantrag des Kurden Hasan Yücel (58) abgewiesen – obwohl ihm im Heimatland erneut Gefängnis droht. Mit seiner Kirchgemeinde kämpft er nun gegen den Entscheid.

von
Deborah Sutter
Hasan Yücel war in der Türkei politisch aktiv – gegen den Willen der dortigen Regierung.

Hasan Yücel war in der Türkei politisch aktiv – gegen den Willen der dortigen Regierung.

In seiner Heimat, der Türkei, wurde Hasan Yücel aus politischen Gründen verfolgt: Der 58-jährige Kurde hat eine politische Organisation gegründet, die illegal ist. 13 Jahre lang sass er dafür im Gefängnis: «Ich habe aus dieser Zeit Narben am ganzen Körper, von denen auf meiner Seele ganz zu schweigen – ich bin am Ende», sagt Yücel. Seit vier Jahren ist er in der Schweiz und kämpft für die Annahme seines Asylantrags. «In Bern hat man den Antrag abgelehnt, weil man ihm nicht glaubte», sagt Yücels Anwalt Peter Frei. Dem Bundesamt für Migration hätten Beweise gefehlt, dass hinter dem erlittenen Leid der türkische Staat stecke: «Die Beziehungen zu den linken Kurden in der Schweiz und die lange Zeit im Gefängnis wegen seines politischen Engagements sind aber eindeutige Beweise», so Frei. Eine Beschwerde am Bundesverwaltungsgericht ist hängig.

Im Kampf mit den Behörden wird der kurdische Christ auch von seiner Zürcher Freikirche Vineyard unterstützt: «Seine Geschichte hat mein Herz berührt, weil er einfach nicht zu seinem Recht kommt», sagt Kurt Beutler, mitverantwortlich für die Ausländerarbeit. Wenn Yücel zurück müsse, drohe ihm Gefängnis – oder Schlimmeres: Seine Tochter sei etwa entführt und missbraucht worden. Beutler fordert: «Wenn Bern schon nicht politisches Asyl bewilligt, dann wenigstens die Auf­nahme aus humanitären Gründen.»

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